Als Hobby stirbt das Briefmarkensammeln langsam aus – auch in der Bergstadt: War die Faszination für die kleinen Marken einst noch groß, schrumpft der Bund der Philatelisten nun immer weiter. Mit Folgen: Der Briefmarkensammlerverein St. Georgen löst sich auf.
Früher war Briefmarkensammeln ein beliebtes Hobby – auch in St. Georgen taten sich 1931 begeisterte Philatelisten zusammen, um gemeinsam ihrer Leidenschaft zu frönen.
Doch seitdem hat sich vieles geändert: Briefmarkensammler – besonders jene, die ihrem Hobby gemeinsam mit anderen im Verein nachgehen möchten – sind rar geworden. Und neue, junge Philatelisten kommen kaum nach. In St. Georgen hat die Entwicklung nun konkrete Konsequenzen: Der örtliche Briefmarkensammlerverein löst sich auf.
Der Schritt kommt keineswegs aus dem Nichts – vielmehr zeichnet sich die Entwicklung schon seit Jahren ab: Von weit mehr als 100 Mitgliedern, die der Verein noch vor Jahrzehnten hatte, ging es in den vergangenen Jahren stetig bergab. Neun Mitglieder, die sich regelmäßig trafen, hatte der Verein zuletzt noch – und ein nicht unerheblicher Teil habe den 80. Geburtstag schon hinter sich, sagt Serge Steffen im Gespräch mit unserer Redaktion.
Der begeisterte Briefmarkensammler war bis vor Kurzem Kassierer des St. Georgener Vereins – nun kümmert er sich um die Organisation von dessen Abwicklung. Ein Schritt, der Steffen spürbar nahegeht – er hätte die Auflösung des Briefmarkensammlerverein gerne abgewendet.
Neuer Vorstand kann nicht gebildet werden
Doch es sollte anders kommen: Im Mai war der langjährige Vorsitzende des Briefmarkensammlervereins, Hans-Rüdiger Kohn, gestorben. Danach habe er die Aufgabe, einen neuen Vereinsvorstand zu bilden, in die Hand genommen, berichtet Steffen gegenüber unserer Redaktion.
Doch aus den ausgedünnten Reihen der Mitglieder fanden sich nicht genügend Personen, die sich im Vorstand einbringen wollten – angesichts des fortgeschrittenen Alters einiger Vereinsmitglieder sei das zwar schade, „aber auch verständlich“, findet Steffen.
Regelmäßige Tauschabende
So geht die Ära des Briefmarkensammlervereins St. Georgen zu Ende, nachdem es in den vergangenen Jahren recht still um den Verein geworden war. Zu ihren Tauschabenden treffen sich die Mitglieder noch regelmäßig, fachsimpeln alle zwei Wochen über Briefmarken, Poststempel und auch Münzen – und auch über den geschichtlichen Kontext der kleinen Marken.
„Da hat jeder seine Spezialität“, verrät Steffen, der den Austausch mit Gleichgesinnten ebenso schätzt wie die anderen Vereinsmitglieder. „Das ist immer eine schöne Zeit.“
Hauptproblem: der fehlende Nachwuchs
Früher hatte der Verein auch einen Stand beim Stadtfest und richtete jährlich eine Briefmarkenausstellung mit Tauschbörse in Bildungszentrum aus – doch diese Zeiten sind mittlerweile vergangen.
Denn ein großes Problem des Vereins war der fehlende Nachwuchs: So kamen kaum neue Briefmarkensammler hinzu, während die langjährigen Mitglieder des Vereins immer älter wurden, teils verstarben. „Die Jugend interessiert sich heute mehr fürs Handy als für Briefmarken“, bedauert Steffen.
Andere haben sich schon aufgelöst
Und so teilt der Briefmarkensammlerverein St. Georgen nun das Schicksal vieler weiterer Philatelisten-Verbände. Dieser allgemeine Trend spiegelt sich im Kleinen wider. Denn auch in der Region gab es früher in vielen Gemeinden Briefmarkensammlervereine. Doch viele haben sich mittlerweile aufgelöst, schildert Steffen – in Triberg, Schonach, Furtwangen und Trossingen zum Beispiel.
Für die Philatelisten geht es dennoch weiter
Für die St. Georgener Philatelisten geht es aber trotz Vereinsauflösung weiter, sagt Steffen. Sie wollen sich nach wie vor regelmäßig treffen, um sich über ihre Sammelleidenschaft auszutauschen. „Und manche von uns werden zu anderen Vereinen wechseln, nach Villingen zum Beispiel.“