2026 soll es in Nagold wieder Aufführungen des Bürgertheaters geben. Geplant ist ein Krimistoff vor den historisch verbürgten „Nagolder Exzessen“.
Das im Landesgartenschaujahr 2012 ins Leben gerufene Projekt Bürgertheater soll die Geschichte der Stadt erlebbar machen. In kommenden Jahr ist eine spannende Neuauflage geplant.
Nach seinen Ausflügen in die Mythenwelt der Kelten (Edans Feind) und ins Mittelalter (Des Teufels Hirnschale) thematisiert Regisseur Silvester Keller in der siebten Auflage des Bürgertheaters die aufregenden Nagolder Geschehnisse im Revolutionsjahr 1848 – als in der Marktstraße zwischen Hirsch und Köhlerei sogar ein scharfer Schuss fiel.
Silvester Keller und Kulturamtsleiter Philipp Baudouin stellten dem Kultur-, Umwelt- und Sozialausschuss (Kusa) das Konzept unter dem Arbeitstitel „Nagold 1848 – zwischen Aufbruch und Aufruhr“ vor.
Die aufgeheizte Stimmung eskaliert
„Das wird eine sehr spannende Geschichte aus Nagold im Sturmjahr“, erklärte Silvester Keller, der 2019 die Regie beim Bürgertheater übernommen hatte. So war 1848 für Nagold ein in vielerlei Hinsicht richtungsweisendes Jahr – und das nicht nur wegen der Gründung des bis heute bestehenden Gewerbevereins durch Dekan Carl Stockmayer.
Denn neben der Wahl einer Vertretung in der Frankfurter Nationalversammlung und der Ständekammer des Stuttgarter Landtages stand in Nagold die Wahl des Stadtschultheißen an. Nach dem Sieg des progressiveren Kandidaten Eduard Engel gipfelte die ohnehin schon aufgeheizte Stimmung schließlich in den sogenannten „Nagolder Exzessen“.
Nachdem Engels Anhänger den Sieg in der „Köhlerei“ (wo heute das Burgcenter steht) feierten und gegen Mitternacht mit Musik durch die Stadt zogen, trafen sie in der Marktstraße auf die konservativen Kräfte, die aus dem Gasthaus „Hirsch“ kamen (heute der Drogeriemarkt Müller). Von einer „tumultartigen Rauferei“ wird berichtet. Und es fällt offensichtlich auch ein Schuss auf den Oberamtsmann.
Das ruft natürlich die Obrigkeit auf den Plan: Weil offensichtlich ein Beamter angegriffen wurde, werden zwei Kompanien Soldaten aus Ludwigsburg nach Nagold in Bewegung gesetzt und für mehrere Wochen einquartiert, um eine Untersuchung vorzunehmen.
Mit Spannung bis zum Schluss
Vor diesem historischen Hintergrund soll nun ein „Krimi im Stile von Agatha Christie mit Spannung bis zum Schluss erzählt werden“, wie Silvester Keller den Räten im Kusa erläuterte. In seinen Augen bietet die Stimmung der damaligen Zeit mit den Forderungen nach persönlichen Rechten und Demokratie einen wunderbaren Rahmen, wobei der Fokus auf der Aufklärung des Falles liegen wird.
Nachdem der damalige Ort des Geschehens in der Marktstraße in Anbetracht der aktuellen Verkehrslage nicht optimal erscheint, ist die Standortsuche für das Bürgertheater noch nicht abgeschlossen.
„Ein spannendes und faszinierendes Thema“
„Wir wollen jetzt den Startschuss für das historische Stück mit Nagoldbezug geben“, machte Kulturamtschef Philipp Baudouin deutlich. In der Zeit vom 24. Juli bis 16. August kommenden Jahres sind vier Aufführungsblöcke mit insgesamt 14 Vorstellungen geplant, wobei das städtische Gesamtbudget inklusive Eintrittsgelder von der Verwaltung mit rund 50 000 Euro beziffert wird.
Wie Oberbürgermeister Jürgen Großmann feststellte, „ist das ein spannendes und faszinierendes Thema“. Und weil es sich beim siebten Bürgertheater „um eine echte Nagolder Geschichte handelt, empfehlen wir dringend, ja zu sagen“, betonte der OB. Der Kusa folgte dieser Empfehlung gerne mit einem einstimmigen Votum.