Wie geht es weiter mit den Plänen für das neue Kino mit Erlebnischarakter in Höllstein? Investor Matthias Schweikert berichtet von mehreren Stellschrauben. Aufgrund der gestiegenen Kosten soll das Projekt „redimensioniert“ werden.
Seitdem die während der Corona-Pandemie in der Schublade von Investor Matthias Schweikert, der in Lörrach auch das Cineplex-Kino betreibt, langsam Staub ansetzenden Pläne Ende 2023 endlich realisiert werden sollten, haben sich die Rahmenbedingungen für den ehrgeizigen Bau geändert. Schweikert spricht im Gespräch mit unserer Zeitung von mehreren Stellschrauben, an denen er ständig zu drehen habe, um fast wöchentlich neu auftretende Unwägbarkeiten in den Griff zu bekommen.
Steigende Kosten für Energie, Baumaterialien und Bankenfinanzierung haben ihn bereits gezwungen, das ursprünglich auf acht Millionen Euro budgetierte Projekt mit dem Architekturbüro neu zu überplanen und zu „redimensionieren“.
Hohe Materialkosten
Zwar sind die Preise für Energie inzwischen wieder gesunken und auch die Situation am Kapitalmarkt sollte sich im Laufe des Jahres weiter entspannen. Es bleiben aber die hohen Materialkosten und die sich ständig verlängernden Fristen für Materiallieferung und Arbeiten an dem in Fertigbauweise zu erstellenden Gebäude. Die modernste Kinotechnik, welche in den vorgesehenen sieben Sälen mit einer Kapazität von 80 bis 250 Plätzen eingebaut werden soll, wurde enorm teurer, was den Investor bereits Ende vergangenen Jahres bewog, nur einen der sieben Säle mit der ICE-Technik auszurüsten und auf einen Saal mit 4DX-Technik zumindest vorläufig ganz zu verzichten. ICE steht für Immersive Cinema Experience: dabei wird der Saal an vielen Orten mit Licht- und Klangeffekten ausgestattet. Bei 4DX können die Zuschauer mit Wind-, Wasser- und Dufteffekten noch intensiver ins Filmgeschehen eintauchen.
Waren ursprünglich zwölf Monate Bauzeit vorgesehen, geht Schweikert inzwischen von mindestens 14 Monaten und weiter steigenden Baukosten aus – im Raum stehen Kosten zwischen zehn und 12,5 Millionen Euro. Auch der Baubeginn, der zunächst für Oktober 2023 und dann für März 2024 vorgesehen war, zögert sich weiter hinaus – um mindestens drei Monate, so die aktuelle Prognose.
Freizeitpark schaffen
Dabei will Schweikert weiter an dem Konzept festhalten, nicht nur einen reinen Kinokomplex im Höllsteiner Gewerbegebiet „Auf den Grienern“ zu installieren, sondern eine Art Freizeitpark zu schaffen mit einer Indoorwelt für Kinder und Jugendliche sowie einem gastronomischen Angebot, das weit über die übliche Popcorn-Verpflegung hinausgeht. „Ich stehe zu der Idee und zu dem Konzept und ich glaube an den Standort“, so Schweikert, auch wenn Gutachten zu dem Projekt inzwischen eher etwas zurückhaltender ausfallen als noch vor einem Jahr. Immerhin sei der Trend im Freizeitbereich weiter einer mit dem Daumen nach oben.
Was bereitet ihm am meisten Kopfzerbrechen? Die Antwort überrascht: „Es ist ausgesprochen schwierig, schon für bestehende Kinos genügend Personal zu finden, die bereit sind, zu den Kinoöffnungszeiten für einen marktüblichen Lohn zu arbeiten.“
Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Banken bezeichnet Schweikert als gut. Steinens Bürgermeister Gunther Braun zeigt Verständnis und ist weiter sehr bemüht, und dem Gemeinderat gebühre Dank für die gezeigte Geduld. Auch mit den Banken stehe er in gutem Kontakt, beteuert der Investor trotz des mit den steigenden Kosten erforderlichen höheren Bankenengagements. „Meine Hausbank kennt mich seit langem als jemanden, der kein finanzieller Hasardeur ist.“
Einen zusätzlichen Investor mit ins Boot nehmen möchte er nicht. Es bleibt ein Familienunternehmen, bei welchem nicht eine Gesellschaft, sondern er persönlich mit seinem Vermögen hafte.
Das Ganze kann nur funktionieren, wenn alle Beteiligten mit spitzem Bleistift rechnen, weiß Schweikert. „Aber wir sind überzeugt, wir wollen und wir geben Gas!“