Das Haus Schlichtenberger im Hechinger Fürstengarten soll renoviert und künftig als Ferienhaus vermietet werden. Foto: Benjamin Roth

Das Haus Schlichtenberger im Fürstengarten hat einen neuen Besitzer: Im vergangenen Herbst wurde das historische Gebäude hinter der Villa Eugenia an eine Investorenfamilie aus Rosenfeld verkauft. Diese plant dort nun eine Art Ferienhaus.

In die Entwicklung des Fürstengartens kommt Bewegung. Im nördlichen Teil nimmt die Generalsanierung der Orangerie, die zur neuen Firmenheimat des Hechinger IT-Unternehmens meaPuna wird, Form an. Dazu wird die Zollernstraße, die Zufahrtsstraße zum Fürstengarten, ab kommenden März bis Ende 2026 ein völlig neues Gesicht erhalten. Der Baggerbiss für die Bauarbeiten ist für den 24. März terminiert. Die Hainbuchhecke am Straßenrand ist bereits gefällt. Passanten bietet sich seit Ende Januar ein freier Blick auf die Villa Eugenia.

 

Hinter dieser befindet sich das denkmalgeschützte Haus Schlichtenberger, das seit dem Tod von Hanna Schlichtenberger Ende 2021 nun schon rund drei Jahre leer steht. Jetzt gibt es aber Neuigkeiten zum Gebäude mit der Hausnummer sechs: Im vergangenen Herbst wurde das Haus Schlichtenberger an eine Investorenfamilie aus Rosenfeld zu einem nach deren Ansicht „immer noch stolzen Preis“ verkauft, wie aus einer Pressemitteilung von einem Treffen der Fürstengartenfreunde hervorgeht.

Fürstengartenfreunde zeigen sich erfreut

Für die Fürstengartenfreunde ist der Verkauf des historischen Gebäudes an die regionalen Investoren eine erfreuliche Nachricht. Denn: „Die Investoren wollen nach sorgfältiger Eigenrenovierung die Landhaus-Immobilie im Inneren wie bei der von ihr auch beruflich betriebenen Gartengestaltung weitgehend im traditionellen Zustand belassen und es gelegentlich beispielsweise über ‚Airbnb‘ als Ferienhaus vermieten“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Vermietet werden solle dann aber jeweils das gesamte Haus. Gerade für Hochzeitspaare, die in der angrenzenden Villa Eugenia feiern, könnte das Haus Schlichtenberger als Übernachtungsstätte für ein bis zwei Nächte dienen.

Über die konkreten Pläne möchten sich die Investoren noch nicht öffentlich äußern, wie sie auf Anfrage unserer Redaktion mitteilen. Stadtführer Michael Hakenmüller, der sich aufgrund seiner Forschungen zur Musikgeschichte in Hechingen Expertise zur Historie des Hauses angeeignet hat, sieht in den neuen Besitzern einen „Glücksgriff“. Er weiß, dass der Zustand des Gebäudes jüngst unter anderem unter Rissen in der Fassade litt. Die nun anstehenden Renovierungsarbeiten mit Rücksicht auf den Denkmalschutz seien daher eine positive Entwicklung.

Wohnfläche von 254 Quadratmetern

Hakenmüller berichtet unserer Redaktion über den historischen Hintergrund des Gebäudes, das ehemals als Hofküche und später als Hofförsterei diente. Gebaut worden sei das Haus Schlichtenberger circa im Jahr 1833. In dieser Zeit sei auch die Villa Eugenia, die 1834 erbaut wurde, entstanden. Das Haus habe eine Wohnfläche von 254 Quadratmetern; das Grundstück sei 1248 Quadratmeter groß. Das Gebäude verfügt über neun Zimmer. Nach Hakenmüllers Informationen soll dort von 1843 bis 1847 die Familie von Rudolf Gfrörer mit der 1821 aus der Verbindung mit dem damaligen Erbprinzen Friedrich Wilhelm Constantin von Hohenzollern-Hechingen unehelich geborenen Tochter Luise gelebt haben. Danach wohnte dort wohl drei Monate lang Franz Liszt mit seinem 1839 aus einer unehelichen Verbindung hervorgegangenen jüngst geborenen Sohn Daniel, welcher dort Nachhilfe-Unterricht erhalten haben soll. Daher sollen sich die Investoren laut Hakenmüller auch die Einrichtung eines „Franz-Liszt-Zimmers“ vorstellen können.

Später sei das Gebäude vielfältig verwendet worden, ehe es 40 Jahre im Besitz der Schlichtenbergers gewesen sei, wie Hakenmüller weiter berichtet. Nun soll ein weiteres Kapitel für das historische Gebäude aufgeschlagen werden.

Was die Fürstengartenfreunde noch besprochen haben

Jürgen Baumer zu Gast
  20 Teilnehmer haben beim jüngsten Treffen der „Freunde des Fürstengarten“ in der Villa Eugenia teilgenommen, wie diese in einer Mitteilung informieren. Neben dem Haus Schlichtenberger war auch die Pflege des Fürstengartens Thema. Dazu eingeladen war der städtische Klimaschutzmanager Jürgen Baumer, welcher jetzt auch als leitender Revierförster für den Fürstengarten zuständig ist.

Orangerie wird bezogen
Erfreut sei noch die Nachricht von „MeaPuna“-Mitinhaber Stefan Walter entgegengenommen worden, dass sein Unternehmen nach dem Bezug am 1. März der von ihr aufwendig renovierten Orangerie im Sommer diese auch für die Öffentlichkeit einweihen wird.

Sorgen um Villa Silberburg
Sorgen bereite indes den informell vereinten Freunden, wie sich das Schicksal der Villa Silberburg gestaltet. Zudem dort wiederum ohne vorher erforderliche Genehmigung durch die Naturschutzbehörden ein neuer Zaun aufgestellt worden sei, um unliebsame Eindringlinge zu verhindern.

Areal unter Denkmalschutz
Da das gesamte Areal des rund sechs Hektar großen Fürstengarten unter Denkmal- und Naturdenkmalschutz steht, sei nach Ansicht der „Freunde des Fürstengarten“ auch die Entfernung der rund 300 Meter langen Hainbuchen-Hecke entlang der Zollernstraße kritisch zu sehen. Nicht zuletzt die Vielfalt der Vogelarten hätte sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich reduziert.

Nachfolger gewählt
Als Nachfolger von Erika Paulsen, die gut zwanzig Jahre lang Sprecherin des Freundeskreises war, wurden ihr Stellvertreter Gert Rominger, der Vorsitzende des Fördervereins Villa Eugenia Joachim Wien, und der am längsten tätige Stadtführer Michael Hakenmüller gewählt.