Das Regierungspräsidium sagt, welche Konsequenzen die Baufirma Porr schon jetzt aus dem Hochbrücken-Unfall in Horb zieht.
Lange war es ruhig um den schrecklichen Hochbrücken-Unfall in Horb, bei dem am 20. Mai drei Arbeiter in den Tod gestürzt waren. Jetzt sagt die Bauaufsicht, das Regierungspräsidium Karlsruhe, was der Unfall ausgelöst hat.
Jörg Pfeifle vom RP : „Der Schatten liegt bis heute auf der Baustelle. Viele wollen reden, andere gar nicht mehr. Jeder versucht hier, das Normallevel zu halten.“
Sein Chef ist Erik Lang, Referatsleiter Straßenbau Süd. Er sagt: „Erst seit ein bis zwei Wochen sind wir wieder planmäßig im Baubetrieb angekommen. Die drei Bauarbeiter waren Spezialisten einer Fachfirma. Sie waren dabei, die blauen Querträger auf den roten Traggerüsten Richtung Pfeiler zu schieben.“
Spezialisten für den Traggerüstbau
Pfeifle: „Von solchen Firmen gibt es vielleicht zwei oder drei in ganz Deutschland, die so etwas in dieser Dimension beherrschen.“ Die Aufgabe des Teams: Dafür zu sorgen, die fetten blauen Längsträger auf den Traggerüsten Richtung dem neuen Pfeiler zu schieben. Ohne, dass die Traggerüste zusammenbrechen oder die blauen Längsträger absacken.
Die drei Bauarbeiter – ein Deutscher und zwei Polen im Alter zwischen 40 und 46 Jahren – gehörten zum Zehn-Mann-Team der Fachfirma auf der Hochbrücken-Baustelle, so Lang: „Nach dem Unfall haben die Kolonnen gefehlt. Die Firma musste erst andere Kollegen von anderen Baustellen suchen, die man nach Horb ziehen konnte. Dazu musste sich die Baufirma erst wieder finden.“
Ist der Kranführer noch auf der Baustelle?
Auch die Ermittlungen hätten als dritten Faktor – unabhängig von der Pause nach dem Unfall – den Fortgang der Arbeiten verzögert.
Auch der Kran, an dem das Seil gerissen war, musste wieder repariert werden. Was ist mit dem Kranführer (36)? Ist er noch auf der Baustelle? Die Staatsanwaltschaft hatte gegen ihn wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung Ermittlungen aufgenommen.
Erik Lang vom RP: „Darüber haben wir keine Infos. Die Firma Porr hat gesagt, dass sie – falls möglich – auf der Baustelle keine Arbeitsgondeln mehr einsetzt.“ Das sei aber keine Konsequenz der Baufirma Porr aus dem Unfall, so Lang.
Inzwischen werden feste Fahrstühle für den Transport der Arbeiter eingesetzt. Überprüft das RP auch das Sicherheitskonzept des Transports von Bauarbeitern – ob mit Gondel oder Fahrstuhl? Lang: „Nein. Wir machen nur die Vorgabe, dass alle zugelassenen Systeme benutzt werden. Dazu gehört auch der Transport mit der Transportgondel.“
Gibt es Erkenntnisse zur Unfallursache?
Beim Hochziehen der Arbeitsgondel auf Achse 40 – so heißt der Unglückspfeiler auf der Baustelle – riss das Kranseil. Auch das damals gespannte Querseil war beschädigt. Erik Lang sagt: „Wir warten auf das umfangreiche Gutachten, welches die Ermittler in Auftrag gegeben haben. Ehe dieses Gutachten nicht vorliegt, können wir auch nicht prüfen, ob wir bei den Sicherheitsvorschriften etwas ändern müssen.“
Lang sagt: „Durch den Baustellenunfall gab es Stand heute fünf Wochen Verzögerung in der Bauzeit.“