Mit schwerem Gerät wurde am Freitag in der Ortsdurchfahrt der Schlamm beseitigt. Foto: Kauffmann

„Man konnte nicht mehr von einem Bach sprechen, es war ein reißender Fluss“, sagte Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger bei einer Pressekonferenz im örtlichen Feuerwehrhaus. Sämtliche Häuser entlang des Klingenbachs seien betroffen. Manche sind unbewohnbar geworden.

Das Unwetter hat Bisingen mit voller Wucht getroffen. Von 205 Einsatzstellen und Hunderten Notrufen in kürzester Zeit spricht Kreisbrandmeister Sven Röger rückblickend. Schwerpunkt war der Bereich Bisingen. Rasch wurden die Feuerwehren aus der direkten Umgebung Bisingens alarmiert, aber auch Überlandhilfe aus Reutlingen und Tübingen machte sich auf den Weg.

 

Ein Hubschrauber kreiste über der Kirchspielgemeinde, ausgestattet mit Spezialkameras, die feststellen konnten, an welchen Stellen sich das Wasser noch staute. Vereinzelt setzten die Einsatzkräfte Drohnen ein. Und Röger berichtet: „Wir haben den Meteorologischen Bereitschaftsdienst hinzugezogen“. Eine ganze Maschinerie mit etlichen Beteiligten setzte sich in Gang, um in Bisingen zu helfen.

Zehn Personen gerettet

So retteten die Einsatzkräfte zehn Personen, die in ihren Autos oder in ihren Kellern eingeschlossen waren, pumpten etliche Keller aus, leisteten Aufräumarbeiten. Landrat Günther-Martin Pauli lobte bei einer Pressekonferenz im Saal des Bisinger Feuerwehrhauses die „große Professionalität“, mit der die Einsatzkräfte vorgegangen sind. Inzwischen findet in Bisingen das große Aufräumen statt: Überall sind Bauhofmitarbeiter, Hausmeister, Einsatzkräfte und Einwohner dabei, den Schlamm zu beseitigen – und auch die Nachbereitung des Unwetters beginnt, in den Fokus zu rücken.

„Werden Lehren ziehen“

Bürgermeister Roman Waizenegger im Hinblick auf den Hochwasserschutz: „Wir werden unsere Lehren daraus ziehen, um noch besser zu werden.“ Die Gemeinde werde nun „sehr genau darauf schauen, was wir noch verbessern können“. Landrat Günther-Martin Pauli verwies in diesem Zusammenhang auf die über Jahrhunderte entstandene Ansiedlungen entlang von Bächen oder Flüssen. „Perfekt vorbereiten“ könne man sich auf ein Unwetter wie dieses nicht. Pauli: „Man kann sich nicht 100-prozentig wappnen. Man kann nie wissen, ob Präventionsmaßnahmen ausreichen.“ Und weiter: „Wir werden nicht alles in Watte packen können.“

Nicht mehr bewohnbar

Dass dies nicht möglich ist, zeigte sich beim Unwetter: Feuerwehrkommandant Marc Mayer spricht von zehn bis zwölf Häusern, die nicht mehr bewohnbar sind. Bürgermeister Roman Waizenegger sagte, dass „sämtliche Gebäude“ entlang des Klingenbachs in Mitleidenschaft gezogen sind. Die Schäden könne er jedoch nicht exakt beziffern, sie müssten in die Millionen gehen. Derweil blieb die Versorgungsinfrastruktur größtenteils intakt.

Kritik an den „Gaffern“

Der Einsatz der Rettungskräfte, der auch mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden ist, dauerte am Donnerstag noch bis in die Nacht hinein. Feuerwehrkommandant Marc Mayer machte bei der Pressekonferenz deutlich, wie zehrend dieser Unwetter-Einsatz ist. Während die Rettungskräfte, die teilweise selbst betroffen sind, anderen helfen und während betroffene Bewohner ihre Garagen und Keller vom Unrat befreien, hatten sie stille Zuschauer: Die Zahl der Schaulustigen, die am Donnerstag mit gezücktem Smartphone und Regenschirm durch Bisingen schlenderte, fiel jedenfalls ins Auge.

Pauli dazu: „Was ärgerlich ist, sind die Katastrophentouristen.“ Er spricht in diesem Zusammenhang von „irgendwelchen Gaffern“, Waizenegger sekundierte, dass Fluten die Kanaldeckel aus dem Rahmen heben, dies in den trüben Fluten aber nicht sichtbar sei. „Es ist hochgefährlich überflutete Straßen zu passieren.“ Pauli legte nach: „Das ist nicht strafbar, aber gegen Dummheit ist auch kein Kraut gewachsen.“

Aufräumen dauert Wochen

Und auch die Bisinger müssen wohl noch eine Weile mit den Folgen der Flut umgehen: Waizenegger rechnet damit, dass die Aufräum- und Reparaturarbeiten noch Wochen andauern werden. Und das gilt nicht nur für die öffentlichen Flächen, sondern insbesondere für die Bewohner überfluteter Häuser, wo das Ausmaß des Schadens nun immer deutlicher zutage treten wird. Immerhin: „Die Bisinger können stolz darauf sein, wie hier die Rettungskräfte Hand in Hand zusammenarbeiteten“, sagte Pauli.

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