Morgens fast 30 Grad – da raucht der Kopf auch ohne Unterricht. Zum Glück gibt es hitzefrei. Aber wird das von den Rottweiler Schulen überhaupt noch angewendet?
Schon am Vormittag sticht die Sonne vom Sommerhimmel und das Thermometer zeigt satte 28 Grad. Aber statt im Freibad zu planschen, sind Mathe, Deutsch, Biologie angesagt Wie wäre es da mit hitzefrei?
Andreas Kienzler, Rektor der Rottweiler Realschule und als Geschäftsführender Schulleiter auch für einen Großteil der Grundschulen zuständig, winkt ab. „In der Regel kann es wegen der ‚Verlässlichkeit‘ kein hitzefrei geben“, informiert er. Der Elternbeirat sei, ebenso wie die Schulkonferenz, bei diesem Thema eingebunden.
„Bislang sind wir hier auch im Konsens. Hitzefrei, so schön das auch manchmal wäre, ist kontraproduktiv zu den Erwartungen der Gesellschaft an die Fähigkeiten der Schüler“, erklärt Andreas Kienzler die Lage.
Die Alternativen
Aber was ist die Alternative? „Wir öffnen frühmorgens die Fenster, lüften auch während des Tages und schließen alle vorhandenen Sonnenschutzeinrichtungen, sobald es notwendig wird. Erfreulicherweise haben wir seit vergangenem Jahr einen Trinkwasserspender und ermuntern die Schüler viel zu trinken. Darüber hinaus werden gegebenenfalls die Lernbedingungen angepasst“, sagt der Rektor und verweist dabei auf die „grünen Klassenzimmer“.
Im Sportunterricht werde sehr sorgsam auf die „äußeren Umstände“ eingegangen.
Und wie wird mit dem Thema am Albertus-Magnus-Gymnasium umgegangen? „Man kann immer gerne rausgehen, beispielsweise ins ‚grüne Klassenzimmer‘ auf der schattigen Nordseite, auf den Sportplatz, oder sonst in den Schatten“, sagt Schulleiter Jochen Schwarz auf Anfrage.
Die Lage am AMG
Im Erdgeschoss sei es dank der massiven Bauweise durchgehend gut aushaltbar, ebenso im ersten Stock. Die meisten Klassenzimmer hätten nachmittags keine Sonneneinstrahlung, und der Hausmeister sei beauftragt, morgens das Haus zu lüften. „Außerdem ist das Trinken wichtig. Wir waren die erste Schule mit Trinkbrunnen“, weist Schwarz hin und erläutert, dass das heutige Vorgehen mit früheren Jahren nicht vergleichbar sei.
„Von der Betreuungspflicht der Kinder bis hin zum ohnehin vollen Terminkalender ist sehr vieles zu beachten. Sollten Stunden ausfallen, müssen sie, besonders mit Blick auf Klassenarbeiten, nachgeholt werden. Dann doch besser im Haus kühle Plätze suchen“, so Schwarz.
Jalousien runter am DHG
Stefan Maier, Schulleiter am Droste-Hülshoff-Gymnasium und geschäftsführender Schulleiter der Gymnasien informiert, dass von der Regelung des Kultusministeriums in den vergangenen Jahren immer weniger Gebrauch gemacht worden sei. „Ein Grund ist die Betreuungssituation. Viele Schülerinnen und Schüler wären dann über viele Stunden alleine zu Hause, oder sonst irgendwo. Da finden wir es besser, wenn sie verlässlich an der Schule unterrichtet und betreut werden“, so Maier.
Ein anderer Grund sei, dass wenn man gerade bei einer richtigen Hitzewelle einmal hitzefrei gegeben habe, man „aus dieser Nummer bis zu einer deutlichen Abkühlung nicht mehr herauskommt“.
Die Klassenzimmer kühl zu halten, sei nicht gerade einfach, gibt Maier zu. „Tagsüber ist die oberste Pflicht darauf zu achten, dass die Jalousien auf der sonnenbeschienenen Gebäudeseite geschlossen sind und bleiben. Außerdem machen die Schülerinnen und Schüler gerade auch bei diesem Wetter regen Gebrauch vom Trinkwasserspender“, so der Schulleiter abschließend.
Am LG gibt es Eis
Am Leibniz-Gymnasium sieht es ähnlich aus, wie Schulleiterin Silke Pach informiert. „Bei uns gibt es für die Schüler dann öfter mal eine Runde Eis. Vor allem jetzt im Endspurt bis zu den Sommerferien. Außerdem versuchen wir, den Unterricht in die Klassenzimmer zu legen, die nach Norden gehen. Doch das geht natürlich nicht für alle Klassen“, sagt sie.
Auch das LG hat ein „grünes Klassenzimmer“, für das es dank einer der Schülerfirmen mobile Möbel gebe. „Hitzefrei gibt es nur, wenn das Thermometer morgens um 10 Uhr 30 Grad im Schatten anzeigt, und die drei Gymnasien sich abgestimmt haben, weiß sie. Und: „Das war vor drei Jahren das letzte Mal“, erinnert sie sich. u
Gleichbehandlung an der NBS
Ganz anders indes läuft es an der Nell-Breuning-Schule, wie der stellvertretende Schulleiter Matthias Jauch erklärt. „Da wir eine Berufliche Schule sind, läuft es bei uns etwas anders als in den klassischen allgemeinbildenden Schulen“, sagt er. Da es sowohl „Vollzeitschüler“, beispielsweise am Beruflichen Gymnasium und der zweijährigen Berufsfachschule, aber auch „Teilzeitschüler“, wie Azubis gebe, sei das schwierig.
„Wir dürfen nicht die Azubis von den Betrieben in die Schule holen und sie dann ins hitzefrei entlassen“, macht er deutlich. „Von daher bleiben uns nur die Maßnahmen zur Kühlhaltung der Räume – insgesamt sind das mehr als 60 Klassen- und Fachräume“, sagt der Schulleiter. Also auch hier – Jalousien runter und lüften.
Nachmittags sei die Hitze oft sehr groß, deswegen würde mancher Unterricht dann auch im Freien im Schatten der Bäume stattfinden.
Eine alte Regelung
Hitzefrei wird übrigens nicht willkürlich gegeben, sondern es gibt ein Regelwerk des Kultusministeriums aus dem Jahr 1975 – man glaubt es kaum. Die Kriterien könnten heute meist gar nicht erfüllt werden, so die Schulleiter unisono. In dem Schreiben lauten sie: „Die Außentemperatur beträgt um 11 Uhr mindestens 25 Grad Celsius im Schatten. ‚Hitzefrei‘ gibt es frühestens nach der vierten Stunde vom allgemeinen Unterrichtsbeginn der Schule an gerechnet. Benachbarte Schulen stimmen sich ab und entscheiden möglichst gleichmäßig. Die Entscheidung an der einzelnen Schule obliegt der Schulleitung. Schülerinnen und Schülern, die mit dem Bus fahren, müssen auch bei hitzefrei bis zur Gelegenheit zur Heimfahrt Aufenthaltsräume zur Verfügung stehen; so lange müssen sie auch beaufsichtigt werden. Hitzefrei gibt es nicht für die beruflichen Schulen und nicht für die gymnasiale Oberstufe.“
Bleibt also nur nach Unterrichtsende der Sprung ins kühle Nass, im zum Glück nahe gelegenen Freibad.