Eine kontroverse Diskussion entbrannte im Kreistag in Freudenstadt, als es um die Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald ging. „Er bringt nichts für den Tourismus“, polterte Erwin Zepf (CDU). Die Bevölkerung fühle sich als Waldvolk dargestellt.
Brisante Diskussion vor der Sitzung des Nationalparkrats zur Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald: Was bringt das Ganze? Wird die Bevölkerung wirklich mitgenommen?
Fakt ist: Anfang Januar hatte es wesentliche Garantien und Zusagen von Umweltministerin Thekla Walker und der Landesregierung gegeben. Ob das gehalten wird, daran gibt es Zweifel.
Landrat Klaus Michael Rückert, auch Vorsitzender des Nationalparkrats: „Es gibt verbindliche Zusagen des Umweltministeriums. Und vom Ministerpräsidenten, dass ein Wildtiergehege zur touristischen Inwertsetzung des Nationalparks vom Land finanziell ausgestattet wird.“ Dazu unter anderem mehr Bürgerbeteiligung und die doppelte Stimmenzahl für Kommunen im Rat gegenüber dem Land.
Punkte, die an die Erweiterung des Nationalparks geknüpft sind, die am Freitag vom Nationalparkrat beschlossen werden sollen.
Werden die Wege wirklich gemacht?
Kreisrat Hermann John (Freie Wähler): „Ich habe Angst, dass die zugesagte Wegeerschließung und Verbesserung wie das letzte Mal endet. Das Geld geht aus, Gefahrenstellen entstehen.“
Nationalparkleiter Wolfgang Schlund: „Alle Wege, die in Abstimmung mit den Kommunen als entscheidende Wege festgesetzt sind, werden auch in der Erweiterungszone übernommen. Darüber hinaus gab es Wege, die wir gebraucht haben und gesperrt werden mussten. Das wollen wir jetzt korrigieren.“ Landrat Rückert: „Das wird in Baiersbronn noch vor der Wandersaison umgesetzt.“
John: „Was ist mit den Karseen? Die wurden mit Stauwerk versehen, um auch vor Hochwasser zu schützen. Fällt das weg wegen dem Naturschutz?“ Schlund: „Die Anlagen stehen unter Denkmalschutz, die werden alle erhalten.“
Kreisrat Erwin Zepf greift Landrat Rückert an
Dann legt Kreisrat Erwin Zepf (CDU) los: „Vor zwölf Jahren, als der Nationalpark gegründet wurde, war die Zustimmung bei der Bürgerbefragung minimal. Nur der Landrat hat Hurra geschrieben, weil ihm der Zugang zu grünen Ministerien so wichtig ist. Wer für Grüne war, hat über das Förderprogramm ELR Geld gekriegt.“
Der Kreisrat weiter: „Es gibt keinen Touristiker, der sagt, durch den Nationalpark sind die Zahlen gestiegen. Selbst Hardcore-Grüne beschweren sich beim Ortsvorsteher, dass sie den Wald nicht mehr betreten dürfen. Es fehlt das Vertrauen. Es glaubt keiner den Zusagen. Was die Ministerin da erzählt hat, findet die Bevölkerung respektlos. Die fühlen sich dargestellt als Waldvolk.“
Wie sicher ist der Nationalpark?
Erwin Zepf spricht das Thema Sicherheit an: „Die Brandgefahr ist viel stärker als im bewirtschafteten Wald. Im Nationalpark Harz mussten schon Hubschrauber löschen. Wenn Bäume im Fluss liegen, staut sich das Wasser. Dann gibt es eine Hochwasserwelle.“
Landrat Rückert: „Der Nationalpark hat am Anfang Fehler gemacht. Ich habe eine Gewässerschau angeordnet. Inzwischen arbeiten wir mit dem Nationalpark konstruktiv zusammen. Die Zusagen der Ministerin sind gemacht worden, um auf die Sorgen in der Bevölkerung einzugehen. Michael Ruf und ich waren Vorreiter, dass die Wege wieder aufgemacht werden. Nach dem Beschluss des Nationalparkrats wird der Nationalpark angewiesen, das zu tun.“
Rückert kündigt „großflächige Waldbrandübung“ an
Landrat Rückert weiter: „Es wird in diesem Jahr eine großflächige Feuerwehrübung geben. Man muss bei einem Brand im Nationalpark nicht mehr Sorgen haben als bei Feuer im Wirtschaftswald.“
Wie viele Besucher lockt der Nationalpark? Leiter Wolfgang Schlund: „Wir haben um die 750 000 Besucher im Jahr entlang der Schwarzwaldhochstraße. Bei Allerheiligen sind es hunderttausende Gäste im Jahr. Das sind die Hotspots.“
Kreisrätin Katrin Schindele (CDU), auch Vize-Vorsitzende des Tourismus-Ausschusses der Landesregierung: „Bei 700 000 Besuchern kann man nicht von ’Overtourism’ sprechen. Vor Corona lag die Zahl bei einer Million.“
Was sind die Zusagen der Landesregierung wert?
AfD-Kreistagsfraktionschef Uwe Hellstern: „Ich muss die Umweltministerin in Schutz nehmen. Sie versucht, einen Kompromiss zu finden zwischen Anwohnerinteressen und den EU-Richtlinien für Nationalparks.“
CDU-Kreisrat Zepf bleibt skeptisch: „Unser Nationalpark ist ein Paradebeispiel dafür, dass so etwas in dieser Dimension niemand will.“