Anna Mauder, Lutz Schwarz und Artur Repp (von links) stellen im Theater am Ring in Villingen das Spielzeitbuch 22/23 mit fast 120 Seiten kultureller Vielfalt vor. Foto: Heinig

Einer sich geänderten Kulturlandschaft angepasst, mit über 80 Veranstaltungen an vier Spielorten, feuerrot eingebunden und trotz Pandemie im gewohnten Umfang – der neue Kulturamtsleiter Lutz Schwarz legte das Spielzeitbuch 22/23 vor.

Villingen-Schwenningen - Auf fast 120 Seiten stellte Schwarz’ Vorgänger Andreas Dobmeier, nach 17 Jahren zum letzten Mal, mit Schauspiel für Groß und Klein, Musiktheater, Komödien, Tanztheater, Kabarett und Meisterkonzerten einmal mehr ein facettenreiches Kulturangebot zusammen. Festabonnements können sofort, die Wahlabonnements ab dem 11. August gebucht werden. Der Einzelticketverkauf startet laut dem Amt für Kultur am 22. August.

Lutz Schwarz ist voll des Lobes über Dobmeiers Motto "Wandel", das der über die am 24. September mit einem Meisterkonzert des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie beginnenden Spielzeit stellte. "Die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen", zitiert Dobmeier den römischen Dichter Ovid in seinem Vorwort.

Steigende Kosten

Dass sich insbesondere nach zwei Jahren mit kulturellen Lockdowns einiges geändert habe, das betont auch der neue Kulturamtsleiter. Die zuletzt "überbordende" Zahl an künstlerischen Bewerbungen sei stark gesunken, viele Künstler mussten aufgeben. Wer überlebte, sieht sich jetzt mit steigenden Produktions- und Reisekosten konfrontiert und preist diese in sein Honorar ein.

Theater wird saniert

Zudem sind Auftritte für zukünftige Spielzeiten nur schwer planbar, was ausschließliche Gastspielhäuser wie in VS vor Probleme stellt. Auf Lutz Schwarz wartet im Rahmen der Spielzeit 23/24 außerdem die Ungewissheit, wann das Theater am Ring saniert wird. Die Nutzungsuntersuchungen laufen und in den nächsten Wochen, so hofft er, steht ein Zeitplan für die Ertüchtigung von Brandschutz, Stromführung und Lüftung, damit er mit den Planungen beginnen kann.

Kulturelle Vielfalt

Für eine kulturelle Vielfalt der kommenden Spielzeit im Theater am Ring, im Franziskaner, in der Neckarhalle und der Neuen Tonhalle ist aber schon gesorgt. Am 27. September kommen mit "Noch einen Augenblick" die Liebhaber von Boulevardkomödien auf ihre Kosten. Am 4. Oktober ist die Bühnenadaption von Mariana Lekys Roman "Was man von hier aus sehen kann" im Rahmen der 39. baden-württembergischen Literaturtage – wofür demnächst ein eigens Programm veröffentlicht wird – zu sehen. "Der Fiskus" ist eine Komödie, aufgeführt am 5. November von "unserem wunderbaren Partner" (Schwarz), dem Landestheater Württemberg. Als "ein Highlight" bezeichnet Schwarz die Bühnenfassung von Thomas Manns Roman "Der Zauberberg" mit Ulrich Gebauer in der Hauptrolle, die am 10. Dezember gezeigt wird.

Kinder, Autoren, Kabarett und Tanz

Kinder dürfen sich am 12. Dezember über Astrid Lindgrens "Ronja, Räubertochter" freuen und am 12. März über das Musikmärchen "Alla Turca". In der Reihe "Autor im Gespräch" werden vier Autoren, darunter der Politiker Wolfgang Schäuble, empfangen. In der Kategorie Kabarett ist unter anderen Lars Reichow am Start. "Bach goes Breakdance" heißt es am 13. Oktober beim Tanzevent "Goldberg Moves".

Instagram-Kanal

Laut Anna Mauder, Marketingreferentin im Amt für Kultur, sind auf dem neuen Instagram-Kanal "kultur-vs" erstmals Hintergrundinformationen zu allen Veranstaltungen abrufbar. Ferner steht das Spielzeitbuch als E-Book in wenigen Wochen auf der Homepage der Stadt.

Weniger Zuschauer, weniger Einnahmen

Die Coronapandemie ging an der Kultur in VS nicht spurlos vorbei. Artur Repp, Verwaltungsleiter im Amt für Kultur, legte Zahlen vor. So wurden in der vom Virus noch überwiegend unbelasteten Spielzeit 19/20 gut 2000 Abonnements verkauft, eine Zahl, die ein Jahr später bei rund 1400 lag. 2019 kamen zu 102 Veranstaltungen 41 000 Menschen. 2020 waren es nur noch knapp 9000 bei 27 Veranstaltungen. Obwohl 2021 die Zahl der kulturellen Angebote wieder auf 45 stieg, hielt sich das Publikum zurück – nur 7000 kamen. Die Einnahmen sanken 2021 gegenüber Vor-Corona um zwei Drittel auf rund 230 000 Euro. Aus dem Rettungsprogramm der Bundesregierung, dem "Neustart Kultur", flossen nach VS bisher 200 000 Euro. Aufgrund der Verlängerung des Programmes bis Juni 2023 rechnet Repp mit einer weiteren Tranche.