Brigitte Wagner (links) ist von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut mit einer der höchsten Auszeichnungen des Landes, der Staufermedaille des Ministerpräsidenten, geehrt worden – im Capitol-Filmpalast in Albstadt. Foto: Eyrich

Die Welt abzubilden, ist Brigitte Wagner nicht genug. Ihr Können und ihr großes Herz setzt die Künstlerin, die in Meßstetten lebt und weit über die Region Albstadt hinaus wirkt und sich ehrenamtlich engagiert, im Dienst der Menschen ein. Dafür ist sie am Mittwochabend hoch dekoriert worden.

Albstadt/Meßstetten - (key). "Ihr gesamtes Leben und Schaffen ist geprägt von einem besonderen gesellschaftlichen Engagement." Mit diesen Worten hat Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut die besonderen Verdienste der Künstlerin Brigitte Wagner um das Land Baden-Württemberg gewürdigt, als sie ihr am Mittwochabend die von Ministerpräsident Winfried Kretschmann verliehene Staufermedaille überreichte – an ungewöhnlichem Ort: Im Capitol-Filmpalast in Ebingen wurde zum zweiten Mal das Film-Porträt des Regisseurs Fritz Dannemann über Brigitte Wagner gezeigt.

Eine Plattform für Künstler und Freunde

Es zeichnet ihren Lebensweg von der Kindheit in Reutlingen über die Studienjahre in Stuttgart und als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Galerie Albstadt – heute Kunstmuseum Albstadt – bis zur eigenen Galerie auf dem Michelfeld bei Oberdigisheim nach. Dort betreibt Brigitte Wagner zusammen mit ihrem Mann, dem Arzt und Fotokünstler Reinhard Wulf, die "Galerie im Fehlochhof" und bietet dort Künstlern, die oft auch Freunde sind, eine Plattform.

"Das Sichtbarmachen von Kunst, den Werken Wirksamkeit zu verleihen, war und ist Ihnen stets ein wichtiges Anliegen", betonte die Ministerin, die zusammen mit Kreisarchivar Andreas Zekorn gekommen war. "Ihr gesamtes Leben und Schaffen ist dabei geprägt von einem besonderen gesellschaftlichen Engagement."

"Sie bringen Menschen durch die universale Sprache der Kunst zusammen"

Hoffmeister-Kraut hob hervor, dass es Brigitte Wagner mit ihren Projekten auf verschiedene Weise immer wieder gelinge, Menschen durch "die universale Sprache der Kunst" zusammenzubringen. Beispielhaft nannte sie die von ihr und ihrem Mann ermöglichten kreativen Begegnungen von Flüchtlingen und einheimischen Jugendlichen in der Galerie im Fehlochhof, bei denen Berührungsängste abgebaut worden seien, und die den Jugendlichen eine wichtige Selbsterfahrung beschert hätten. Aber auch ihren Einsatz als ehrenamtliche Kuratorin von Ausstellungen im Pflege- und Altenheim Meßstetten sowie im Zollernalb-Klinikum in Albstadt erwähnte Hoffmeister-Kraut: "Damit haben Sie Personal und Patienten viel Freude gemacht."

"Ein Gewinn für die gesamte Region"

Mit ihrer Galerie im Fehlochhof habe das Paar ein Forum für Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Ausdrucksformen geschaffen, die sich und ihr Werk dort einer interessierten Öffentlichkeit bekannt machen können. Ein Skulpturen- und Landschaftsgarten ergänzt das Ausstellungsspektrum ebenso wie ein Begleitprogramm mit Theater, Lesungen und Musik. "Die Galerie ist ein Gewinn für das kulturelle Angebot der gesamten Region", betonte die Ministerin.

Eine Geste, die man nicht hoch genug schätzen könne, seien auch die großzügigen Schenkungen, mit denen Brigitte Wagner Galerien und Museen in der Region und darüber hinaus bedacht habe – allen voran die Schenkung anlässlich ihres 80. Geburtstages im vergangenen Jahr. "Danke dafür!" rief die Ministerin der sichtlich gerührten Künstlerin zu. "Das ist eine Besonderheit!" Denn Brigitte Wagner hatte nicht weniger als ihr Gesamtwerk dem Zollernalbkreis übergeben. Eine große Ausstellung in der Balinger Zehntscheuer war der passende Rahmen dafür.

"Sie geben sich nicht einfach zufrieden"

"Sie geben sich nicht damit zufrieden, die Welt abzubilden, sondern gestalten sie mit!", sagte Nicole Hoffmeister-Kraut. Davon zeuge nicht nur die künstlerische Tätigkeit Brigitte Wagners, die alleine für sich schon Grund genug sei, sie zu ehren, sondern auch der vielfältige ehrenamtliche Einsatz, mit dem sich Brigitte Wagner bleibende Verdienste um das Gemeinwesen erworben habe.

Die Staufermedaille sei eine besondere persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten für Verdienste um das Land Baden-Württemberg und seine Bevölkerung. Mit ihr würden Verdienste um das Gemeinwohl geehrt, die über die eigentlichen beruflichen Aufgaben hinaus erworben wurden – über viele Jahre hinweg.

"Die Freude kommt zu mir zurück"

Brigitte Wagner war "freudig erschlagen" vom überraschenden Besuch der Wirtschaftsministerin und ihrer Rede, wie sie bekannte. Es sei "so schön, dass es bemerkt wird", sagte sie über ihr Schaffen und ihren Einsatz jenseits des Künstlerischen. "Man macht es nicht, damit es bemerkt wird, aber wenn ein Lob kommt, freut es einen doch."

Die Freude der Menschen an ihrer Arbeit komme immer wieder auf sie selbst zurück, betonte die Künstlerin, die vor allem, aber nicht nur, für ihre Kaltnadelradierungen bekannt ist. Das sei ihr wichtig, zumal ihr Leben nicht immer leicht gewesen sei. Mit ihrem Mann Reinhard Wulf freilich habe sie viel Freude am Leben, in dem sie noch lange bleiben will, und mit Blick zu ihm ergänzte Brigitte Wagner: "Auf gut Schwäbisch sind wir ein richtig gutes Päckchen!"

Von Berlin über Reutlingen und Stuttgart bis zum Michelfeld

1940 in Berlin geboren und in Reutlingen aufgewachsen, wohnt Brigitte Wagner seit 1973 in Meßstetten. Von 1959 bis 1962 studierte sie in Stuttgart an der Akademie der Bildenden Künste. Nach ihrem Studium war sie freischaffende Künstlerin in Reutlingen sowie Mitglied der Künstlergruppe der Hans-Thoma-Gesellschaft und wirkte 1968 an der Gründung der Studiogalerie im Alten Rathaus in Reutlingen mit.

Von 1975 bis 1981 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Städtischen Galerie Albstadt, dem heutige Kunstmuseum Albstadt, tätig. Zusammen mit ihrem Mann Reinhard Wulf hat Brigitte Wagner 2012 die Galerie Im Fehlochhof in Meßstetten gegründet, die Kunstschaffenden die Möglichkeit bietet, ihre Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.