Auch Nutztiere haben Gefühle: Der Verein "Lebenshilfe Kuh & Co." will sie deshalb aus Massentierhaltung retten. Foto: Paulsberg

"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln", hat Mahatma Gandhi gesagt. Der Verein "Lebenshilfe Kuh & Co." rettet Tiere aus der Massenhaltung.

Albstadt - Alles begann mit Frieda, erinnert sich Sabine Massler, Vorstandsvorsitzende und Vereinsgründerin von "Lebenshilfe Kuh & Co.". Ende Oktober 2015 bat eine Bekannte sie, nach den Rindern auf einem benachbarten Hof zu schauen. Beim Öffnen der Stalltüre bot sich ihr ein Anblick des Entsetzens – angebundene Milchkühe, die sogenannten "Mastrinder", sowie ihre Kälber, die ihr ganzes Leben lang auf den harten Spaltböden stehen müssen.

Dann sah sie Frieda. Sie hatte ein eingewachsenes Horn und stand in ihren eigenen Fäkalien. In diesem Moment war Sabine klar: Sie muss etwas tun, damit sich etwas am System "Nutztiere" ändern kann. So gab sie Frieda das Versprechen, aktiv für sie und ihre Brüder und Schwestern zu kämpfen.

Frida und Franzi geht es jetzt gut

Durch den Freikauf von Frieda und ihrer Tochter Franzi gelang es Massler, mit dem Bauern einvernehmlich noch weitere vier Rinder gegen Ablösesummen vor ihrem Schlachttod zu bewahren. Bis zur Abholung auf einen Pensionshof im Frühjahr 2016 konnte sie den Stall ausmisten und Friedas eingewachsenes Horn mit Hilfe eines Tierarztes entfernen. Massler löste ihr Versprechen ein und gründete mit weiteren Mitstreitern am 13. März 2016 den Verein "Lebenshilfe Kuh & Co.". Der Verein ermöglicht Tieren ein gesichertes, würdevolles Leben mit liebevoller Versorgung.

98 Tiere sind schon gerettet

Mittlerweile leben 96 vom Verein gerettete Rinder und zwei Schweine verteilt auf den Partnerhöfen in Albstadt, Mengen und in der Eifel. In Veranstaltungen und Aktionen weist der Verein auf Missstände im Umgang mit Nutztieren hin und klärt über Zusammenhänge zwischen Agrarindustrie, Massentierhaltung und Konsumverhalten auf. Er informiert zudem über Folgeschäden der Intensivhaltung, etwa die steigende Nitratbelastung des Grundwassers durch Gülle und die Zunahme multiresistenter Keime durch den massiven Einsatz von Antibiotika in den Ställen.

Verein will Betriebe zum Umstellen bewegen

"Außerdem haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, auch andere Landwirtschaftsbetriebe zum Umstellen zu bewegen – von der konventionellen Landwirtschaft hin zu einer ökologischen Landwirtschaft, in der das Tier einfach nur Tier sein darf. Auch eine Landwirtschaft gänzlich ohne Tiere ist möglich. Sie kann dazu beitragen, einige Agrar- und Ernährungsprobleme zu lösen, und wird gleichzeitig unserem ethischen Anspruch gerecht", merkt Sabine Massler an.

 Wer die geretteten Rinder besuchen oder mehr über den Verein erfahren möchte, ist zum Hoffest des Vereins am Samstag, 17. September, im Berghof von Hans Möhrle, Auf der Küche 2, eingeladen. Neben reichlich Getränken und Verpflegung können sich die Gäste auf spannende Vorträge und Informationen zur Rinderherde freuen. Anmeldungen sind erwünscht bis zum 11. September unter der E-Mail-Adresse sabine@lebenshilfe-kuh-und-co.de; dort erhalten Besucher eine Wegbeschreibung.