Die Sportart Paintball soll nach Villingen-Schwenningen kommen.
Villingen-Schwenningen - "Wir suchen Haus/Halle/Grundstück/Wald", gibt Sebastian J. am Wochenende im Internet in einer Gruppe von Villingen-Schwenningern bekannt und verrät auch gleich, wozu das benötigt wird: "Wir wollen ein wenig etwas für unseren Sport wie auch für die Jugend in VS und Umgebung tun." Kurz darauf wird er deutlicher: "Es handelt sich um den viel umstrittenen Sport Paintball."
Vielerorts der Hit
Vielerorts ist das der große Hit und hat mit dem Vorurteil über in Camouflage-Klamotten durch Wälder robbende, Krieg spielende Jungs wenig gemein: Die Teilnehmer zweier oder gar mehrerer Mannschaften betreten eine Art Hindernisparcours und beschießen sich mit Farbkugeln. Für Liebhaber des Sports ist damit ein großer Spaßfaktor garantiert.
Doch Sebastian J. weiß um das Potenzial zur Polarisierung, den diese Ankündigung hat. Paintball zählt seit jeher zu den wohl umstrittensten Sportarten überhaupt – die einen lieben ihn, so scheint es, die anderen hassen ihn. Der Schreiber und seine Mitstreiter wollen eine Paintball-Anlage zunächst privat und in kleinem Rahmen aufziehen, dann aber jenen, die dazu stoßen möchten, auch die Möglichkeit dazu geben.
Ein Villinger Team
Unbekannt ist der Paintball-Sport in Villingen-Schwenningen natürlich nicht – eine ähnliche Variante, allerdings ohne Farbkugeln, sondern mit Laser-Technik, wird beispielsweise im Lasermaxx in Villingen gespielt. Und auch richtiges Paintball kennt man im Oberzentrum, so wurde 2015 beispielsweise das Team "Vikings Villingen" gegründet. Der Paintball-Sportler Patrick Bergmann hat die Gruppe mit einigen Freunden aus Villingen-Schwenningen gegründet, die Vikings starteten in der Bezirksliga und mischten im Jahr darauf schon in der Landesliga mit. Liga-Ehren, obwohl Paintball in Deutschland nicht als Sport anerkannt wird – anders als etwa in Frankreich oder Italien.
Nach Mannheim oder in den Kraichgau pilgern die Paintball-Sportler der Doppelstadt bislang beispielsweise, um ihrem Hobby dort in eigens eingerichteten Paintball-Arenen zu frönen. Das soll sich ändern – VS braucht eine eigene Paintball-Arena oder eben zumindest ein Waldstück oder eine leerstehende Halle dafür, meinen die Sportbegeisterten.
Es wird hitzig diskutiert
Dass eine solche Ankündigung in gerade diesen kriegerischen Zeiten aber besonders strittig diskutiert wird, müssen der Initiator und seine Mitstreiter direkt selbst erleben: "Euer Sport in Ehren, aber aktuell passt es wohl weniger, sehr perfide beim Krieg und tausenden von Opfern in der Ukraine", eröffnet Winfried M. direkt die Debatte – auch wenn Paintballer seit Jahren das Image ihres Lieblingssports aufpolieren und beispielsweise rote Farbkugeln verboten wurden, um eine Assoziation mit Blut zu verhindern.
Dani F. und viele andere User eilen den Paintballern zwar zur Hilfe – "wenn es nach dem geht, dürfte man ja fast gar nichts mehr – das eine hat mit dem anderen doch absolut nichts zu tun. Man muss nicht immer alles auf die Waagschale legen! Sport ist Sport und Krieg ist Krieg!", dennoch zeigt der Verlauf der Diskussion, wie umstritten Paintball noch immer ist.
Leidvolle Erfahrungen
Eine leidvolle Erfahrung machten schon andere im Raum Villingen-Schwenningen. "Wir hatten vor zwei Jahren eine Pacht im Raum Villingen-Schwenningen und hätten auch DPL Turniere in der Region ausgetragen. Hatten damals über 30 000 Euro bereits investiert. (Gebäude, Rasen etc..) Bis dem Verein der uns das Gelände verpachtet hat, wegen dem nicht geduldeten Sport die Ebschaftspacht entzogen wurde", schildert ein anderer User. Das hätte sogar ein übles Nachspiel gehabt – von einer Ortsvorsteherin sei den jungen Leuten in einer Telefonkonferenz "gedroht" worden, "da einige von uns im Raum VS selbst Unternehmer waren". Der Versuch, rechtlich etwas dagegen zu unternehmen, sei erfolglos gewesen, "Schreiben an den guten OB wurden nie beantwortet und verblieben bis heute ohne Reaktion", kritisiert der junge Mann.
Ist eine Halle oder ein Grundstück erst einmal gefunden, dürften die Paintballer um Sebastian J. also längst nicht am Ziel angekommen sein. Erfahrungen im Landkreis aus der Vergangenheit zeigen, wie mühsam das Unterfangen Paintball-Halle für viele sein kann, selbst wenn die Anlage schon läuft. So eröffnete der Donaueschinger Lars Wicher vor über zehn Jahren in Blumberg beispielsweise die Paintball-Halle P3 – er hatte ein ehemaliges gekauft und zur Paintball-Anlage umgerüstet und wollte diese sogar noch um eine Außenanlage erweitern. Doch dann kam der Ärger mit den Behörden. Später rüsteten Wicher und sein Team von Paintball auf Reballs um – eine Art Gummibälle, die Vorteile: kein Schmutz, kein lästiges Maske-Putzen und keine Zusatzkosten durch den Nachkauf der Paintballs. Der letzte Ball aber ist im P3 geflogen. "Wir versuchen unser Möglichstes eine neue Anlage für Euch zu eröffnen" heißt es auf der Internetseite der Paintball-Anlage mittlerweile.
Info: Was man für Paintball braucht
Mit einem Parcours in einer Halle oder im Freien ist es nicht getan. Zur Standard-Ausrüstung gehören spezielle, splitterfreie Paintball-Masken zum Schutz des Gesichts, diverse Protektoren, Trikots in den Teamfarben und die obligatorische Luftdruckpistole, Markierer genannt. Für eine Ausrüstung kann man gut und gerne um die 800 Euro ausgeben – je nach Budget auch deutlich mehr.