Die Stadt will seit drei Jahren das alte Raitbacher Rathaus verkaufen, hat aber noch keinen Käufer. Foto: MT-Archiv/zVg/Thomas Jost

Das Rathaus in Raitbach wird nun auch in den sozialen Medien angepriesen. Seit drei Jahren versucht die Stadt – vergeblich – das Gebäude zu verkaufen.

Im Zuge ihrer Sparbemühungen will sich die Stadt von etlichen öffentlichen Gebäuden trennen – darunter auch das Raitbacher Rathaus. Dass dieses verkauft werden soll, war bereits im Januar 2023 beschlossene Sache und wurde daraufhin dann auch öffentlich ausgeschrieben. Denn der Gemeinderat stimmte damals für den Verkauf, auch wenn sich der damalige Ortsvorsteher Wilhelm Tholen sowie einige Bürger gegen den Verkauf ausgesprochen hatten.

 

„Immobilie mit Potenzial“

Und nun? Für das Rathaus wurde nach nunmehr drei Jahren immer noch kein Käufer gefunden. Die Maßnahme: „Wir bewerben das Gebäude nun auch in den sozialen Medien“, sagt Martina Focks vom Gebäudemanagement der Stadt. Erst vergangene Woche hatte die Stadt also in den sozialen Medien wie Facebook die Werbetrommel gerührt. „Historische Immobilie mit Potenzial sucht neue Zukunft“, so der Titel des Postings.

„Interessenten gab’s schon einige“, sagt Edgar Frey vom Grundstücksmanagement der Stadt im Gespräch mit unserer Redaktion. Aber eben kein „angemessenes Angebot“. Man führe laufend Besichtigungen durch, erst am Montag habe es drei gegeben.

Nutzung ist entscheidend

Das Gebäude aus dem Jahr 1781 steht auf einem 230 Quadratmeter großen Grundstück und warte darauf, mit einem „überzeugenden Nutzungskonzept“ neues Leben zu erhalten, heißt es dort weiter. Denn klar ist – wie ebenfalls bereits 2023 beschlossen: Es gibt zwar ein Mindestgebot von 140.000 Euro für das Gebäude, das ist der Wert, den der Gutachterausschuss festgelegt hat. Aber: Den Zuschlag bekommt nicht unbedingt der Höchstbietende. In die Entscheidung des Gemeinderats, wer das Gebäude kaufen darf, wird vor allem auch das Nutzungskonzept einbezogen, das Interessenten vorlegen müssen. Das Konzept werde also mindestens genauso gewichtet wie der angebotene Preis. Die eingegangenen Angebote werden inklusive der Konzepte am Ende dem Gemeinderat vorgelegt und dieser entscheidet. „Wohnen steht hier im Vordergrund“, beschreibt Frey die gewünschte Nutzung. Mit drei Zimmern, einem Außenstellplatz und zwei Garagenstellplätzen wird das freistehende Einfamilienhaus angepriesen. Das Gebäude sei sanierungsbedürftig und deshalb besonders, aber mit viel Charme und Geschichte und „besonders spannend für alle, die ein Faible für historische Gebäude haben und ihre eigenen Ideen verwirklichen möchten“, heißt es in dem Facebook-Post der Stadt weiter.

Sanierung ist nötig

Im Exposé wird dieser Sanierungsstau aber nochmals etwas deutlicher: Insbesondere in energetischer Hinsicht sei noch einiges zu tun, etwa das Dach oder die Heizung. So sei das Dach nicht isoliert. Die Beheizung und Warmwasseraufbereitung erfolgt durch Nachtspeicheröfen und Warmwasserpufferspeicher. Frey im Gespräch aber klar, dass das Erdgeschoss schon jetzt bewohnbar wäre. „Man muss aber schon Geld in die Hand nehmen und investieren, wie viel, ist abhängig vom gewünschten Wohnstandard.“ Und ein weiterer wichtiger Hinweis für alle Interessenten im Exposé: Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Das heißt wiederum, dass die Denkmalschutzbehörde bei Baumaßnahmen mit einzubinden ist. „Das Denkmalamt ist aber bereit, Kompromisse einzugehen“, macht Frey klar.

Ist der Preis zu hoch?

In einer Sitzung des Bau- und Umweltausschusses im Januar hatte Raitbachs Ortsvorsteher Sebastian Johannsen zu bedenken gegeben, dass der Preis für das Gebäude zu hoch sei. Er hatte damals die Mängel wie den Kamin und das Dach und das Gebälk angeführt, die allesamt marode seien. Unter anderem sei der Kamin im Dachgeschoss marode, einzelne Ziegel brächen heraus. Er plädierte dafür, die Preisvorstellungen der Stadt zu korrigieren. Bürgermeister Dirk Harscher hatte damals entgegnet, dass man Gebäude nicht unter Wert verkaufen wolle, aber auch offen sei für Angebote von Interessenten.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir das Gebäude verkaufen, vielleicht, wenn der Markt wieder etwas besser ist“, sagt Frey, der Interessenten dazu auffordert, sich bei der Stadt zu melden. Bis dahin werde sich die Stadt um die Instandhaltung kümmern müssen.