Der Kreis Lörrach steht vor wachsenden Herausforderungen durch die Folgen des Klimawandels.
Extreme Hitzeperioden, anhaltende Trockenheit oder Unwetter mit Starkregenereignissen: Der Klimawandel sei im Landkreis Lörrach bereits deutlich spürbar, wie Nele Hoge dieser Tage im Umweltausschuss des Kreistags berichtete. So lagen die Jahresmitteltemperaturen seit 2014 – mit Ausnahme des Jahres 2021 – ein Grad über dem Referenzzeitraum 1961 bis 1991. Seit dem Jahr 2022 betragen die Abweichungen jeweils über zwei Grad. Der Klimawandel sei damit bereits Realität.
Aktuelle Klimamodelle des Landes zeigen laut Hoge, dass sich dieser Trend fortsetzt. Bis zum Ende des Jahrhunderts sei eine Erwärmung von bis zu fünf Grad möglich, wie die Stabsstellenleiterin für Klimaschutz erklärte.
Damit nähmen Hitzebelastungen zu, Extremwetterereignisse würden häufiger, Trockenperioden länger und Wälder und Ökosysteme gerieten stärker unter Stress, hieß es weiter. Auch invasive Arten breiteten sich leichter aus.
Die Kreisverwaltung hält dagegen und setzt bereits vielfältige Maßnahmen zur Klimawandelanpassung um und berät Bürger, Kommunen sowie landwirtschaftliche Betriebe zu Anpassungsmaßnahmen und Förderprogrammen. Dies erfolge zum Teil aus dem staatlichen Verwaltungsauftrag der beteiligten Fachbehörden heraus, wie weiter zu erfahren war.
Umsetzung stärken
Um die Umsetzung von Maßnahmen zu stärken, hatte die Verwaltung zunächst beabsichtigt, eine Bundesförderung für Umsetzungsmaßnahmen zu beantragen. Der Bund forderte jedoch eine Nacharbeitung des bestehenden Konzepts. Hierfür wurden inzwischen Mittel bereitgestellt; das Projekt wird derzeit durchgeführt, mit der Aussicht auf eine anschließende Förderung von Umsetzungsmaßnahmen, die den Fokus auf naturbasierte Lösungen wie Renaturierungen legen. Die Fortschreibung wird Hoger zufolge derzeit mit Bundesmitteln umgesetzt und soll zugleich eine fachliche Grundlage für die Kommunen im Landkreis bilden.
Gleichzeitig bestehen neue gesetzliche Aufgaben für den Landkreis, betonte Hoge: Demnach schreibt das Klimaanpassungskonzept des Bundes kommunale Anpassungskonzepte vor. So muss der Landkreis Lörrach sein Konzept bis spätestens Juni 2031 unter Dach und Fach haben.
Zudem müssen kommunale Konzepte für die kreisangehörigen Städte und Gemeinden bis spätestens 30. Juni 2034 erstellt werden. Ausgenommen sind die großen Kreisstädte. Diese müssen eigene Konzepte erstellen.“ Das Landkreiskonzept befindet sich bereits mithilfe der Bundesförderung in Bearbeitung“, lautete Hoges Botschaft.
Den Boden schonen
Angesichts des Klimawandels stärken in der Landschaftspflege der Erhalt und die Vernetzung von Streuobstwiesen, Mager- und Feuchtgrünland sowie Biotopen die Resilienz gegenüber Hitze, Trockenheit und Starkregen.
In der Landwirtschaft reduzieren bodenschonende Bewirtschaftung, vielfältige Fruchtfolgen und nachhaltige Grünlandnutzung Erosion und verbessern den Wasserrückhalt. Ergänzend beteiligt sich der Landkreis an überregionalen Projekten wie „Wasser, Boden, Agroforst“ (Erosionsschutz) mit dem Naturpark Südschwarzwald, treibt den klimaangepassten Waldumbau voran und sichert durch Gewässerschutzmaßnahmen die Wasserverfügbarkeit in Dürreperioden.
Meinungen
Dass das Thema sehr wichtig sei, erklärte Klaus Eberhardt (SPD). Das beschäftige die Menschen, bereits jetzt seien in Städten Maßnahmen erforderlich, erklärte Rheinfeldens Stadtoberhaupt. „Wir unterstützen die Idee eines Leitfadens und eine Umsetzung in Zusammenarbeit mit den Kommunen.“ Angesichts klammer Kassen sollen aber keine neuen Stellen geschaffen werden.
„Hitzeopfer sterben leise, es ist dramatisch“, warnte Gerhard Zickenheiner (Grüne). Pro Jahr gebe es etwa 20 000 Hitzeopfer. Er ging davon aus, dass die Jahresmitteltemperaturen um bis zu vier Grad steigen werden. „Der Klimawandel wartet nicht auf ein Konzept, für das fünf Jahre angesetzt sind.“ Ein Konzept müsse jetzt schon her, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Bedarfe seien vorhanden, die Kommunen könnten es aber noch nicht bewältigen. Und: „Wir wissen um die Grenzen, was der Kreis selber machen kann.“
Zuspruch gab es auch von der Fraktion der AfD: Wolfgang Fuhl hielt ein Anpassungsmanagement für erforderlich. „Wir hatten schon mehrere Starkregenereignisse“, erinnerte er. „Wir wissen nicht, was uns noch erwartet“, so Fuhl weiter. Hitzewellen seien schon jetzt unerträglich.