Die Großbäume auf der linken Dammkrone müssen einer Baustraße – die später auch für Wartungsarbeiten dienen kann – weichen. Die ersten Bäume wurden bereits gefällt, die lichten Passagen sind deutlich erkennbar. Foto: Bodo Schnekenburger

Für die Ertüchtigung des Neckardamms an der Teckstraße für ein „hundertjährliches Hochwasser“ laufen die Maschinen warm. Die ersten Bäume mussten bereits fallen.

Der Gemeinderat hatte schon beschlossen, da fuhr ihm ein Einwohnerantrag in die Parade. Oder besser: Aus der Bevölkerung kam der Auftrag, das Thema noch einmal zu beraten – und möglicherweise zu anderen Schlüssen zu kommen.

 

Fast 870 Unterschriften hatten die Initiatoren – die Ortsgruppe Oberndorf-Sulz von Nabu/BUND, der Angel- und Naturschutzverein Oberndorf und die ÖdP – vor vier Jahren innerhalb weniger Wochen zur Durchsetzung des „Einwohnerantrags“ zusammen, gut 840 gültige Stimmen blieben nach Prüfung übrig: Mehr als viermal so viele, wie es gebraucht hätte.

Ziel: Großbäume erhalten

Das Hauptziel vor vier Jahren war, die Fällung der Bäume nach Möglichkeit zu verhindern. Man hatte dafür eine alternative Technologie fürs Setzen der Spundwände ins Spiel gebracht. Bei deren Anwendung wären die mehr als 100 Jahre alten Bäume auf der linken, also der südlichen, Dammkrone kaum in Mitleidenschaft gezogen worden. „Das haben wir nicht erreicht“, sind sich Margit Schleicher, Beatrix Lamprecht und Anja Blöchle, die Sprecherinnen der Nabu-Ortsgruppe Oberndorf – Sulz im Klaren.

Einwohnerantrag mit großem Rückenwind

Tatsächlich hatte sich der Gemeinderat Ende 2023 gegen den Alternativvorschlag entschieden, der die Dammkrone nicht tangiert hätte, und auf ein konventionelles Verfahren gesetzt: Dabei wird die Dammkrone gewissermaßen zur Baustraße, auf der Maschinen und Material versetzt und transportiert werden, und von der aus die Elemente einer Spundwand, die vier Meter tief eingebunden werden soll, eingebracht werden. Die Spundwand ist als autarkes Sicherungselement zu sehen.

Hochwasserschutz steht außer Frage

Dass Hochwasserschutz wichtig ist, steht auch für die Initianten außer Frage. Und auch, dass in diesem Bereich, für viele sichtbar betroffen ist der Abschnitt an der Teckstraße, eine Ertüchtigung des Damms nötig ist, um die Folgen eines so genannten „HQ100“ – also eine Hochwasserlage, die statistisch vorläufig alle 100 Jahre eintritt – kleinhalten zu können, wird nicht angezweifelt.

Alternatives Verfahren

Der Vorschlag sah vielmehr vor, die Spundwand mit einem Reiterverfahren zu setzen: Die Dammkrone bliebe davon weitgehend unbeeinträchtigt, damit ein Großteil der Bäume stehen. Mit allen Auswirkungen auf das Mikroklima und die zunehmend wichtigen Kälteschneisen und den Biotopfunktionen für Kleintiere – in der Luft, am Boden und im Wasser.

Die ersten Bäume sind schon herausgenommen. Foto: Schnekenburger

Das Projekt wäre allerdings mit einem Volumen von knapp 3,9 Millionen Euro gut eine halbe Million teurer kalkuliert gewesen wie die konservative Methode. Weitere Kosten hätten sich aus dem bis dahin nicht erkundeten Untergrund ergeben können – denn die alternativ angewandte Methode hätte eine Einbindetiefe der Spundwand von sechs Metern mit sich gebracht. Was da unten bei der Neckarverlegung vor gut einem Jahrhundert in den Damm eingebaut wurde, ist nicht dokumentiert und müsste gegebenenfalls untersucht werden.

Zudem hätten dadurch nicht alle Großbäume gerettet werden können. Wenigstens fünf – von 39 – hätten weichen müssen. Jetzt fallen in den kommenden Wochen alle. Die Stadt muss die Vegetationspause für die Arbeiten nutzen, und die ersten Fällungen sind bereits erledigt.

Die Absperrungen sind angebracht. Foto: Schnekenburger

Dass der Einwohnerantrag dennoch wirkt, sieht man an anderen Stellen. Der Gemeinderat hatte seinerzeit nicht nur das Thema Bauverfahren beraten. So ist ein Ergebnis der Bemühungen, dass statt 39 neuen Bäumen jetzt 56 als Ersatz gepflanzt werden. Im Gemeinderat selbst wurde sogar eine noch höhere Zahl vorgeschlagen.

Einiges hat sich bewegt

Die alten Gutachten sollten noch einmal plausibilisiert werden. Da gab es Fragen etwa bezüglich der Beobachtungszeiträume unter anderem für Fledermäuse. Diese Plausibilisierung ist inzwischen formal erfolgt.

Neben dem Plus an neuen Bäumen – die freilich Jahrzehnte brauchen, bis sie die Qualität des Bestands mit den beschriebenen Auswirkungen auch auf das Kleinklima erreicht haben werden –, sollen Fledermauskästen in verbesserter Qualität installiert werden.

Verbesserungen in vielen Bereichen

Erreicht wurde zudem eine „Überquerungshilfe“ für Kleinsäuger, die sich so wieder aus dem Wasser retten können. Für Fische und andere Wasserbewohner wurde eine Verbesserung ihrer Biotope im Neckar erreicht. Angeregt wurde zudem die Anlage eine Totholzgartens aus dem entnommenen Holz.

Öffentlichkeit ist sensibilisiert

Im Wesentlichen betroffen ist der Neckarabschnitt etwa zwischen Freibad und Rheinmetall, insbesondere ab der Holzbrücke. Doch auch die Verpflanzung einzelner Bäume von der Austraße statt der Rodung in Zusammenhang mit den Hochwasserschutzmaßnahmen, die das Land dort durchführt, und die Überlegung, ein 0,7 Hektar großes „Auwäldle“ anzulegen, ist in diesem Zusammenhang zu sehen.

Das Engagement hat überdies nicht nur punktuell mobilisiert, sondern für eine Sensibilisierung in der Öffentlichkeit gesorgt. Und das könnte, wenn man schon das Hauptziel nicht erreicht hat, der nachhaltigste Effekt über die konkreten Verbesserungen hinaus sein.