Willi Großmann trägt seit 56 Jahren Uniform: Der Zimmermann ist Ehrenkommandant der Höfener Feuerwehr. Foto: Verena Parage

Sein Beruf und sein Ehrenamt begleiten Wilhelm „Willi“ Großmann, seit er ein junger Mann war. Für Letzteres hat er vom Land Baden-Württemberg einen besonderen Preis verliehen bekommen.

Holz und Feuer: Die hat Willi Großmann in gewisser Weise in die Wiege gelegt bekommen. Seit 1890 betreibt seine Familie eine Zimmerei in Höfen, sein Vater führte sie in dritter Generation. Außerdem war er Kommandant der Höfener Feuerwehr. Dass der Sohn eine Ausbildung zum Zimmermann absolvierte und zudem eine als Schreiner, war also keine Überraschung. Genauso wenig wie sein Interesse an der Feuerwehr.

 

Damals muss er sich noch für die Feuerwehr bewerben

Feuerwehrgeschichte Schon als 14- oder 15-Jähriger habe er der Truppe beim Üben zugeschaut, erinnert sich Willi Großmann. Mangels einer Jugendfeuerwehr musste er bis zur Volljährigkeit warten, bis er sich für die aktive Wehr bewerben konnte. Damals gab es noch eine Feuerwehrabgabe in Baden-Württemberg: Vereinfacht gesagt mussten Männer, die sich eigentlich in der Feuerwehr engagieren könnten, es aber nicht taten, einen finanziellen Beitrag entrichten. Entsprechend groß war die Zahl der Bewerber, erzählt Großmann. Bei ihm freilich klappte es. „Handwerker kann man immer brauchen“, meint er schmunzelnd.

Zum 1. Januar 1970 trat Großmann in die Feuerwehr ein, am 9. März des Jahres war er dann, mit der ersten Übung, offiziell Feuerwehrmann. Bis heute hat sich daran nichts geändert. 2016 wechselte er in die Alterswehr und bringt sich noch immer ein.

Engagement Das alles in einem Ausmaß, das ihm jüngst eine besondere Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg einbrachte. Denn er engagierte sich nicht nur als Gruppenführer und Atemschutzträger, sondern war von 1978 bis 2003 im Feuerwehrausschuss engagiert. Bereits 1979 wurde er stellvertretender Kommandant der Höfener Truppe. Nach fünf Jahren als Vize übernahm Großmann die Leitung der Feuerwehr und blieb 14 Jahre lang, bis 1998, Kommandant in Höfen.

Bergung von Unfallopfern ist herausfordernd

Einsätze In mehr als einem halben Jahrhundert in der Feuerwehr hat er viel erlebt. Etwa nächtliche Hochwassereinsätze. „Das haben wir nur zusammen geschafft“, sagt Willi Großmann und schließt seine Frau und die seines damaligen Stellvertreters ausdrücklich mit ein. Sie hatten die Männer im Einsatz oft unterstützt: etwa mit heißen Getränken.

Er erinnert sich aber auch an schwere Verkehrsunfälle, beispielsweise in der Buchenkurve Richtung Calmbach, und die für die Feuerwehr damit verbundenen, herausfordernden Bergungen der Verunglückten. Solche Erlebnisse verarbeite man viel leichter, „wenn man mit den Kameraden auch schöne Sachen erlebt hat“. Auch deshalb ist Großmann die Kameradschaft immer wichtig gewesen. Darüber hinaus fällt in seine Zeit als Kommandant die Beschaffung von zwei Fahrzeugen. Und natürlich brachte er seine handwerklichen Fähigkeiten ein. So stammen beispielsweise die Holzspinde in der Umkleide der Feuerwehr von ihm. Für all seine Verdienste wurde Willi Großmann Ende 2023 zum Ehrenkommandanten der Höfener Wehr ernannt.

Seit dem Sommer trägt Großmann das Bevölkerungsschutz-Ehrenzeichen des Landes am Revers. Foto: Verena Parage

Ehrung Die Auszeichnung des Landes war noch einmal ein anderes Kaliber. Innenminister Strobl (CDU) hat Willi Großmann im vergangenen Sommer das Bevölkerungsschutz-Ehrenzeichen verliehen. 56 Jahre ist er inzwischen engagiert – „da war auch der Innenminister Strobl sehr überrascht“, erzählt Großmann von der Verleihung in Heilbronn. Genauso war es seiner Frau Gabriele ergangen, als sie von der Auszeichnung erfuhr. Sie habe das Schreiben des Innenministeriums aufgemacht und gedacht: „Die werden immer raffinierter!“ Sie glaubte, der Brief sei ein Schreiben von Betrügern, die an Daten gelangen wollten. Also hat sie ihn erst einmal weggeworfen. Ein paar Tage später rief sie dann im Rathaus an – und Bürgermeister Heiko Stieringer erklärte, dass er ihren Mann für die Ehrung vorgeschlagen hatte.

Verleihung Willi Großmann war einer von 19 Geehrten 2025, die sich in besonderer Weise für den Bevölkerungsschutz verdient gemacht haben, darunter die Karlsruher Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder. Er war derjenige aus der „kleinsten Gemeinde“, erinnert sich der 75-Jährige. Dafür habe er – mit seiner Frau, den Söhnen Jens und Timo, beides Feuerwehrleute und natürlich in Uniform, und Bürgermeister Stieringer – die größte Fangemeinde dabei gehabt. „Das ist unter die Haut gegangen.“ Gleichzeitig sagt er auch: Die Medaille gebühre nicht nur ihm, sondern der ganzen Feuerwehr.

Einsatz So wie er inzwischen der Alterswehr angehört, hat er auch die Zimmerei längst an Sohn Timo übergeben. Aber Willi Großmann arbeitet noch immer jeden Tag im Betrieb mit. Und noch immer engagiert er sich bei der Feuerwehr. Erst am Volkstrauertag stand der Ehrenkommandant in Uniform und mit einer Fackel im Kurpark Spalier. Neben ihm Sohn Jens und Enkel Jonas – auch die Enkel gehören bereits der Nachwuchstruppe an. „Da geht mir das Herz auf“, sagt Großmann. Einmal Feuerwehr, immer Feuerwehr.