Die einen ziehen um die Häuser und wollen „Süßes oder Saures“. Andere wiederum gehen in die Balinger Stadtkirche und bekommen dort was auf die Ohren.
Schließlich war Reformationstag, und Luther schlug vor 506 Jahren seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg. Daran erinnerte Dekan Michael Schneider die Christen bei der sehr gut besuchten Bläsermusik zum Reformationstag mit dem Posaunenchor Balingen-Heselwangen sowie Gast-Musikanten aus Ostdorf.
Die Formation feiert heuer ihr 75-jähriges Bestehen; Jürgen Stengel führte den Dirigentenstab. Und gleich zu Anfang ein Posaunen-Glanzstück, das aufrüttelt, herzlich begrüßt und die Laune hebt: „Fanfare“ des Schwarzwälder Komponisten Traugott Fünfgeld. Leicht swingend durch federleicht eingeflochtene Synkopen ist dieses Tonstück, das der Posaunenchor mühelos, transparent aber dennoch mit klanglicher Schärfe und ungezwungener synkopierter Melodik herausspielte.
Angemessen feierlich und mit federleichtem Beat
Und gleich hinterher eine „Weltpremiere“, wie Dekan Schneider das Stück des Komponisten, Sounddesigners und Posaunenchormitglieds Tim Reichert ankündigte, „Time Alone“ – ein sechsstimmiges, rhythmisch temperamentvolles Stück mit lyrisch aufblühenden Entwicklungen, angemessen feierlich und mit federleichtem Beat interpretiert. Diese Leichtigkeit, gepaart mit Spielfreude und Teamarbeit zeichnet den Klangkörper aus. Kein Wunder, steigen sie doch jeden Sonntag um 8 Uhr bei Wind und Wetter auf den Stadtkirchenturm und blasen die Balinger wach. Zwei dieser Turmgeher wurden mit goldenen Nadeln ausgezeichnet: Günter Löffelmann für 60 Jahre musizieren im Posaunenchor und Pfarrgemeinderatsmitglied Hartmut Glaser für 40 Jahre.
„Forrest Gump Suite“ gerät zum Kunststück
Die „Forrest Gump Suite“ mag man – oder auch nicht. Die 19-jährige Organistin Jule Stengel jedenfalls hat dieses Stückchen Filmmusik rhythmisch prägnant und mit distanzierter Sachlichkeit so in den Kirchenraum hinaus musiziert, dass es tatsächlich zum Kunststück geriet.
Nach „In Christ Alone“ kam ein besonderer Leckerbissen: das ewige Loblied auf die Schöpfung von Louis Armstrong „What A Wonderful World“. Der Nürnberger Posaunist Silvan Koopmann hatte dieses Jahrhundertstück arrangiert für den sogenannten Tiefchor eines Ensembles. Es klang mit Posaunen, Hörnern und Tuba noch viel inniger und hymnischer mit herrlichen Bassläufen, die in den Magen fuhren. Dem Song der Liedermacherin Sefora Nelson - „Segen für deinen neuen Weg“ – folgte das Publikum im Stehen.