Arno Weber, Professor an der Hochschule Furtwangen, ist Experte für Arbeitsschutz. Foto: HFU

Arno Weber ist Experte für Arbeitsschutz. Dass sein Fachgebiet oft unterschätzt wird, macht dem Professor nichts aus. Seine Expertise ist gefragt – auch auf Bundesebene.

Zugegeben, Arbeitsschutz ist kein leichtes Thema. Der Schutz vor Gefahren am Arbeitsplatz ist in vielen Verordnungen und Gesetzen geregelt. Dabei ist die Abbildung des Themas in vielen Paragraphen ein vergleichsweise junges Fachgebiet.

 

Arno Weber, Experte für Arbeitsschutz, erinnert sich noch gut an die Anfänge. „Ich habe während meiner Promotion das erste Mal mit dem Thema zu tun gehabt“, berichtet er laut einer Pressemitteilung der Hochschule Furtwangen (HFU). Als Chemiker forschte er an Festkörperionenleitern (zur späteren Verwendung in Batterien) und war in den Laboren der Universität Erlangen-Nürnberg tätig, „und plötzlich hieß es, wir müssen jetzt eine Gefahrstoffverordnung umsetzen und einhalten“.

Vorher habe man in den Laboren – in denen jede Menge entzündlicher Flüssigkeiten gelagert waren – auch mal geraucht oder gegrillt, lacht Weber. Er wurde also „Gefahrstoffbeauftragter“ – und sollte am Thema Sicherheit haften bleiben. „Da es Mitte der Neunziger keine Stellen für Chemiker gab, habe ich mich weiter spezialisiert“, so Weber. Schließlich machte er sich selbstständig als Fachkraft für Arbeitssicherheit.

„Auch heute noch ist das ein sehr gefragter Bereich“, sagt Arno Weber. „Jedes Unternehmen braucht einen Experten für Arbeitssicherheit, und gerade kleinere Betriebe beziehen diese Fachkräfte oft von außen.“ Nun beginnt eine Aufzählung, die ihresgleichen sucht. Weber ist im Januar erneut als Mitglied des „Ausschusses für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales berufen worden. „Das Arbeitsschutzgesetz sieht beratende Ausschüsse vor, die die technischen Regeln ausarbeiten“, erklärt Weber, der schon seit 2021 einen Sitz unter den wissenschaftlichen Mitgliedern des Ausschusses hat und deren Sprecher ist.

Ehrenmitglied im VDSI

Neben seiner Tätigkeit als Professor an der HFU wäre das auch schon erfüllend – aber Arno Webers Expertise ist gefragt. Er war Referent für chemische Sinne im Museum „Turm der Sinne“ in Nürnberg, später dann im VDSI – dem Verband für Sicherheit und Umweltschutz bei der Arbeit. 2004 wurde er zum Vorstand des Ressorts Qualifizierung, dann zum Vorstandsvorsitzenden des gesamten Verbands gewählt.

Lange Liste an Aufgaben

20 Jahre lang übte Weber die Tätigkeit im Vorstand ehrenamtlich aus, auch als er längst an die Hochschule Furtwangen gekommen war. Dafür wurde er zum Ehrenmitglied des VDSI ernannt. Außerdem war Weber Mitglied in verschiedensten Gremien, etwa der Unfallversicherungsträger, leitete Sachgebiete und Projekte.

Um es kurz zu machen: Dieser Mann hat schwindelerregend viele Ämter – gleichzeitig. Bei so vielen Aufgaben ist klar, Weber ist exzellent vernetzt.

„Aber die ‚Arbeitsschutz-Szene‘ ist auch überschaubar“, sagt er - die Hochschule Furtwangen ist eine von nur fünf Hochschulen bundesweit, an der Sicherheitsingenieurinnen und -ingenieure nach dem Arbeitssicherheitsgesetz ausgebildet werden.

„Unser Studiengang Security and Safety Engineering ist bundesweit sogar einzigartig“, sagt Weber. Er berichtet zufrieden von Verhandlungserfolgen, die er im Arbeitsschutz erzielte, wie er plötzliche Regeländerungen abwenden konnte. Davon, wie er mit seinen Studierenden in Semesterprojekten die Evaluierung von technischen Regeln durchführt, oder sie auch mal bei einer Spielplatzbegehung prüfen, ob alle Normen eingehalten wurden.

Das genaue Hinschauen, das Nachhaken, das exakte Überprüfen liegt dem 60-Jährigen. Im Privaten wendet er diese Gabe bei seinem Hobby, den Modelleisenbahnen an. Außerdem ist Weber in der Friedensbewegung aktiv – auch hier engagiert er sich bereits seit Jahrzehnten.

Er will Positives bewirken

Arbeitsschutz ist nichts, was im hellen Rampenlicht geschieht. Das wichtige Fachgebiet wird oft unterschätzt. Arno Weber macht das nichts aus. „Ich mache das, weil ich etwas Positives bewirken will“, sagt er.