Es ist tatsächlich vollbracht: Durch einen 3:1-Heimsieg gegen Sporting Braga steht der SC Freiburg im Finale der Europa League. Erst am Ende begann das große Zittern.
Schon in den Tagen vor dem entscheidenden Rückspiel im Europa-League-Halbfinale des SC Freiburg knisterte es in „Fußballstadt“, wie Trainer Julian Schuster die Breisgaumetropole am Tag vor dem Spiel genannt hatte. Und kaum hatte der italienische Schiedsrichter um 21 Uhr angepfiffen, entlud sich im Europa-Park-Stadion alle Anspannung.
Die Anfangseuphorie auf der Tribüne war noch nicht verflogen, da wurde es zum ersten Mal so richtig laut. Igor Matanovic machte einen Ball im Mittelfeld mustergültig fest und schickte Jan-Niklas Beste steil. Mario Dorgeles brachte den Flügelspieler 17 Meter vor dem Tor zu Fall und flog wegen einer Notbremse vom Feld.
Sporting Braga, die mit einem knappen 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel nach Freiburg gereist waren, war fortan nur noch zu zehnt und bemühte sich nach Kräften, Zeit von der Uhr zu nehmen. Sollte das jedoch ein Teil des Sporting-Matchplans gewesen sein, wurde dieser schnell von Lukas Kübler torpediert.
Kübler trifft mit Flipperball
Der Rechtsverteidiger blieb nach einer abgewehrten Flanke von Vincenzo Grifo in der Situation drin und bugsierte den Ball in der 20. Minute mit viel Glück – weil vom Gegner im Getümmel angeschossen – unhaltbar links ins Eck. Der Rückstand aus der Vorwoche war damit früh egalisiert.
Die Gäste aus Portugal änderten jedoch zunächst wenig an ihrer Herangehensweise. Bei Standards ließen sie sich viel Zeit und wagten sich nur selten nach vorne. Die Freiburger hatten dadurch viel Ballbesitz, taten sich jedoch gegen einen meist kompakt stehenden Gegner schwer.
Traumtor von Johan Manzambi
So wurde Johan Manzambi in der 41. Minute fast zu seinem Glück gezwungen. Der Youngster hatte im letzten Drittel mit dem Ball viel Platz und wurde nicht angegriffen. Aus gut 18 Metern traf er sehenswert per Schlenzer ins lange Eck und brachte den Sport-Club auch in Addition beider Spiele in Führung.
Dass dieses Ergebnis auch zur Pause Bestand hatte, war auch Philipp Treu zu verdanken. Denn kurz vor der Pause traf zunächst Victor Gomez aus spitzem Winkel den Pfosten, den Nachschuss von Rodrigo Zalazar blockte Treu in höchster Not und rettete das 2:0.
Und wer weiß? Vielleicht war genau diese Doppelchance ein Weckruf für die Freiburger. Denn statt einem Sturmlauf von Braga nach dem Seitenwechsel nahmen zunächst die Hausherren wieder das Heft des Handelns in die Hand.
Wilde 2. Halbzeit
Grifo, Manzambi und Matthias Ginter hatten gute Möglichkeiten und sorgten dafür, dass der ein oder andere im Europa-Park-Stadion schon den Torschrei auf den Lippen hatte. Doch stattdessen ging das Zittern weiter. Auf der Gegenseite war Noah Atubolu erstmals gefordert (58.).
In der Folge entwickelte sich ein immer wilder werdendes Spiel. Auf der einen Seite verpasste Braga haarscharf ein Traumtor von der Strafraumkante, die Freiburger dagegen vergaben gleich mehrere Großchancen. Und so brauchte es mal wieder einen Standard von Grifo. Einen Freistoß aus dem Halbfeld zirkelte der Italiener auf den Kopf von Kübler, der mit seinem Doppelpack die Tür zum Finale ganz weit aufstieß.
Die SC-Fans besangen danach bereits den Sieg des „Uefa-Cups“, während Pau Victor in der 78. Minute mit dem 3:1 per Kopf noch mal für Spannung sorgte. Es folgten mehr als 15 Minuten Zittern, Hoffen und Bangen, ehe der historische Finaleinzug des SC Freiburg um 22.55 Uhr vollbracht war. Der Rest war grenzenloser Jubel einer ganzen Fußballstadt – Platzsturm der SC-Fans inklusive.