Die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Schwarzwald-Baar-Heuberg will beim Thema atomares Endlager unbedingt am Ball bleiben. Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Entscheidung wird erst in vielen Jahren gefällt. Der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg ist nicht in Alarmstimmung, will aber wachsam sein.

Der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg hatte am Freitag seine letzte Sitzung des Jahres im Landratsamt in Villingen.

 

Thema im öffentlichen Teil der Sitzung war die Standortsuche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle.

Der Verbandsvorsitzende Wolf-Rüdiger Michel informierte, das nach repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) aktuell noch circa 25 Prozent der Fläche in Deutschland für ein solches atomares Endlager in Betracht kommen.

Auch Gebiete der Region sind noch nicht als untauglich abgelehnt worden. Granitkomplexe mit den Kommunen Schonach, Schönwald, Königsfeld, Triberg, St. Georgen bis in den Kreis Rottweil hinein sind genau so wie der Eisenbacher Granitkomplex bei Vöhrenbach noch in der Verlosung. Michel betonte: „Man muss das Ganze gelassen sehen. Der Bundestag wird erst 2027 definieren, wo überhaupt Untertagebohrungen für Eignungen durchgeführt werden. Bislang gab es lediglich geologische und sicherheitstechnische Untersuchungen.“

Zweifel bestehen

Verbandsdirektor Marcel Herzberg erläuterte: „.Ob sich dann über der vermeintlich geeigneten Fläche eine Stadt befindet, wird erst später untersucht, wir bleiben aber am Ball.“ Unbesiedelte, ebenerdige Flächen wie sie nötig seien, würden in der Region fehlen. Weite Teile Norddeutschlands seien hingegen noch gar nicht untersucht worden.

Walter Klumpp von den Freien Wählern mahnte: „Wir müssen an dem Thema dran und sensibel bleiben.“ Der St. Georgener Bürgermeister Michael Rieger hätte gerne, dass sich die Region jetzt bereits stärker gegen ein atomares Endlager positioniert. So sei der Schwarzwald auch ein wichtiges Wasserreservoir.

Wolf-Rüdiger Michel merkte an, dass die Region mit Zollerngraben und Oberrheingraben eine Erdbebenregion sei. Er meinte: „Man darf nicht vergessen, dass Basel im 14. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört wurde.“

„Maximal sensibilisiert“

Jürgen Roth, Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen, sagte der Redaktion: „Natürlich will ich bei uns kein atomares Endlager. Wir sind für das Thema maximal sensibilisiert, werden jetzt aber nicht in einen Aktionismus verfallen, bleiben entspannt.“ Laut dem OB seien die Untersuchungen bislang zu vage und unausgegoren.

Marcel Herzberg wird sich erneut als Direktor des Regionalverbands bewerben. Foto: Heinz Wittmann

Erst im Jahr 2046 will der Bundestag final eine Entscheidung treffen, wo in Deutschland ein Atommüll-Endlager gebaut wird. Bereits Ende 2027 möchte die BGE aber fünf bis zehn Standortregionen für die übertägige Erkundung vorschlagen.

Die Verbandsversammlung nahm den Sachstandsbericht zur Kenntnis und beauftragte die Verbandsverwaltung, das weitere Verfahren in Abstimmung mit den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Rottweil zu begleiten.

Abstimmung erforderlich

Thema in der Regionalverbandssitzung war auch die Ausweisung von Beschleunigungsgebieten zur Umsetzung der Erneuerbaren-Energie-Richtlinie der EU („RED III“) im Bereich Windenergie. Die Versammlung war sich einig, dass man sich mit den zuständigen Naturschutzfachbehörden über eine geeignete Gebietskulisse abstimmen möchte. Ganz so beschleunigt ginge dies aber nicht, so dass mit dem Vorliegen eines Planentwurfes zur Beratung und gegebenenfalls Einleitung eines Beteiligungsverfahrens frühestens zum Halbjahr 2026 zu rechnen sei.

Wichtig sei beim sensiblen Thema Windkraft, die Bürgerinnen und Bürger entsprechend mitzunehmen, wurde aus mehreren Stellungnahmen aus der Versammlung deutlich.

Direktor tritt wieder an

Marcel Herzberg wird sich 2026 erneut um die Stelle des Verbandsdirektors bewerben. Die Stelle wird im Staatsanzeiger Baden-Württemberg ausgeschrieben. Die Wahl des Verbandsdirektors soll in der Sitzung am 12. Juni 2026 vorgenommen werden.