Die Kinzig bei Wolfach am Freitag. Foto: Bea

Markgräflerland besonders betroffen. Leiche aus der Kinzig geborgen.

Schmelzender Schnee und Regen bringen dem Südwesten Hochwasser. Vereinzelte Überschwemmungen und Straßensperrungen sind die Folge. Bis Sonntag soll es noch weiter regnen.

Region - Tauwetter und Regen haben im Südwesten zu Hochwasser und vereinzelt zu Überschwemmungen geführt. "Wir haben im Moment eine anhaltende Hochwassersituation in Baden-Württemberg, aktuell ist jedoch nicht mit dramatischen Auswirkungen zu rechnen", sagte Rüdiger Friese, Hydrologe der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) Baden-Württemberg.

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Der Schwerpunkt des Hochwassers liege im Süden Baden-Württembergs. Vor allem betroffen seien der Neckar, die Donau, der Bodensee und der Oberrhein. Seit Donnerstagabend wurden einige Hochwassermeldewerte überschritten, auch im Norden des Landes, wie Friese sagte. In den jüngsten 24 Stunden ist vor allem im Schwarzwald viel Regen gefallen, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sagte. In den höheren Lagen bis zu 60 Liter pro Quadratmeter.

Im Raum Freiburg war die Hochwasserlage nach den starken Regenfällen und dem Tauwetter der vergangenen Tage am Freitag noch relativ ruhig: Man erwarte kein 10-Jahres-Hochwasser, sagte Pressesprecher Matthias Fetterer vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Man könne aber je nach Wetterlage auch nicht ausschließen, dass es übers Wochenende dazu komme, dass Flüsse und Bäche über die Ufer treten. Die Bürger seien angehalten, sich von gefährlichen Ufern fern zu halten.

Für Aufregung und einen Großeinsatz der Rettungskräfte sorgte die Suche nach einer vermeintlich in die Dreisam gefallenen Radlerin am Freitag. Die Aktion wurde schließlich ergebnislos abgebrochen, Meldungen über eine zweite Person im Fluss stellten sich als Fehlalarm heraus. In der Vergangenheit waren in Freiburg schon mehrfach Menschen bei Hochwasser in der Dreisam ums Leben gekommen.

Rheinschifffahrt vorübergehend gestoppt

Ein ähnlicher Fall hielt die Einsatzkräfte in Pforzheim in Atem. Dort wurde der zuständigen Feuerwehr gemeldet, dass ein Kind in der Enz treibe. Zwar waren bereits wenige Minuten später Einsatzkräfte zur Stelle, dennoch wurde wegen der Fließgeschwindigkeit des Flusses nicht ausgeschlossen, dass das Kind über die Stadtgrenze hinausgetrieben wurde, wie die Feuerwehr mitteilte. Nach eineinhalb Stunden wurde die Suche auch hier erfolglos abgebrochen.

In Basel wurde am Freitag die Rheinschifffahrt vorübergehend gestoppt, nachdem es in der Nacht zum Freitag einen Hochwasseralarm gegeben hatte und die Pegelstände in den Häfen am Freitagmorgen auf mehr als 8,3 Meter angestiegen waren. Bei Breisach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) lag der Pegel des Rheins am Freitagnachmittag bei knapp 3,3 Meter.

Ganze Arbeit hat das Hochwasser im Wiesental (Kreis Lörrach) geleistet: Überflutete Straßen, Erdrutsche und Schlammströme führten zu beträchtlichen Schäden. Zwischen den Schopfheimer Ortsteilen Langenau und Enken­stein wurde eine Straße unter Wasser gesetzt, der Fluss Kleine Wiese und Bäche verwandelten sich in reißende Wassermassen. Im Kleinen Wiesental wurden Straßen von Erdrutschen und Murenabgängen verschüttet.

Relativ entspannt blieb dagegen die Lage im Kinzigtal. Zwar schwollen die Pegelstände der Flüsse zunächst deutlich an, aber schon im Laufe des Freitags meldete die Hochwasserzentrale wieder Entspannung und sinkende Pegelstände. Lediglich in Wolfach (Ortenaukreis) knackte die Kinzig laut Hochwasserzentrale kurzfristig die Marke eines alle zwei Jahre auftretenden Hochwassers. Flussabwärts bei Kehl wurden die Einsatzkräfte dann doch noch zu einer unschönen Aufgabe gerufen. Dort mussten sie eine männliche Leiche aus dem Fluss bergen. Die Todesursache und die Identität des Mannes müssen noch ermittelt werden.

30 bis 50 Liter pro Quadratmeter

Im Schwarzwald-Baar-Kreis machten sich die Wassermassen besonders in Blumberg und hier im Ortsteil Riedö­schingen bemerkbar. Dort kam es zu größeren Überschwemmungen, am Freitagvormittag war der Ort abgesperrt und für den Verkehr nicht passierbar. Die Straßen aus mehreren Richtungen mussten in der Folge von Überschwemmungen abgeriegelt werden.

Bis Samstag erwartet der Experte der Hochwasservorhersagezentrale vereinzelt noch einen Anstieg von Pegelständen. Im Schwarzwald und im Allgäu erwarten die Meteorologen des DWD in den kommenden 48 Stunden 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter, hinzukommen 20 bis 30 Liter durch geschmolzenen Schnee.

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