Neuweiler Bürgermeister Martin Buchwald prescht vor – er will, dass die Verwaltung von einem Profi unter die Lupe genommen wird. Doch der Gemeinderat kontert.
Knirscht es in der Neuweiler Verwaltung? Aus Erfahrung kann Unternehmensberaterin Susanne Girod von der Firma Imaka sagen, dass, wenn es Überschneidungen bei den Aufgaben einzelner Mitarbeiter einer Verwaltung gibt, „Sand im Getriebe“ ist.
Auch in der Verwaltung Neuweilers gebe es diese Überschneidungen, so Gemeinderat und Bürgermeister in der jüngsten Sitzung. Dafür müsse eine Lösung gefunden werden, sind sich sowohl der Bürgermeister als auch der Gemeinderat bewusst.
Was das Vorgehen angeht, ist man sich allerdings nicht einig – ganz im Gegenteil.
Tagesordnungspunkt fünf in jüngster Sitzung lautet „Beauftragung und Durchführung einer Organisationsuntersuchung der Gemeindeverwaltung Neuweiler“. Bürgermeister Martin Buchwald hatte bereits ein Angebot der Firma Imaka eingeholt.
Was war von Imaka und dem Bürgermeister angedacht?
Girod erklärt dem Gemeinderat, dass Imaka eine Firma für Unternehmensberatung ist. Girod stellt auch vor, wie die Organisationsuntersuchung der Kernverwaltung in Neuweiler ablaufen könnte.
So sollen unter anderem die Aufgabenverteilung innerhalb der Gemeinde beleuchtet, Kernprozesse und Schnittstellen erkannt, Führung und Steuerung betrachtet sowie Personalbedarf und Sachmittelausstattung eingeschätzt werden. Sobald die Ist-Situation erkannt und analysiert wurde, würde ein Maßnahmenkatalog erstellt werden. In diesem befänden sich laut Girod diverse Lösungsansätze, um die Situation in der Gemeinde zu verbessern.
Es wäre nicht die erste Untersuchung
Eine Organisationsuntersuchung gab es bereits im Jahr 2013. Jetzt zeigt sich der Gemeinderat überrascht – der Bürgermeister hatte ein Angebot eingeholt, ohne dass der Gemeinderat überhaupt wusste, dass eine Untersuchung vonseiten der Verwaltung vorgesehen ist.
Und der Beschlussvorschlag bekam ordentlich Kritik ab. Ein Punkt, den Gemeinderatsmitglied Anton Höschle anführt, ist die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Bauhof und Kindergarten. Auch hier gebe es viele Schnittstellen. Wenn man eine Untersuchung durchführt, solle man auch diese beiden Positionen einbeziehen. Bisher sei in dem Angebot nur die Verwaltung miteinbegriffen. Laut Girod könne man auch darauf bei Bedarf eingehen.
Verwaltung dieser Größe sollte es selbst regeln können
Ob die Verwaltung für die Untersuchung wirklich Bedarf sieht, fragt Höschle. Buchwald antwortet, dass die Meinungen innerhalb der Verwaltung zwar auseinander gingen, die Mitarbeiter es aber dennoch „als zwingend erforderlich“ ansähen.
Wieder andere Gemeinderatsmitglieder merken an, dass eine Verwaltung dieser Größenordnung mit rund zehn Mitarbeitern sich effektiv selbst organisieren können sollte. Gemeinderat Micha Stockinger fügt an, dass, wenn man es bei rund elf Mann selbst nicht organisiert bekomme, eine solche Untersuchung auch nicht mehr helfe. Sabine Bittmann schlägt vor, dass die Verwaltung es zunächst intern versuchen solle – mittels Stellenbeschreibungen, in denen jeder seine Aufgaben notiert. Bei einem anschließenden Gespräch könnten die Zuständigkeiten abschließend geklärt werden. Bei der Aufteilung sehen die einen oder anderen auch den Bürgermeister in der Verantwortung.
Knackige Kosten für die Untersuchung
Girod führt als Gegenargument an, dass neben den Schnittstellen bei Aufgaben der Verwaltung beispielsweise auch bei der Digitalisierung Potenziale herausgearbeitet würden. Der Blick von außen sei wichtig.
Doch auch die Kosten, die zwischen 10 000 und 20 000 Euro liegen sollen, stoßen bei den Gemeinderäten nicht gerade auf Begeisterung. Im Gegenteil: Bittmann beispielsweise bezeichnet die Kosten als „knackig“. Letztlich wird nicht abgestimmt. Stattdessen will man auf Basis der Gespräche schauen, wie man weitermacht.