„Und sehet den fleißigen Waschfrauen zu“: Das alte Kinderlied beschreibt sie, wie „sie waschen, wringen, hängen, bügeln den ganzen Tag“.
Man weiß auch noch, was „Waschtag“ einst bedeutete: Schwere Frauenarbeit, bei der kaltes Wasser und Waschlauge ihnen rissige und schrundige Hände einbrachte.
In Schiltach wurde sie in häuslichen Waschküchen getätigt, ausgestattet mit holzbeheiztem Waschkessel, Kübeln und Zubern. Eingeweicht wurde mit der Wäscheglocke, geschrubbt auf Waschtisch und Waschbrett. Kernseife löste den Schmutz.
Barbara, die Frau des Flößers Salomon Trautwein, vermerkte 1870 in ihrem Haushaltsbüchle monatlich „ein, zwei oder vier Pfund Seipfen“, geliefert vom Seifensieder in der Hauptstraße.
Für die Einwohner ohne eigene Waschküche richtete die Stadt um 1830 Waschhäuser ein, die gemauerte Waschkessel besaßen. Das eine stand auf dem Grün, das andere beim Schlachthaus an der Schiltach. Es wurde noch nach 1950 genutzt.
Geselliges Tun
Für Hans Homberg (1906-1984) war die Szene, die er 1940 kriegsbedingt in einem fremden Städtchen sah, wohl eher folkloristisch, wenn nicht altertümlich, sodass er sie fotografierte: Mitten im Ort ein offener Wasserkanal mit Frauen, die gebückt Wäsche waschen, die Kinder als Helfer. Ein anstrengendes Tun, das aber auch gesellig und kommunikativ wirkt.
Leider hat er den Ort der „fleißigen Waschfrauen“ nicht vermerkt. Das Straßenbild verweist jedoch ins Elsass, weshalb die Elsässer Geschichtsvereine eine Suchanzeige starteten. Sie brachte den Hinweis auf Châtenois (Kestenholz bei Schlettstadt), wohin die Szene genau passte. Dort hatte man den Kanal, den „Fleckenbach“, 1965 zugedeckt, vor einigen Jahren aber wieder geöffnet. Ähnlich wie in Wolfach, wo im „Riesner“ ebenfalls wieder Wasser rieselt.
Die engen Kanäle, auch „Runzen“ genannt, gehörten zu den mittelalterlichen Städten. Sie führten Brauchwasser herbei, für Handwerker, als Viehtränke, an bestimmten Tagen auch zum öffentlichen Waschen, wozu sich die Frauen jeweils versammelten. In Freiburg und Villingen werden sie als „Bächle“ bis heute gepflegt. Sie können jedoch zum Verhängnis werden, wie Bundeskanzler Gerhard Schröder, der 2001 in Freiburg eines übersah und ein Fußbad nahm.
Teurer Waschautomat
Erste Versuche, das Wäschewaschen durch eine Maschine zu vereinfachen, tätigte Carl Miele, der 1901 ein Gerät erfand. 1951 kam die „Constructa“, ein noch teurer Waschautomat. Mit dem „Wirtschaftswunder“ gelangte er auch in Normalhaushalte, verbreitet durch Installateure wie Schinle in Schramberg. Dort mietete die Chefin Josefine Schinle das Nebenzimmer einer Wirtschaft, wo sie die Maschinen aufstellte und zum „Probewaschen“ einlud. Die Frauen waren, wie erzählt wird, „hin und weg, und jede wollte die tolle Erfindung haben“.
Sie ersparte die meiste der für das Waschen bisher verwendeten Zeit und Kraft. So kam auch das Ende der Wäscherinnen, die aber noch immer in Ländern der Dritten Welt anzutreffen sind. Schon länger gibt es sie auch in Châtenois/Kestenholz nicht mehr.
Dort hat man sich jedoch über die fast 90 Jahre alten Fotos und die unerwartete Begegnung mit den damaligen „fleißigen Waschfrauen“ sehr gefreut.