Donald Trump mischt neuerdings im Kryptogeschäft mit – mit seinen Chancen im Wahlkampf legt auch der Bitcoin-Kurs zu. Neue Rekordhochs sind in Reichweite.
Monatelang war es ruhig um die älteste und größte Kryptowährung Bitcoin, doch kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen schießt der Kurs in die Höhe. Erstmals seit Ende Juli kostete ein Bitcoin am Dienstag wieder mehr als 70 000 Dollar (etwa 64 900 Euro) und knackte zeitweise die Marke von 71 000 Dollar. Damit rückt der im März 2024 erreichte Höchststand bei knapp 74 000 Dollar wieder in Sichtweite.
„Ein frisches Rekordhoch liegt in der Luft“, meint Experte Timo Emden von der Analysefirma Emden Research. Als wichtigen Faktor sieht er den US-Wahlkampf, wo die Chancen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump an den Wettbörsen und auch in einigen Umfragen zuletzt wieder stiegen. Trump umgarnt Kryptoanhänger mit dem Versprechen, den als regulierungsbedürftig geltenden Markt weiter zu entfesseln.
Hoffnung auf „kryptofreundlichen“ US-Präsidenten
Die zunehmende Hoffnung auf eine Rückkehr Trumps in das Weiße Haus und die damit verbundene Aussicht auf einen „kryptofreundlichen“ US-Präsidenten sei der entscheidende Treiber der aktuellen Rallye, meint Marktbeobachter Emden. Allerdings geht er davon aus, dass die Nervosität vor dem Wahltermin am 5. November hoch bleibt. Traditionell ist der Kryptomarkt für heftige Kursausschläge bekannt. Verbraucherschützer warnen immer wieder vor hohen Verlustrisiken.
Trump war vor wenigen Jahren noch ein Bitcoin-Skeptiker, er vermutete hinter der digitalen Währung „Abzocke“. Als Geschäftsmann vor seiner politischen Karriere war er als klassischer New Yorker Immobilien-Tycoon bekannt, dem Tech-Innovationen fernlagen und der laut früheren Wegbegleitern sogar mit E-Mail und Computer wenig anfangen konnte. Im Wahlkampf jedoch vermarktet sich Trump als großer Kryptounterstützer und buhlt so um Stimmen von Bitcoin-Fans und Spendengelder finanzstarker Unternehmer der Branche.
Der Kandidat der Republikaner verspricht, die USA zum weltweiten Zentrum für Kryptoanlagen zu machen, und den wegen seiner Regulierungsagenda in weiten Teilen der Szene unbeliebten Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, zu feuern. In den vergangenen Monaten suchte Trump gezielt die Nähe der Krypto-Community. Beim Bitcoin Congress in Nashville, dem wichtigsten US-Branchentreffen, trat er im Sommer als Stargast auf. Mittlerweile ist Trump selbst bei einem Krypto-Start-up engagiert, das sich World Liberty Financial nennt.
Gemeinsam mit seinen Söhnen rührt Trump die Werbetrommel für die Onlineplattform. Doch nach allem, was bislang darüber bekannt ist, handelt es sich um ein fragwürdiges Projekt. Zu den Geschäftspartnern zählt der selbsterklärte Marketingguru Chase Herro, ein angeblicher Kryptoveteran, der innerhalb der Szene jedoch weitgehend unbekannt ist. Der 39-jährige Geschäftsmann beschrieb sich mal als „Drecksack des Internets“, im Netz stellt er gerne seine vermeintlichen Reichtümer zur Schau. Laut US-Medienberichten hat er jedoch Steuerschulden sowie eine Vorgeschichte gescheiterter Kryptoprojekte und rechtlicher Konflikte.
Trump will Bitcoin-Pionier aus lebenslanger Haft befreien
Sollte Trumps Rückkehr ins Weiße Haus gelingen, so will er außerdem eine strategische nationale Bitcoin-Reserve einrichten, mit der die US-Regierung theoretisch künftig den Kurs stützen könnte. Auch hat er angekündigt, den Bitcoin-Pionier und Gründer des einst als „Ebay für Drogen“ bekannten Online-Schwarzmarkts Silk Road, Ross Ulbricht, zu begnadigen. Ulbricht sitzt seit mehr als zehn Jahren wegen Drogenhandels, Geldwäsche und anderer Verbrechen eine lebenslange Haftstrafe ab.
Mit Tech-Multimilliardär und Tesla-Chef Elon Musk, – laut „Forbes“-Liste der zurzeit mit Abstand reichste Mensch der Welt – hat Trump im Wahlkampf einen großen Unterstützer an seiner Seite, der schon seit Jahren große Wellen am Kryptomarkt macht. Musk hat in der Vergangenheit bereits mit Social-Media-Kampagnen die einst als Witzprojekt und Bitcoin-Parodie gestartete Cyberwährung Dogecoin auf Rekordniveaus getrieben. 2021 befeuerte er die damalige Krypto-Bonanza durch einen milliardenschweren Bitcoin-Kauf von Tesla.
Die Aussicht auf einen Trump-Wahlsieg katapultiert an den Finanzmärkten nicht nur Digitalanlagen wie Bitcoin in die Höhe. Auch die Aktie der Trump Media Group, der Firma hinter der Internetplattform Truth Social, die als ultimativer Indikator für Wetten auf ein Comeback des ehemaligen US-Präsidenten gilt, ist seit Wochen im Höhenflug. Dabei deuten die meisten Umfragen weiterhin auf ein knappes Rennen zwischen Trump und Kamala Harris von den Demokraten hin.
Trotz unverändert hoher Ungewissheit über den Wahlausgang scheint der Aufwärtstrend bei Kryptoanlagen bislang aber intakt. An den Finanzmärkten laufen Optionswetten auf ein Bitcoin-Allzeithoch bei über 80 000 Dollar im November. Bitcoin-ETFs verbuchten im Oktober Mittelzuflüsse im Volumen von rund 3,6 Milliarden Dollar. Kryptoexperte Emden warnt jedoch, dass Trump nicht nur erst mal gewählt werden, sondern seine Versprechen dann auch tatsächlich einlösen müsse.