Die Hitzewelle macht vor allem Senioren zu schaffen. Das Team im Gottlob-Freithaler-Haus in Schiltach ist aber längst nicht nur für eine solche Krise gewappnet.
Es ist kurz nach halb elf an einem der bisher heißesten Tage des Jahres. Das Thermometer zeigt 28 Grad, das Handy eine Hitzewarnung an. Susanne Schrade fährt Josef Fischer im Garten des Gottlob-Freithaler-Hauses spazieren, wo auch einige weitere Bewohner im Schatten der Bäume und Sonnenschirme die Natur genießen. Der Senior trägt ein kariertes Kurzarm-Hemd, einen Strohhut und ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Schrade beugt sich vor, um ihm ins Ohr zu sprechen, und fragt, wie es ihm bei der Hitze geht? „Joa“, antwortet Josef Fischer nach einer Weile und deutet auf seinen Hut, der die Sonne abschirmt.
Auch die Mitarbeiter im Gottlob-Freithaler-Haus geben ihr Bestes, um die Senioren vor der Hitze zu schützen. Allen voran Nicole Oeser, die bei der Sozialgemeinschaft im Qualitätsmanagement arbeitet und dort mittlerweile auch so etwas wie die Krisenmanagerin ist, wie sie lachend erzählt.
Denn inzwischen gibt es für das Haus ein umfassendes Krisenkonzept, das nach Jahreszeiten unterteilt ist, um auf die jeweiligen Gefahren vorbereitet zu sein: Überschwemmung, Stromausfall, Brand – und im Sommer eben Hitze. Im Zuge des von Oeser betreuten Projekts sind die Mitarbeiter in allen Bereichen geschult und sensibilisiert worden.
Beim Thema Hitze sind die Maßnahmen in kurz- und langfristig unterteilt, wie Oeser erklärt. Für die Zukunft arbeitet die Sozialgemeinschaft mit einem Energieberater zusammen, der feststellen soll, wie das Gebäude nachgerüstet werden kann.
Im Alltag sind dagegen pragmatische Lösungen gefragt: Die Mitarbeiter belüften früh morgens die Räume, lassen an der Sonnenseite die Rollläden herunter oder stellen Ventilatoren auf. Sie achten darauf, dass die Bewohner leichte Kleidung anziehen und animieren sie dazu, genug zu trinken, in dem sie deren Lieblingsgetränke anbieten und schön herrichten. Die Küche verteilt Eis und Wassermelone und serviert Sommerspeisen statt Pizza, damit der Ofen das Haus nicht noch zusätzlich aufheizt.
All das läuft, ohne dass Oeser die Mitarbeiter ständig an das Konzept erinnern muss. „Alle Kollegen sind sehr achtsam“, betont sie.
Damit die Heimbewohner dennoch Licht und Vitamin D tanken können, werden Aktivitäten in den Morgen verlegt, wie Oeser erzählt. Bei der Hitze würden sie aber ohnehin schnell müde, noch schneller als sonst.
Um 11 Uhr ist „Feierabend“
„Man kann nicht viel machen bei dem Wetter“, unterstreicht auch Susanne Schrade. Um elf sei Feierabend, sagt sie zu Josef Fischer, der noch munter wirkt, dem die Hitze aber sichtlich zu schaffen macht. Denn dann wird es für die Bewohner auch im schattigen Garten zu heiß.
Bevor es wieder nach drinnen geht, gibt es an diesem Morgen aber noch einen kurzen Schreckmoment: Der Feuermelder fängt an zu piepen. Krisenmanagerin Oeser ist sofort in ihrem Element und geht der Sache auf den Grund. Nach wenigen Sekunden hört das Piepen auf, und sie kann Entwarnung geben. Diese Krise bleibt ihr erspart. Die Hitze wird sie aber wohl noch einige Zeit beschäftigen. Mit ihrer Arbeit trägt sie jedenfalls dazu bei, dass Mitarbeiter und Bewohner in Krisen cool bleiben können.