Auf dem Eisberg geht es hoch hinaus.  Foto: Kunert

Das Erste, was man hier oben realisiert: Das Wetter ist irgendwie jedes Mal besser als rundherum – obwohl der Hochseilgarten Nagold ja vom Namen her auf dem "Eisberg" liegt. Das muss der besondere "Spirit" machen, die einzigartige Energie dieses Ortes. Der Chef hier oben ist Lukas Kontny. Und der hat gerade besonders gute Laune. Er gewährt Einblicke in ein nicht alltägliches Business.

Nagold - Der Start für Kontny als Inhaber des Hochseilgartens Nagold, der offiziell "Erlebnispark Nagold" heißt, war nicht so einfach. Nachdem er mit dem Hochseilgarten-Gründer Dieter Nell alles "perfekt" gemacht hatte Anfang letzten Jahres, kam Corona. Und verhagelte Kontny bereits die erste Saison. Doch jetzt läuft es wieder seit Pfingsten "richtig gut", bereits vor den Ferien kamen vor allem Schulklassen in Scharen – "starteten voll durch". Froh und befreit, endlich wieder etwas gemeinsam unternehmen zu dürfen nach Lockdown und Schulschließungen.

 

Und heute ist so ein Tag, da stimmt einfach alles. Eben vor allem auch das Wetter: "Wir haben hier tatsächlich mehr gute Tage, als der Wetterbericht vermuten lassen würde." Verschiedene Gruppen bereiten sich auf ihren Erlebnis-Tag in luftiger Höhe vor. Die exakte, kompetente Einweisung, bevor es auf einen der verschiedenen Parcours hier geht, gehört immer dazu. "Ich war schon in vielen Hochseilgärten unterwegs in meinem Leben", erzählt Kontny – der seit seinem 14. Lebensjahr klettert. Ultimativ kletterbegeistert ist. Ein echter Profi. "Diesen Grad der Betreuung, wie ich ihn hier – anfangs selbst als Besucher – erlebte, war sehr ungewöhnlich für diese Branche."

Maximale Sicherheitsbestimmungen

Was man wissen muss: Dieter Nell, Gründer des Hochseilgartens Nagold, hat hier bereits immer auf maximale Sicherheitsbestimmungen wert gelegt. Modernstes, stabilstes Equipment. Präzise erklärt. Nell selbst hatte in seinem Leben mehrere schwere und schwerste Unfälle zu verkraften – nicht im Hochseilgarten. Aber dieses Erleben hat sein Sicherheits-Denken nachhaltig geprägt. "Keine Kompromisse bei der Sicherheit!" – die Devise, die auch Lukas Kontny als heutiger Betreiber des Hochseilgartens übernommen hat. Weshalb sich Kontny gerade mit reichlich Spezial-Karabinern und Sicherheitsleinen eindeckt. Für einen Rekordversuch. Zuviel Zeit im Corona-Lockdown, da kommt man wohl auf solche Ideen: Wie schnell schafft er alle Stationen seines Hochseilgartens?

"Ich werde das wirklich dauernd von den Gästen, Besuchern gefragt", lacht Lukas Kontny. Deshalb wollte er es einmal selbst herausfinden. Es gibt sieben verschiedene Parcours, plus einem Einweisungsparcours – alle nach Farben benannt: der Weiße Parcours ist der leichteste, der Schwarze Parcours der schwerste, dazwischen Grau, Grün, Orange, Blau und Rot. "Den Schwarzen Parcours schaffen vielleicht fünf bis zehn Prozent der Besucher", weiß Kontny. Weil man da viel an seinen Händen hängt, sich so fortbewegen muss. Was maximale Kraft und Kondition erfordert.

