Elf der zurzeit 28 „Happy Quilting Ladies“ fahren am Donnerstag nach Berlin. Auf der Treppe vor St. Elisabeth, wo sie sich 14-tägig zum Nähen treffen, präsentieren die fleißigen Frauen ihre neuesten, kunstvollen Werke aus Stoff. Foto: Karina Eyrich

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ dürfen elf Frauen aus Albstadt und Umgebung am Donnerstag, 12. September, rufen: Dort sind die „Happy Quilting Ladies“ am Samstag zu Gast bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Wie sie das geschafft haben, verraten sie im Gespräch mit unserer Redaktion – und zeigen ihre Schätze.

Gewöhnlich treffen sich die „Happy Quilting Ladies“ – 28 „glückliche quiltende Frauen“ – 14-tägig dienstags im Saal der katholischen KIrchengemeinde St. Elisabeth und montags, in den Wochen dazwischen, im „Make2Gether“-Raum der Stadtbücherei Ebingen zum Nähen, Quilten, Kaffeetrinken und zum gegenseitigen Helfen bei ihren kunstvollen Handarbeiten.

 

Diesmal aber haben sie etwas Besonderes zu besprechen: Elf von ihnen fahren am Donnerstag, 12. September, in die Bundeshauptstadt und treffen dort am Samstag, 14. September, niemand Geringeren als das Staatsoberhaupt persönlich. Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier hat den 2003 gegründeten Verein um die Vorsitzende Marianne Roth zu seinem Bürgerfest im Schloss Bellevue eingeladen, bevor am Sonntag beim Gartenfest dann auch andere Zugang haben.

Mit Herzkissen helfen die Ladies brustamputierten Frauen. Foto: Eyrich

Dass die Frauen von der Alb dort ein Exklusiv-Ticket für die geschlossene Gesellschaft haben, verdanken sie nicht nur ihrem Fleiß, sondern der Tatsache, dass sie ihn im Dienst an hilfsbedürftigen Menschen einsetzen. Die Hochwasser-Opfer in Bisingen haben sie unterstützt. Schöne Decken für Rollstuhl-Nutzer im Senova-Seniorenzentrum Truchtelfingen haben sie genäht. Mit „Herzkissen“ greifen sie Krebspatientinnen nach einer Brustamputation buchstäblich unter den Arm, um sie zu entlasten – das Infusions-Täschle ist inklusive –, und für Sternenkinder nähen sie winzige Garnituren, damit diese würdig gekleidet sind, wenn ihre Eltern sich von ihnen verabschieden müssen.

Netze zur Tarnung der ukrainischen Soldaten – schon das Knüpfen ist ein Integrationsprojekt

Seit Monaten knüpfen die „Happy Quilting Ladies“ aus alten Tor- und Volleyball-Netzen mit Stofffetzen Tarn-Netze für ukrainische Soldaten, bekommen dabei Hilfe von ukrainischen Frauen, die nach Albstadt geflüchtet sind, und haben dabei schon viele Freundschaften geknüpft – das ist gelebte Integration mit sicherheitstechnischem Nebeneffekt.

Seit vier Jahren arbeitet Gunild Weinbuch an diesem Wandbehang aus Stoffröschen. Foto: Eyrich

Außerdem bieten sie Nähprojekte für Kinder an und spenden Schulranzen für Schulanfänger – bezahlt mit dem Erlös der „Lavendelaktion“, wie Marianne Roth erklärt: Mit Erlaubnis der Stadt ernten die Frauen den Lavendel in Albstadts Verkehrskreiseln und nähen ihn in kleine Säckchen aus schönem Stoff ein, die im Wäscheschrank die Motten fernhalten.

Derzeit im Trend: Hingucker aus Jeans wie diese Decke und das Kissen Foto: Eyrich

Lampenfieber, „dass alles gut geht“, hat vor dem Besuch bei Steinmeier nur Christina Scholz, das „vereinseigene Reisebüro“ der „Happy Quilting Ladies“, wie Marianne Roth sie schmunzelnd nennt. Sie hat ihren Mann oft auf beruflichen Reisen nach Berlin begleitet, kennt sich aus und hat ein schönes Besuchsprogramm organisiert, inklusive Führungen im Reichstagsgebäude samt Plenarsaal und Glaskuppel, im Karl-Löbe-Haus mit den Büros der Bundestagsabgeordneten und im Nikolaiviertel, wo die „Happy Quilting Ladies“ bei „Mutter Hoppe“, in einem Kult-Wirtshaus, zum Essen gehen.

Eine originelle Tasche wird wohl auch Elke Büdenbender, die Frau des Bundespräsidenten, bekommen. Foto: Eyrich

Beim Empfang im Schloss Bellevue werden sie natürlich ihre „Badges“ tragen: herzförmige Anstecker, kunstvoll genäht, mit ihren Namen darauf. Und was bringen sie dem Bundespräsidenten mit? Vielleicht eine tolle Tasche aus Jeans, wie sie gerade der Renner sind?

Manche Quilts der „Glücklichen Frauen“ sind die reinsten Bilderbücher. Foto: Eyrich

„Ein schönes Täschle“ wird in jedem Fall zum Geschenk gehören, vielleicht mit Alb-Linsen und Spätzle darin. Und natürlich das strahlende Lachen, das ihrem Verein den Namen gegeben hat, und ihr inspirierendes Vorbild, anderen zu helfen, Schönes zu schaffen und dabei Spaß zu haben.