Außer sechs Bomben, die im Mai 1940 in der Gegend des Germanswaldes auf freies Feld gefallen waren, wurde Villingen, das damals 16.000 Einwohner zählte, bis 1944 von Bombenangriffen verschont. Danach galten die Bomben vor allem dem Zugverkehr.
Die Zeitzeugen, die vor 80 Jahren in Villingen die Bombardierung durch die alliierten Streitkräfte am eigenen Leib miterlebt haben, sterben zusehends aus.
Und dabei könnten sie den heranwachsenden Jugendlichen noch so vieles erzählen. Unter anderem auch, dass Villingen in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges vom 1. Januar bis 20. April 1945 noch 321 Fliegeralarme an 81 Tagen zu überstehen hatte. Oft waren es elf Alarme am Tag.
Zwei Bombenangriffe schockieren
Die Bevölkerung wurde durch Sirenen auf die Fliegerangriffe vorbereitet. Mit dem Nötigsten begab man sich in den Keller, wo man die Motoren, der über einem fliegenden Flugzeuge hörte und schließlich auf das Ende der Alarme wartete, was wiederum durch Sirenen kundgetan wurde. Hoffend und bibbernd hörte man die Niederschläge der Bomben über der Stadt. Im Vergleich zu anderen Gemeinden hatte Villingen trotz der erlittenen schmerzlichen und unersetzlichen Verluste an Blut und Glut noch Glück.
Durch Fliegerangriffe sind in Villingen 20 Personen ums Leben gekommen. Die Bevölkerung der Stadt war vor allem durch zwei Bombenangriffe schockiert, die am 20. Februar die Bickenkapelle und am 22. Februar die Gutleuthauskapelle (St. Vituskapelle), die von den Altkatholiken benutzt wurde, vollständig zerstörten. Die Gutleuthauskapelle stand zwischen der Berthold und Gerwigstraße, wo heute der Caritasverband sein Verwaltungsgebäude hat. Hier wurden im Mittelalter die Leprakranken behandelt. Die Bickenkapelle , die von zwei großen Linden umrahmt war, stand am linken Brigachufer jenseits der Bickenbrücke, neben der Fußgängerbrücke zum Landratsamt. Ein monumentales Steinkreuz ermahnt den Betrachter an die Kapelle. Man darf davon ausgehen, dass schon um das Jahr 1400 hier eine Kapelle stand. Sie lag am Stationenweg, der von der Stadt zum Friedhof führte.
1624 nimmt man einen neuen Anlauf
Auf Grund der Beheimatung des Kreuzes war die Kapelle auch für die Villinger von großer Bedeutung. Im Zuge der Reformation und Bauernkriege wurde die Kapelle, die unter dem Patronat „Unserer Frauen Kirch“ stand im Jahre 1624 neu erbaut. 1633 wurde die Stadt belagert und vom Bickentor angegriffen.
Die Feinde nutzen die Kapelle zur Deckung, so dass sie durch die Villinger eingeäschert wurde. Man versprach jedoch eine neue zu bauen. 1669 wurde diese eingeweiht. Das Erscheinungsbild der Kapelle blieb bis zur Zerstörung 1945 unverändert. Vor allem am Fest der Kreuzerhöhung trafen sich die Gläubigen in der Kapelle zum Gebet. Die katholische Jugend traf sich in der NS-Zeit zu Versammlungen,da diese sich außerhalb der Kirchen nicht treffen durften. Umso mehr schmerzte die Bevölkerung die Zerstörung.
Daran erinnert das Nägelinskreuz
Unter anderem das Nägelinskreuz im Villinger Münster, das immer noch oft Treffpunkt vieler Gläubigen zum Gebet ist, erinnert noch heute an diese Kapelle. Seit einigen Jahren befindet sich in der Benediktinerkirche auch die kleine Glocke, die den Bombenangriff ramponiert überstanden hat. Sie war einst durch Benjamin Grüninger im Jahr 1971 gegossen wurde. Sie gelangte in die Hände des ehemaligen Prokuristen, dessen Sohn sie dann der Stadt als Schenkung anbot. Da die Stadt im Museum keinen Platz fand, engagierte sich der Geschichts- und Heimatverein und zeigte sich verantwortlich für die Aufstellung in der Kirche.