Die Waldach in Nagold überflutet regelmäßig den Fuß- und Radweg. Foto: Heiko Hofmann

Es hat kräftig geregnet. Die Folge: Mitten in Nagold tritt die Waldach über die Ufer. Auch eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer ist überschwemmt. Mal wieder.

Die Szenen sind wild: Die Waldach, die an dieser Stelle unter Nagolds Entlastungsstraße mitsamt dem Kreisel geführt wird, ist über die Ufer getreten. Davon betroffen: der viel frequentierte Fuß- und Radweg entlang des Flusses.

 

Er ist zum Teil überschwemmt. Mal wieder, muss man sagen. Die Unterführung erwischt es vergleichsweise oft. Ist das Bauwerk also eine Fehlplanung?

Die Unterführung ist mal wieder gesperrt. Foto: Heiko Hofmann

Land unter in Nagold! Das gibt es eigentlich nur noch selten. In Nagold hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel in Sachen Hochwasserschutz getan. Die Ausnahme: Eben an jenem Waldach-Kreisel tritt der Fluss fast regelmäßig über die Ufer. Und das darf er auch. Denn hier ist das Teil des Systems.

Bis zu fünfmal im Jahr kommt es nach Angaben der Stadt Nagold vor, dass die Waldach-Unterführung für den Rad- und Fußverkehr wegen Überschwemmungen gesperrt werden muss. Dennoch ist das Bauwerk, das aus dem Jahr 2000 stammt, keine Fehlplanung.

Durch die Überflutung verschafft man dem Gewässer einen größeren Durchfluss

Die Unterführung des viel befahrenen Umgehungsstraßenkreisels war eben nur entlang der Waldach möglich. „Die Planung beinhaltet einen Hochwasserschutz“, teilt die Stadt auf Anfrage der Redaktion mit. Durch die Überflutung verschaffe man dem Gewässer bei Hochwasser einen größeren Durchfluss. Ansonsten würde die Situation einem Nadelöhr gleichen.

Die Waldach hat aktuell einiges an Wasser zu transportieren. Foto: Heiko Hofmann

Als die Planung entstand, entschloss man sich bei der Stadt also ganz bewusst, das Risiko mehrerer Überflutungen im Jahr auf dem Rad- und Fußweg einzugehen. Eine sichere und auch barrierefreie Querung der viel befahrenen Grafenwiesenstraße war den Entscheidungsträgern wichtiger.

Konkret tritt die Waldach bis zu fünfmal im Jahr über die Ufer

So ist der Weg auch stark frequentiert, verbindet er doch das Areal um den Busbahnhof und den Edeka über einen attraktiven Fußweg entlang der renaturierten Waldach mit dem Riedbrunnenpark und führt letztlich zum Einkaufszentrum im Iselshauser Tal.

Ausgelegt ist das Bauwerk laut Angaben der Stadtverwaltung auf ein zehnjähriges Hochwasserereignis. Konkret tritt die Waldach aber bis zu fünfmal im Jahr an dieser Stelle über die Ufer.

„Oft werden die Absperrungen vorbereitet“

Für den Nagolder Bauhof gilt es dann, schnell zu reagieren. Der Pegel steht ständig unter Beobachtung, auch durch die Polizei, die Feuerwehr und einen Bereitschaftsdienst. „Oft werden die Absperrungen vorbereitet, damit diese bei Bedarf ganz kurzfristig aufgestellt werden können“, erörtert Nagolds Pressesprecherin Julia Glanzmann.

Das Absperrungsprozedere selbst ist kein großer Aufwand. Benötigt werden dafür die Absperrgitter und Sperrschilder. Die stellen dann zwei Mitarbeiter des Bauhofs auf – ein Einsatz von etwa 45 Minuten sei das.

Ist der Waldach-Pegel wieder gesunken, sieht die Situation aber anders aus. Nach der Überschwemmung der Unterführung ist der Reinigungsaufwand doch „relativ hoch“. Und es sollte schnell gehen. „Damit der Schlamm nicht fest wird“, erklärt Glanzmann.

Ein Beispiel vom September 2024: Rund um die Waldach ist landunter, links führt eigentlich der Fuß- und Radweg entlang. Foto: Heiko Hofmann

Für die Grobreinigung verwendet der Bauhof einen Radlader, und im Anschluss stehen Reinigungsarbeiten mit der Kehrmaschine und gegebenenfalls auch mit dem Einsatz eines Wasserschlauchs an.

In letzter Zeit kam es allerdings schon länger nicht mehr zu Überflutungen der Unterführung. Der einfache Grund dürfte sein: Die Nagold selbst ist wegen der Großbaustelle im Stadtpark Kleb noch immer herabgelassen. Den Wassermassen der Waldach, die ja in die Nagold fließt, bietet sich also mehr Raum als sonst, bevor sie wirklich die Uferbereiche überschwemmen müssen. Die Waldach hatte in den letzten Tagen offensichtlich extrem viel Wasser zu transportieren.