Gesamtlänge von 640 Metern

Normalerweise brauchen Besucher für die große Runde, zu der auch die Mega-Seilbahn mit ihrer Gesamtlänge von 640 Metern gehört – die eigentlich sechs Einzel-Seilbahnen meint; die längste stolze 210 Meter lang – etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Viel Zeit, um sich auf die einzelnen Übungen und Challenges zu konzentrieren. Auch das Naturerlebnis hier oben auf den Eisberg, quasi auf dem "Balkon" von Nagold, hoch über der Stadt, zu genießen. Lukas Kontny versucht, "mindestens einmal am Tag", wenn es die Zeit und Besucher zulassen, selbst auf die Parcours zu kommen. Sein persönliches Highlight dabei: "Mit der Mega-Seilbahn am Ende eines tollen Tages hier oben ins Abendrot zu rasen!" Als ’i’-Tüpfelchen des gelebten Traums.

Aber wie schnell schafft "der Meister" des Nagolder Hochseilgartens nun die "große Runde", die ultimative Hatz durch die Parcours mit den verschiedenen, ansteigenden Schwierigkeitsgraden – plus der Mega-Seilbahn? Die Stoppuhr läuft, wenn Kontny geschmeidig wie eine Katze den ersten Turm seines Hochseilgartens hinauf sprintet. Geschwindigkeit ist das Eine – aber jeder Handgriff, wenn er sich mit dem doppelten Patent-Karabiner im Sicherungsseil einhängt, muss auch präzise sitzen. Weshalb Kontny maximal konzentriert, fokussiert ist. Und seine offensichtlich üppig vorhandene Kraft in den Muskeln abruft. Mühelos überwindet er jede Höhe, jede Übung. Exakt getimt und dosiert jeder Griff, jeder Schritt.

23 Minuten sind die "Rekordmarke"

"Du hast den Helm vergessen", tadelt einer der Mitarbeiter vom Boden aus freundlich den Chef. Helme sind eigentlich für jeden Pflicht. Aber der Rekordversuch hat da – ausdrücklich ausnahmsweise – eigene Regeln. "Der ist aber schnell", wundert und lobt ein Besucher, der Kontnys Hochgeschwindigkeits-Runde beobachtet. Und tatsächlich kann man dem Überflieger kaum folgen. Traumwandlerische Sicherheit – so kann man das vielleicht nennen. Am Ende bleibt den Zuschauern nur das Staunen: in insgesamt gerade einmal 23 Minuten ist Kontny wieder am Ausgangspunkt seines ultimativen Rekordlaufs angekommen. Das ist der Wert, den der Chef hier als "Rekordmarke" gesetzt hat – wenn wieder mal einer fragen sollte, wie schnell er selbst die Parcours seines Hochseilgartens schafft.

Info: Hochseilgarten Nagold

Der Hochseilgarten Nagold ist jeden Tag außer montags geöffnet, im Moment ab 10 Uhr früh. Jetzt in den Ferien finden die zwingend mitzumachenden Sicherheitseinweisungen immer um 10, 12, 14 und 16 Uhr statt. Buchungen für Einzelpersonen und Gruppen können online erfolgen (www.hochseilgarten-nagold.de), aber auch Spontanbesuche sind möglich – Vorab-Buchung aber wird empfohlen. Der Nagolder Hochseilgarten ist sicher für Besucher ab sieben Jahren – ohne Altersbegrenzung nach oben; bis 14 Jahren muss immer ein Erwachsener mitklettern. Anziehen sollte man funktionelle Oberbekleidung sowie festes Schuhwerk (Sport- oder Wanderschuhe). Wer Höhenangst hat, kann beim Hochseilgarten Nagold spezielle Höhenangsttrainings buchen – die einem helfen, mit der eigenen Angst umzugehen. Immer wieder werden auch Events angeboten – wie zum Beispiel Survival-Camps. Zum Hochseilgarten Nagold gehört auch eine Bogenschieß-Anlage und (neu!) "Eisberg Fit" – ein Outdoor Fitness- und Krafttraining-Parcours in drei Schwierigkeitsgraden. Im Moment sind wegen Corona bei den Einweisungen Masken zu tragen, auf die Parcours darf man aber – mit Abstand – ohne Masken. Da alle Aktivitäten im Freien stattfinden, brauchen auch Ungeimpfte aktuell keinen Test-Nachweis.