Ein Foto aus dem Stadtarchiv Schramberg von 1912 zeigt die beiden Gebäude – inklusive des Kinos. Foto: Stadtarchiv Schramberg

Mit der Leibbrandstraße 8 hat die Stadt Schramberg ein Gebäude mit einer interessanten Vorgeschichte gekauft: Angebaut war eines der ältesten Kinogebäude in Baden-Württemberg.

Die Stadt hatte rings um den Tunnelausgang und dem Busbahnhof in den vergangenen Jahren mehrere Gebäude erworben, um durch ihren Rückbau Flächen für einen Zweirichtungsverkehrs im Tunnel und eine Neuorganisation der Verkehrsführung in diesem Bereich umsetzen zu können. Was noch fehlte, war beim Busbahnhof das Haus Leibbrandstraße 8. Im Gemeinderat hat Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr nun den Kauf des Gebäudes bekannt gegeben.

 

Zentraler Bereich

Eine Neugestaltung des Bereichs und im Zusammenhang damit ein Zweirichtungsverkehr durch den Schlossbergtunnel waren schon zur Amtszeit von Oberbürgermeister Herbert O. Zinell beim Stadtentwicklungsprogramm „Schramberg 2020 plus“ ein Thema gewesen. Im März 2011 hatte es dazu eine Bürgerversammlung gegeben.

Das Gebäude steht beim heutigen Busbahnhof. Foto: Fritsche

Auch bei den 2018 zur Amtszeit von Oberbürgermeister Thomas Herzog vorgestellten Varianten der Verkehrskonzeption der Talstadt spielten der Bereich City-Center mit seinem Umfeld und der Busbahnhof ein zentrale Rolle. Sogar eine Stadthalle auf dem Schweizer-Parkplatz zeigt die damalige Präsentation als Planungsidee. Ein nicht nur für die Bürger, sondern auch für Investoren attraktives Umfeld sollte geschaffen werden.

In den vergangenen Jahren wurde es ruhiger um das Thema, allerdings wurden einige der von der Stadt gekauften Gebäude im Bereich des Tunnelausgangs wie geplant abgerissen.

Thema Gegenverkehr

Im Mai 2024 kam das Thema Gegenverkehr im Schlossbergtunnel wieder auf die Tagesordnung: Der Ausschuss für Umwelt und Technik stimmte der Umrüstung der Sicherheitstechnik im Tunnel für Gegenverkehr zu. Das Regierungspräsidium hatte eine verbindliche Aussage der Stadt über die künftige Betriebsart des Tunnels verlangt, der von Anfang an auch auf Gegenverkehr ausgelegt war. Damit hat die Stadt freie Hand für die künftige Verkehrsplanung.

Markantes Gebäude

Wenn dafür die Leibbrandstraße 8 abgerissen werden müsste, verschwindet allerdings ein weiteres markantes und denkwürdiges Gebäude mit einer interessanten Geschichte aus dem Stadtbild.

„Das Gebäude Leibbrandstraße 8 wurde 1906 vom Kaufmann Karl Rible (1876 – 1938) gebaut und war mit dem 1912 gebauten Nachbargebäude Leibbrandstraße 10 verbunden, das 2010 von der Stadt Schramberg nach vorherigem Erwerb abgebrochen wurde“, berichtet Carsten Kohlmann, Leiter des Stadtarchivs.

Kino als Anbau

Von Beginn an wurde das Gebäude als Wohnhaus genutzt. Das Gebäude Leibbrandstraße 10 wurde dagegen als Kino gebaut und am 13. April 1912 unter dem Namen „Kino National“ eröffnet.

Foto: Stadtarchiv Schramberg

In der Anzeige zur Eröffnung aus dem „Schwarzwälder Tagblatt“ vom 14. April 1912 hieß es: „Eines ständigen, mit neuesten Apparaten ausgestatteten Kinematographen-Theater“ kündigt ein opulentes Programm an: Herrliche Naturaufnahmen („Die Lichtensteinklamm“), humoristische Schlager („Die lustige Witwe“) und eine dramatische Kriegsepisode („Die Verräterin“ mit Asta Nielsen in der Hauptrolle, der „größten Kinoschauspielerin der Gegenwart“).

In diesem Kino wurde am 27. September 1913 auch der Film „Wie eine Uhr“ über die Uhrenfabrik Gebrüder Junghans AG uraufgeführt. „Der außergewöhnliche Baukörper eines Kinos im amerikanischen Saloonstil war bis zum Abbruch erhalten. Das Gebäude war eines der ältesten Kinogebäude in Baden-Württemberg“, stellt Kohlmann fest.

Gewerbliche Nutzung

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde in dem Gebäude von Karl Rible die „Schramberger Metallwaren- und Werkzeugfabrik G.m.b.H“ gegründet, später betrieb Rible darin eine Druckerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich dort die Metzgerei Harr von 1953 bis 1978 und danach die Metzgerei Bühler von 1978 bis 2004.