Jürgen Fiedler hatte einst eine ganze Aquarien-Wand voller Fische. Die Energiekrise hat ihn dazu gezwungen, sein Hobby einzuschränken. Derweil mussten die Aquarienfreunde in Oberndorf und Umgebung ihre Fisch- und Pflanzenbörse absagen. Droht das Hobby Aquaristik auszusterben?
In Jürgen Fiedlers Wohnzimmer in Bergfelden ist es ein bisschen wie im Amazonas – zumindest, was die Fische angeht, die sich in seinem Aquarium tummeln. Den exotischen Tieren beim Schwimmen und der Brutpflege zuzuschauen, ist für den 70-Jährigen „besser als jede Fernsehsendung“, wie er lächelnd sagt. Für ihn ist klar: „Ohne mein Aquarium würde mir etwas fehlen.“
Guppys mit zwölf. Das erste – ein zwei Liter fassendes Becken mit Guppys – hat er damals im Alter von zwölf Jahren geschenkt bekommen. „Von da an war ich infiziert“, sagt er lachend. Immer mehr Aquarien kamen im Laufe der Jahre dazu und immer mehr Fischarten.
Energiekrise hinterlässt Spuren
Bis vor drei Jahren hatte Fiedler in seinem Keller sage und schreibe elf Aquarien, „eine ganze Wand voll“, wie er erzählt. Und im Wohnzimmer dazu noch ein 840 Liter fassendes Seewasseraquarium. Inzwischen hat er nur noch ein kleineres Aquarium im Wohnzimmer.
Teurer Strom. Die Energiekrise mit Strompreisen auf Rekordniveau hat ihre Spuren hinterlassen. Mehrere Pumpen, die den ganzen Tag laufen müssen, und die Beleuchtung verursachten allein beim großen Seewasseraquarium Kosten in Höhe von rund 700 Euro im Jahr, wie Fiedler erzählt.
Börse abgesagt
Aber nicht nur er als privater Aquaristik-Liebhaber spürt die Auswirkungen auf sein Hobby, sondern auch als Vorsitzender der Aquarienfreunde Oberndorf und Umgebung. Der Verein veranstaltet jährlich im Herbst seine Fisch- und Pflanzenbörse in der Altoberndorfer Flößerhalle. In diesem Jahr wäre es das 27. Mal gewesen.
Züchter geben auf. Doch aufgrund der zu geringen Zahl an Anbietern – lediglich drei hatten sich gemeldet – musste die Börse abgesagt werden. Zur besten Zeit hatten die Aquarienfreunde bei der Börse bis zu 18 Anbieter und 600 Besucher verzeichnet. Doch viele Züchter hätten infolge der Pandemie und der Energiekrise mittlerweile ihr Hobby aufgegeben, weiß Fiedler. Auch Zoogeschäfte gebe es bedauerlicherweise immer weniger.
Südamerika vorn. Diese Entwicklung sei sehr bedauerlich, sagt der 70-Jährige, der seit 19 Jahren Vorsitzender der Aquarienfreunde und seit mehr als 55 Jahren Aquarien-Fan ist. Zurzeit tummeln sich Fische aus Südamerika in seinem Aquarium. „Dort gibt es einfach die größte Auswahl“, erklärt er.
Fische aus Südamerika
Wer sich für Aquaristik interessiert, dem empfiehlt Fiedler, den Aquarienfreunden Oberndorf und Umgebung beizutreten – oder zumindest mal als Besucher vorbeizukommen. Er selbst kam vor rund 35 Jahren über einen seiner Fahrschüler dazu. 36 Mitglieder hat der Verein derzeit.
Verein bietet Vorteile
Verein mit Vorteilen. Hilfreich für am Hobby Interessierte: „Wir haben jede Menge Literatur und Videofilme zum Thema“, sagt er. Außerdem helfe man sich im Verein gegenseitig, wenn man etwas brauche – sei es Ausrüstung oder ein guter Rat. Zudem biete die Mitgliedschaft Vorteile, was das Thema Versicherung angehe, bei einem recht geringen Jahresbeitrag von 25 Euro.
Reichlich zu tun. „Informieren ist das A und O“, sagt Jürgen Fiedler. Da seien Fische nicht anders als Hunde. Man müsse wissen, was sie brauchen. Wichtig sei beispielsweise, alle 14 Tage das Wasser im Aquarium zu wechseln und einmal in der Woche frisches Nass dazu zu kippen.
Einmal im halben Jahr müsse man Filter putzen und den Boden absaugen. Füttern müsse man die Tiere nur einmal am Tag – „in der freien Natur finden sie schließlich auch nicht ständig Futter“, sagt Fiedler. Als „Einsteigerfisch“ empfiehlt er einen Guppy. Das Aquarium sollte nicht direkt am Fenster stehen, denn Sonnenlicht begünstigt die Algenbildung.
Beruhigend und spannend zugleich
Einfach beruhigend. Vor ein paar Jahren haben die Aquarienfreunde dabei geholfen, das große Schulaquarium in der Gutenbergschule in Bochingen zu reaktivieren. An den Malawibarschen und Welsen hätten die Kinder große Freude gehabt, erzählt Jürgen Fiedler.
Fische zu beobachten, bereitet ihm ebenfalls, auch nach so vielen Jahren, noch große Freude. Der Blick ins Aquarium sei einfach beruhigend, sagt der 70-Jährige. Namen gibt er seinen Schützlingen übrigens nie. „Ich kann sie auch so gut auseinanderhalten“, sagt der Experte.
Weitere Informationen
Informationen über die Aquarienfreunde Oberndorf und Umgebung findet man auf aquarienfreunde-oberndorf.de/