Andreas Schreitmüller bei der Verleihung mit Catherine Trautmann Foto:  

Frankreich würdigt die Verdienste des Rottweilers um Film und Fernsehen mit der höchsten französischen Auszeichnung, der Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion.

Kürzlich wurde der Rottweiler Andreas Schreitmüller zum Chevalier de la Légion d’honneur, zum Ritter der Ehrenlegion, ernannt. Das ist die höchste Auszeichnung, die die französische Republik vergibt. Nur wenige Deutsche haben den Orden bislang erhalten.

 

Eine hohe Ehre für Schreitmüller, wie er im Gespräch betont. Der Orden wurde 1802 von Napoleon begründet.

Vorgenommen wurde die Ehrung von Catherine Trautmann, der Bürgermeisterin von Straßburg. Mit der Auszeichnung wurde das herausragende Wirken Schreitmüllers im Bereich der deutsch-französischen Kultur- und Medienbeziehungen gewürdigt.

„Wir zeichnen einen Mann aus, dessen Engagement die Grenzen überschreitet“, sagte Trautmann. Andreas Schreitmüller sei von Anfang an dabei gewesen, als es darum ging, ein völlig neues Projekt zu erschaffen: einen deutsch-französischen Fernsehsender mit kultureller und europäischer Ausrichtung. Das war die Geburtsstunde des Senders Arte, den Schreitmüller in den darauffolgenden Jahren mit aufbauen und zum Erfolg führen konnte.

Eine Pionierarbeit

„Durch Ihre Pionierarbeit war es Arte möglich, sich mit neuen Formaten zu positionieren“, würdigte Trautmann das Engagement Schreitmüllers. „Sie haben Generationen junger Filmschaffender begleitet“, so Trautmann.

Die Straßburger Bürgermeisterin erwähnte zudem, dass Schreitmüller trotz jährlicher Terminüberschneidung mit der Berlinale im Februar nicht ein einziges Mal die Rottweiler Fasnet verpasst habe. Das sei in Berlin nicht immer auf Verständnis gestoßen.

Andreas Schreitmüller war über Jahrzehnte Redaktionsleiter bei Arte und Honorarprofessor für Medienwissenschaft an der Universität Konstanz. Am 15. Mai wird er 70 Jahre alt.

Dass Andreas Schreitmüller sich für Film und Fernsehen interessiert, ist nicht zuletzt dem Stadtjugendring Rottweil zu verdanken. Hier war er in seiner Jugend gemeinsam mit seinem Freund Dieter Funk für die Organisation der wöchentlichen Filmabende zuständig. „Das alles hat im Rottweiler Centralkino angefangen“, erzählt er, und die Begeisterung dafür ist noch heute gegenwärtig. „Ich habe alle Filmplakate von damals aufgehoben“, sagt er. Damals habe er Zugang zum Genre Film bekommen.

Dank Stadtjugendring

„Ohne den Stadtjugendring, die Filme und das Kino, wäre ich nie in die Branche gekommen“, ist er sicher. In seiner Jugend sei es noch sehr schwierig gewesen sich über Filme im Vorfeld zu informieren. „Wir haben Filmbücher und Filmkritiken gelesen und dann entschieden, was wir zeigen wollen“, sagt er.

Dass er in Frankreich so heimisch wurde, hat ebenfalls mit dem Stadtjugendring zu tun, leitete er doch über viele Jahre das Ferienlager in Hyères. „Da war ich jeden Sommer sechs Wochen in Frankreich, da spricht man dann irgendwann fließend Französisch“, so Schreitmüller.

Andreas Schreitmüller lebt heute in Konstanz, ist aber noch immer regelmäßig in Rottweil anzutreffen – nicht nur an Fastnacht.