Der Solarpark in Neudingen ist vorerst vom Tisch. Die Landwirte sind enttäuscht von dem Ratsbeschluss. Der Neudinger Thomas Hogg hält an seinen Plänen fest.
Drei Jahre Planung sind dahin: Der Donaueschinger Gemeinderat hat am 11. November nach einer nur zehnminütigen Präsentation der Projektentwickler und auf Basis einer schriftlichen Vorlage der Stadt entschieden, dass bei Neudingen kein Solarpark weitergeplant und gebaut werden soll. Als Argument gegen das Projekt brachten die Räte unter anderem vor, dass wertvolles Ackerland verloren gehen würde. Zudem forderten einige Räte eine Obergrenze für großflächige PV-Anlagen, um das Landschaftsbild der Baar zu bewahren.
Über diesen Gemeinderatsbeschluss herrscht wenig Begeisterung bei den Landwirten, denen die Flächen gehören. Einer davon ist Thomas Hogg, Nebenerwerbslandwirt in Neudingen. Er ist vor drei Jahren mit zwei anderen Flächenbesitzern auf den Projektentwickler Jann Uphoff von der SolarWind Projekt GmbH zugegangen – mit dem Ziel, eine PV-Anlage circa 1,8 Kilometer nordwestlich vom Ortskern Neudingen, westlich der K5753 in Richtung Donaueschingen-Pfohren zu errichten und die Flächen über eine Dauer von bis zu 30 Jahren an die Firma Enerparc AG zu verpachten.
„Der Standort ist ideal – er liegt halb in einer Senke und hätte wenig Auswirkung auf das Landschaftsbild“, so Hogg. Die vorgesehene Fläche würde ohnehin nicht mehr als landwirtschaftliche Nutzfläche von den Besitzern genutzt werden. „Das Argument der Gemeinderäte, dass zu viel landwirtschaftliche Nutzfläche verbraucht werde, ist hinfällig. Kein aktiver Landwirt würde durch den Solarpark wertvolles Ackerland verlieren“, so Hogg. Zumal der Solarpark nach 30 Jahren wieder abgebaut werden und die Fläche wieder der Landwirtschaft zugeführt werden könne, wie auch Projektentwickler Jann Uphoff erläutert. Zudem würde die Stadt Donaueschingen mit dem Solarpark Einnahmen generieren: „Über die nächsten 30 Jahre würden geschätzt eine halbe Million Euro an Gewerbesteuer in die städtische Kasse fließen“, so Uphoff.
Planungen laufen seit 2022
Auch Projektentwickler Uphoff wurde vom Gemeinderatsbeschluss kalt erwischt. „Seit drei Jahren sind wir an der Planung dran. Es wurden bereits diverse Gutachten erstellt, die uns fünfstellige Beträge gekostet haben.“ Doch weshalb wird das Projekt erst drei Jahre nach den ersten Planungen dem Gemeinderat, dem entscheidenden Gremium, vorgestellt? Hätte man sich nicht viel Zeit, Kosten und Planungsarbeit sparen können, wenn das Projekt dem Rat bereits früher zur Beschlussfassung vorgelegt worden wäre?
Hierzu ein Blick in die Historie: Der Neudinger Ortschaftsrat hat sich im Frühsommer 2022 darauf verständigt, dass die 13 Hektar große Fläche mit einem Solarpark ausgestattet werden soll. Uphoff hat sich dann im Mai 2022 mit den drei Flächeneigentümern getroffen, die sich in jener Sitzung für eine Solarpark-Größe von 24 Hektar aussprachen. Vom vorherigen Votum des Ortschaftsrates hatte er zu dem Zeitpunkt keine Kenntnis.
Klimaneutralität wurde angestrebt
Daraufhin startete Uphoff mit den Planungen und bezog die Fläche der daneben liegenden Erdaushub-Deponie in die Planung mit ein. Die Projektunterlagen hat Uphoff im Herbst 2022 an die Stadt geschickt, mit Bitte um Projektvorstellung vor dem Rat. Dann wurde ihm mitgeteilt, dass das Projekt über den Gemeindeverwaltungsverband (GVV) laufen würde. „Das Konstrukt eines Gemeindeverwaltungsverbands kenne ich von anderen Bundesländern nicht“, sagt er.
Die Verbandsversammlung machte dann im August 2023 mit ihrem einstimmigen Votum zur Änderung des Flächennutzungsplans, der Bewilligung des Vorentwurfs und der öffentlichen Bekanntmachung des Aufstellungsbeschlusses den Weg zu einer frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit frei. „Wir streben als Kommune und Verband die Klimaneutralität an. Mit dem Projekt Solarpark Neudingen sind wir auf dem richtigen Weg“, sagte OB Erik Pauly damals in der Versammlung.
Daraufhin wurden die ersten biologischen Gutachten erstellt. Im Januar 2024 hat dann der Ortschaftsrat interveniert, dass es bei der ursprünglich geplanten Größe von 13 Hektar bleiben soll – Projektentwickler Uphoff passte die Planung also nochmals an. Folgend wurde ein Umweltbericht in Auftrag gegeben und eine Vorprüfung erstellt, die rechtliche, planerische und ökologische Prüfungen beinhaltet, um die Machbarkeit und Zulässigkeit des Standorts zu ermitteln.
Räte erteilen eine Absage
Zwei Jahre nach dem letzten Ortschaftsrats-Beschluss – am 11. November 2025 – wurde das Projekt dann dem Gemeinderat vorgestellt – mit bekanntem Ausgang: Die Räte erteilen dem Projekt eine Absage. „Das ist saublöd gelaufen. Die Gemeinderäte waren bei der Beschlussfassung wohl unzureichend informiert und haben sich überfahren gefühlt“, vermutet Thomas Hogg. Jann Uphoff beschreibt sich selbst als erfahrenen Projektentwickler. Er habe in ganz Deutschland bereits dutzende Solarparks in Zusammenarbeit mit Kommunen und Flächenbesitzern realisiert. Seine Beobachtung: „Hier in Donaueschingen ist der Prozess besonders komplex“, sagt er.
Und wie soll es nun weitergehen? Jann Uphoff und Thomas Hogg möchten das Projekt nicht ad acta legen. Sie hoffen, dass der Solarpark gemäß Gemeindeordnung in sechs Monaten nochmals vor den Gemeinderat gebracht wird. Uphoff sucht in der Zwischenzeit das Gespräch mit den Ratsfraktionen und der Stadt. Er sagt: „Nun gilt es, Aufklärungsarbeit zu leisten.“
Fläche ist geeignet
Ein Hektar Solarpark
erzeugt pro Jahr circa eine Gigawattstunde Strom. Die Stromproduktion des Neudinger Solarparks beträgt gemäß Angaben des Betreibers rund 16,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, was rechnerisch dem Strombedarf von rund 4100 Haushalten entspricht. Die CO2-Vermeidung dieser Solarenergiemenge entspricht gemäß Betreiber rund 10 000 Tonnen pro Jahr. Das Umweltbüro des Gemeindeverwaltungsverbands hat 2021 Flächen innerhalb des Verwaltungsverbandsgebiets hinsichtlich ihrer Eignung für PV-Freiflächenanlagen untersucht. Bei der Untersuchung wurden alle rechtlich unzulässigen Flächen, sowie Flächen, bei welchen technische oder praktische Gründe gegen eine Nutzung durch Photovoltaik sprechen, ausgeschlossen. Die gegenständliche Fläche in Neudingen liegt auf entsprechend geeigneten Flächen.