Sabrina Fecker startet mit dem Hofladen des gleichnamigen Fecker-Hofs bei Bisingen ins KI-Zeitalter. Foto: Alexander Kauffmann

Auf dem Fecker-Hof bei Bisingen organisiert Künstliche Intelligenz den Hofladen – und schafft damit mehr Zeit für das, was den Betrieb seit jeher ausmacht: den Kontakt mit den Kunden.

Wenn ein warmer, sonniger Tag bevorsteht, rät die KI auf dem Fecker-Hof bei Bisingen zu mehr Grillgut und marinierten Produkten in den Regalen. Zieht Regen auf, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eher Suppenhuhn gefragt ist. Leber- und Streichwurst werden je nach Prognose reduziert. Was zunächst nach Zukunftsmusik klingt, ist auf dem Hofladen Alltag: Seit dem 1. April organisiert dort eine KI Teile des Verkaufs – „und nein, das war kein Aprilscherz“, sagt Sabrina Fecker.

 

Der Fecker-Hof hat seinen Hofladen zwar technisch grundlegend neu aufgestellt, am vertrauten Prinzip aber bewusst festgehalten: Die Mitarbeiter sind weiterhin vor Ort, die Kundschaft kann nach wie vor ganz klassisch einkaufen, Fragen stellen und ins Gespräch kommen. Mit Blick auf die Mitarbeiter sagt Fecker: „Alle haben sich mal für einen Beruf mit Menschen entschieden.“ Und genau dafür solle nun wieder mehr Zeit bleiben. „Das ist das, was uns Spaß macht.“​

KI arbeitet treffsicher

Wie viele Betriebe steht auch der Fecker-Hof vor Herausforderungen: In den kommenden Jahren gehen langjährige Mitarbeiter in den Ruhestand, zugleich wird es schwieriger, neues Personal zu finden. Die Frage war also nicht, ob sich etwas ändern muss, sondern wie. Eine reine Umstellung auf Selbstbedienungs-Terminals, wie sie in großen Lebensmittelketten längst üblich sind, kam für Sabrina Fecker nicht infrage. Zu eng ist die Bindung an die Kundschaft.

„Manche Kunden kenne ich noch als Kind“, sagt sie. Solche gewachsenen Beziehungen wolle sie nicht aufgeben. Statt Menschen zu ersetzen, soll die Technik die Arbeit im Hintergrund übernehmen. Jedes Produkt ist dafür mit einem Label versehen, über das die KI den Warenbestand verfolgt. Aus Verkaufszahlen, Einkaufsverhalten und Wetterprognosen erstellt das System täglich Listen, welche Artikel in welcher Menge bereitliegen sollten.

Die Vorhersagen seien erstaunlich treffsicher, berichtet Fecker. Gleichzeitig übernimmt die Technik Aufgaben, die bislang Zeit gebunden haben: Sie kontrolliert etwa die Temperaturen in den Kühlregalen oder hilft dabei, Auffülllisten zu optimieren. Auch bei der Werbung arbeitet das System mit. Auf einem Bildschirm werden Produkte passend zur Wetterlage präsentiert. Die dazugehörigen Grafiken erstellt die KI automatisch. Für den Betrieb ist die KI mehr als ein technisches Extra. Wer zielgerichteter anbietet, was Kunden tatsächlich nachfragen, kann Ressourcen schonen, Lagerhaltung und Produktion besser auf den Verkauf abstimmen, erklärt Fecker.

Mehr als ein Ort zum Einkaufen

Theoretisch könnte der Einkauf damit auch ohne Verkäufer abgewickelt werden. Bei der Registrierung sind die Mitarbeiter noch behilflich. „Es gibt eine Hemmschwelle, wenn es niemand zeigt“, sagt Fecker. Und was ist mit Diebstahl? Wird ein Produkt nicht korrekt abgerechnet, schlägt das System Alarm. Auf dem Bildschirm erscheint dann automatisch eine Anleitung, wie weiter vorzugehen ist.

Mit der Zeit soll die KI immer präziser werden – beim Erkennen von Produkten, bei den Verkaufsprognosen und in der Planung. Für den Fecker-Hof eröffnen sich neue Möglichkeiten: längere Öffnungszeiten trotz knappen Personalstands, perspektivisch bis nach 20 Uhr.

Vor allem aber soll die Technik dafür sorgen, dass das Persönliche erhalten bleibt. Die Maschine soll übernehmen, was sie gut kann – damit die Menschen mehr Zeit haben für das, was kein Algorithmus ersetzt. Für Smalltalk und für Gespräche, die aus einem Hofladen mehr machen als nur einen Ort zum Einkaufen.