Die Polizei fahndet nach den unbekannten Männer, die auf den 107 Meter hohen Kran der Hochbrücke geklettert sind. Kommen sie aus der Region?
Es gibt erste Spuren zu den unbekannten Männern, die auf den 107 Meter hohen Kran an der Hochbrücke Horb geklettert sind. Genau dort, wo es vor knapp einem Jahr einen tödlichen Arbeitsunfall gab. Das Kranseil riss, die Arbeitsgondel mit drei Bauarbeitern an Bord stürzte zu Boden.
Jetzt sorgen Instagram-Videos für Aufregung: Zwei unbekannte Männer sind auf den 107 Meter hohen Kran an der Hochbrücke Horb gestiegen. An dieser Stelle stürzten am 20. Mai 2025 drei Bauarbeiter in der Arbeitsgondel in den Tod. Die Kran-Kletterbande dagegen macht oben seelenruhig Selfies und Videos.
Die Baufirma Porr sagt: „Besonders schwer wiegt, dass die Täter bewusst und vorsätzlich gegen geltendes Recht verstoßen haben. Ihr Handeln war nicht situationsbedingt oder fahrlässig, sondern klar darauf ausgerichtet, illegale Inhalte für die sozialen Medien zu produzieren.“ Sie wollen die Kran-Kletterer von der Hochbrücke Horb offenbar verklagen.
Unserer Redaktion wurde eine Handynummer zugespielt. Sie soll einem der Kran-Kletterer gehören. Wir rufen dort an. Aber es startet sofort eine Mailbox.
Das sind die Spuren zur Kran-Kletterbande der Hochbrücke Horb
Doch wer sind die Unbekannten? Es gibt Spuren im Netz. Zwar haben beide von der Kran-Kletterer an der Hochbrücke Horb ihre Profile auf Instagram auf privat geschaltet, aber die Tiktok-Accounts sind am Mittwoch, 13. Mai, noch aktiv. Am Freitag, 15. Mai, hat der Mann mit der Gummimaske seinen Account auf privat geschaltet.
Der Mann mit dem Basecap. Er kommt offenbar aus der Graffiti-Szene. Er zeigt Wände, die er besprüht hat. In einem Video zeigt er, was für ihn ein erfolgreiches Wochenende war: Er schmeißt leere Sprühdosen in einen Container.
Der Basecap-Kletterer war auf Autobahnbrücke Weitingen
Am 29. Januar 2026 veröffentlicht er ein Video von der Autobahnbrücke Weitingen: Unten die roten Stahlseile, die Füße baumeln ins Neckartal, er schüttet eine Flüssigkeit in gelbe Farbe. Am 24. April 2026 wieder ein Tiktok-Video: Die Kamera schwenkt in luftiger Höhe auf einen Funkmast nebenan, eine Stimme sagt: „In Germany we call it Geile Scheiße.“
Und wenn er mal nicht sprüht, dann geht der Basecap-Kletterer gerne tanzen. Zeigt ekstatisch tanzende Menschen in einem Club, schreibt: „Nur eine Hand voll Menschen kennen dieses Gefühl.“ Am 19. Juni 2025 sieht man seine Füße auf einer Straße, die Sonne geht auf. Der Climber schreibt: „Du musst auf einem Feld runterkommen, weil die Rave gestürmt wurde von der Polizei.“ Im Frühjahr war er wohl auf Auslandsreise in Südamerika.
Das ist über den Kletterer mit der Gummimaske bekannt
Der Kletterer mit der Gummimaske. Er zeigt Videos und Fotos auf TikTok. Zu sehen: Ein Kletterer, wie er die Arme auf dem Kranausleger in luftiger Höhe streckt. Wie einer den Kran hochklettert. In einem Clip ist ein Leuchtfeuer zu sehen – zwei Männer zeigen die Deutschlandflagge, tief unten ist eine Stadt zu erahnen.
In einem Video vom 30. Oktober 2025 zeigt er sich mit seiner Opa-Maske und Deutschland-Flagge in luftiger Höhe auf einer Metallkonstruktion. Danach filmt er einen Autostau. Vor ihm ein Dacia Dokker mit Böblinger Kennzeichen. Ein Schwenk aufs Armaturenbrett zeigt die Schweizer Vignette in Orange von 2025. Der Drehzahlmesser sieht aus wie von einem Volkswagen. Die Uhr zeigt 7.29 Uhr.
Was sich hinter der Urbex-Szene verbirgt
In einigen Clips verwendet der Kletterer mit der Gummimaske von der Horber Hochbrücke die Hashtags „Urbex“ und nennt das Wort „Banger.“ Urbex ist das Kürzel für „Urban Exploring“. Dabei geht es um verlassenen Orte (Lost Places). „Banger“ ist die Bezeichnung für einen spektakulären Ort, der entweder unberührt oder eine historisch einmalige Location ist.
Das Klettern auf Kräne, Windräder oder andere hohe Bauwerke gehört auch dazu, wird in der Szene mit „Crane Climbing“ oder „Skywalking“ bezeichnet. 2015 sorgten die „Grave Yard Kidz“ für Aufsehen beim Bau des Testturms in Rottweil.