Abeera Biju (von links), Abel Raphel Pulikottil und Uday Maduri studieren an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen den Studiengang "Industrial Artificial Intelligence". Foto: Benjamin Roth

Indische Studierende sind fasziniert von der Natur der Schwäbischen Alb. Wie sie über Albstadt denken und was sie an ihrer Heimat vermissen.

Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen lockt mit ihrem Angebot auch Studierende aus Indien auf die Schwäbische Alb. International beworben wurde insbesondere der im vergangenen Wintersemester gestartete englischsprachige KI-Studiengang „Industrial Artificial Intelligence“, den Prof. Dr. Lutz Sommer entwickelt hatte. Seither lernen einige Studierende aus Indien am Campus Albstadt.

 

Wie den jungen Menschen aus Indien das Leben in Albstadt gefällt und was sie an ihrer Heimat vermissen, wollte unsere Redaktion von den drei Studierenden Abeera Biju, Uday Maduri und Abel Raphel Pulikottil, die allesamt aus dem südlichen Teil Indiens stammen, wissen.

Albstadt ist eine „friedliche Stadt“

Ihr erster Eindruck von Albstadt sei positiv gewesen, „eine friedliche Stadt“, erläutert Uday Maduri. Seine beiden Kommilitonen bestätigen dies und beschreiben, dass sie sich an ihrem Studienort umgehend willkommen gefühlt hätten. Insbesondere die Natur habe die drei indischen Studenten beeindruckt.

Schwierig sei jedoch immer noch die Kommunikation im Alltag. Die deutsche Sprache sei eine schwere Sprache und mit schwäbischem Akzent – wer mag es den Studierenden verdenken – eben kaum zu verstehen. Abeera Biju erzählt, dass sie extra in der Heimat noch deutsch gelernt habe. Das Gelernte in der Praxis umzusetzen, gestalte sich aber enorm schwierig. Dem pflichteten ihre beiden Mitstudenten bei. Sie hoffen, im Verlauf ihres Studiums ihre Deutsch- und natürlich Schwäbisch-Kenntnisse weiter verbessern zu können.

Fußball in der Freizeit

Und was macht das Trio in der Freizeit? Abel Raphel Pulikottil spielt regelmäßig Fußball im Albstadion, Uday Maduri wandert gern, ebenso Abeera Biju. Ihr hat es besonders die Morgenstimmung in der Albstädter Natur angetan. Nicht zuletzt nutzen die Inder auch gerne die Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt. Auch wenn sie sich an die Öffnungszeiten deutscher Supermärkte und Einzelhändler erst gewöhnen mussten.

Anders als in Indien haben die Geschäfte in Deutschland sonntags und nachts geschlossen. Grundsätzlich sei das Nacht- und Sonntagsleben in Indien weitaus stärker ausgeprägt. „In Deutschland hat am Sonntag nahezu alles geschlossen. Das kennen wir so nicht.“ Dazu leben die Deutschen an Sonntagen, so die Schilderungen des Trios, zurückgezogener als die Inder, die häufig gemeinsam auf den Straßen zusammenkommen. Aber die Ruhe in Albstadt hat auch ihre Vorteile: „Es ist ein idealer Ort, um zu leben und zu studieren“, halten die drei Studenten fest.

Kalte Winter sind gewöhnungsbedürftig

Was sie an der deutschen Lebensweise als erfreulich wahrnehmen? Die Disziplin, mit der die Albstädter ihren Tagesablauf strukturieren. Auch in dieser Hinsicht gebe es deutliche Unterschiede zu ihrem Heimatland.

Ebenfalls zum Albstädter Jahresrhythmus gehören kalte Winter. An die Temperaturen haben sich die indischen Studierenden erstmal gewöhnen müssen. Die Rede war beim Interviewtermin gar von einem „Kulturschock“. In ähnlicher Weise dürften die drei Inder auch über die schwäbische Küche denken. „Beim Essen gibt es sehr große Unterschiede“, sind sich die Studenten einig. „Wir mögen sehr scharfes Essen.“ In deutschen Restaurants seien die Gerichte meist deutlich milder – auch in solchen, die indische Küche anbieten. Hinzu kommt: „Wir nutzen in Indien andere Gewürze.“

Käsespätzle kommen gut an

Dennoch: Einige deutsche Klassiker haben es den drei Studierenden angetan. Käsespätzle, nennt Abeera Biju ihr schwäbisches Leibgericht. Die beiden jungen Männer bevorzugen Brezeln und für den süßen Gaumen Apfeltaschen. Viel gekocht wird bei den Studierenden jedoch auch in der eigenen Unterkunft. So muss auf die traditionellen, scharfen Gerichte aus der Heimat nicht verzichtet werden.

Ob sich die jungen Inder dauerhaft ein Leben in Albstadt vorstellen können? „Das hängt vom Angebot an Arbeitsplätzen ab“, sind sich Abeera Biju, Uday Maduri und Abel Raphel Pulikottil einig. Für die Auswahl der Berufsmöglichkeiten streben die Studierenden – wie oftmals deutsche Studierende auch – sowohl in die Region als auch in die Großstädte.

Praxisorientierter Studiengang

Nun stehen jedoch erst noch einige Semester an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen an. Ihren Studiengang beschreiben sie als sehr praxisorientiert. Unter anderem kommen regelmäßig Vertreter von Unternehmen an die Hochschule und zeigen Perspektiven aus dem Firmenalltag auf. Auch die Dozenten tragen dazu bei, dass sich die internationalen Studierenden in Albstadt wohlfühlen. Oder wie die drei Interviewpartner als Fazit ziehen: „Hier herrscht eine sehr gute Lernatmosphäre.“

Wohnungsraum gesucht

Wie für viele Studenten in Deutschland gestaltet sich auch für die internationalen Studierenden der Hochschule Albstadt-Sigmaringen die Wohnungssuche teilweise schwierig. Die Hochschule und die Stadt Albstadt bitten daher die Bevölkerung um Unterstützung. Wer Wohnraum anbieten kann, wird gebeten, sich per E-Mail zu melden: wohnraum[at]hs-albsig.de.