Intim statt pompös: Der Trend in Corona-Zeiten geht eindeutig zur kleinen Hochzeit. Foto: Mikhaylovskiy/Shutterstock

Längst ist klar: Die Corona-Pandemie hat vieles, wenn nicht gar alles, verändert. Auch das Verhalten von Verliebten, was planen, heiraten und feiern angeht. Eine aktuelle Studie gibt Einblicke.

Oberndorf - Nach monatelanger Unsicherheit können endlich wieder Hochzeiten stattfinden. Glück für diejenigen, die ihren Termin in den Hochsommer gelegt haben. Alle anderen mussten ihr Ja-Wort verschieben, teilweise sogar mehrfach. Winter- und Frühlingshochzeiten waren im Corona-Jahr 2021 einfach nicht möglich - es sei denn, die Eheschließung fand im ganz kleinen Kreis und ohne anschließende Feier statt.

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Für die Studie "So heiratet Deutschland" im Auftrag von kartenmacherei.de wurden mehr als 1600 betroffene Menschen in ganz Deutschland befragt, darunter auch in Baden-Württemberg. Schwerpunkt war diesmal das Thema Corona, hat es doch viele Brautpaare beschäftigt und viele Planungen beeinträchtigt. Nahezu drei Viertel aller Befragten haben ihre Hochzeit im Jahr 2020 mindestens einmal verschoben, mehr als ein Viertel sogar zweimal.

"Fakt ist: 35 Prozent haben ihre Hochzeitsvorfreude verloren", heißt es dazu in der Studie. Das dürfte im aktuellen Jahr nicht anders sein, denn auch 2021 sind große Feiern erst seit Juli wieder möglich. Wie lange? Diese Frage beschäftigt derzeit viele.

Auf ein Jahr mehr oder weniger jedoch sollte es nicht ankommen: Allgemein lässt man sich in Deutschland mit dem Heiraten Zeit: Erst nach drei bis sieben Jahren gehen 43 Prozent der Deutschen den Bund der Ehe ein, weitere 33 Prozent warten sogar sieben bis 15 Jahre. Nach ein bis drei Jahren Partnerschaft heiratet ein Fünftel der Befragten.

Der Heiratsantrag selbst bleibt dabei größtenteils in Männerhand: Nur zwei Prozent der Frauen haben im vergangenen Jahr die Frage aller Fragen gestellt. Überraschend: Ganze acht Prozent der Ehen werden ohne Heiratsantrag geschlossen.

"Hochzeit ja, Party nein", lautete in der Saison 2020 das Motto vieler Paare. Zwar ist eine kirchliche Hochzeit auch ohne standesamtliche Trauung möglich, tatsächlich rechtskräftig ist jedoch nur der standesamtliche Ehebund. Dementsprechend entscheiden sich 94 Prozent der Befragten für eine standesamtliche Eheschließung. Der Trend einer Trauung durch einen freien Redner setzt sich im Jahr 2021 fort. In Baden-Württemberg entscheiden sich inzwischen zehn Prozent der Befragten für diese Art der Vermählung. 

Doch zurück zum Stichwort Party: Die fiel 2020 sowie auch 2021 deutlich kleiner aus als in den Vorjahren. Paare laden durchschnittlich weniger Gäste ein. Hochzeiten im kleinsten Kreis - sogenannte "Microweddings" - haben sich zum neuen Trend entwickelt. Praktischer Nebeneffekt: Die Kosten bleiben überschaubar. Nur 17 Prozent feiern mit 51 bis 75 Gästen, 13 Prozent mit 75 bis 100. Bis zu 150 Menschen stehen nur bei drei Prozent aller Befragten auf der Gästeliste.

"Das größte Kopfzerbrechen bereitete 91 Prozent der Paare, die 2020 geheiratet haben, die Frage, ob der geplante Termin tatsächlich stattfinden kann", heißt es in der Studie der Kartenmacherei. Aber auch die Planungsunsicherheit hinsichtlich Fotografen und Catering sowie das Kürzen der Gästeliste bescherten dem ein oder anderen Paar schlaflose Nächte.

Und was kostet der "Spaß"? Immerhin 37 Prozent der Befragten kommen mit einem Budget unter 6000 Euro zurecht, 16 Prozent geben zwischen 6000 und 10.000 Euro für ihre Hochzeit aus. Lediglich vier Prozent der Baden-Württemberger ist ihr schönster Tag im Leben bis zu 15.000 Euro wert.

Finanziert wird die Sause größtenteils vom Brautpaar selbst, auch wenn sich ein Fünftel der Befragten monitäre Unterstützung der Eltern geholt hat - in der Mehrheit von den Eltern der Braut.

Bleibt die Frage: Was geht auf einer Hochzeit gar nicht? Über 80 Prozent der befragten Bräute hält Hochzeitsgäste in weißen Kleidern für ein Tabu, weitere 28 Prozent finden es zumindest schlimm. Fast 90 Prozent der Männer hingegen stört es, wenn die Besucher nicht tanzen. Auch Langeweile ist nicht gern gesehen: Drei Viertel aller Befragten ärgern sich über Gäste, die sich draußen tummeln und dadurch die Feier verpassen. Weiterhin empfinden über 66 Prozent peinliche Reden über die frisch Vermählten als schlimm bis absolut tabu. Von übermäßigem Alkoholkonsum fühlt sich die Hälfte gestört. Mit Gästen ohne Geschenk oder zu spät kommenden Gästen hingegen kann fast jeder zweite Befragte leben. 

Nach dem Trubel der Hochzeit freuen sich viele Frischvermählte auf die wohlverdienten Flitterwochen. Doch nicht jedes Paar startet nach der Hochzeit in den Urlaub. Wegen Corona mussten 24 Prozent der Hochzeitspaare die Flitterwochen streichen. Über 52 Prozent haben die Flitterwochen zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben. Und ganze elf Prozent der Befragten gaben an, keine Flitterwochen geplant zu haben.

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