An den Touren von Christof Schwald (rechts) nehmen viele Bürger teil. Foto: Christoph Schennen

Bei frühsommerlichen Temperaturen hat Christof Schwald wieder durch das von Außerdorf Maulburg geführt. Seine Touren erfreuen sich großer Beliebtheit.

Dass das Außerdorf früher nicht bebaut war, lässt sich nirgends erkennen. Da ist es gut, dass es jemanden wie Christof Schwald gibt, der einem das erzählt. Am Freitag hat der Vorsitzende des Geschichts- und Kulturvereins wieder Bürger aus der Region durch das Außerdorf geführt. Es erstreckt sich von der Bahnlinie bis zur Wiese. Wieder kamen bei frühsommerlichem Sonnenschein viele Interessierte.

 

Im Außerdorf standen früher nur wenige Häuser, der Meyerhof und eine Fabrik. Es gab nur Wiesen und die Wiese, die im Frühjahr dafür sorgte, dass auch das Märzengarten-Gebiet überschwemmt wurde. Die Bahnlinie kam 1862 und wurde auf einem Damm errichtet, damit die S-Bahn bei Hochwasser fahren konnte und der verhinderte, dass das Wasser ins Innerdorf kam.

Rolle der Textilindustrie

Das Wasser richtete aber nicht nur Schaden an, sondern war auch entscheidend für die Entstehung der Textilindustrie und der Mühlen. Im Außerdorf gab es unter anderem eine Gipsmühle, wo Steinbrocken zu Mehl gemahlen wurde. „Das Mehl wurde als Dünger verwendet oder zu Kalkgips gebrannt“, so der Heimatforscher.

Die Spinnerei stand dort, wo das Möbel Schweigert-Gebäude ist und beschäftigte über 400 Arbeiter. Schwald: „Viele von ihnen kamen aus dem Schwarzwald.“ Der Katholikenanteil steigerte sich dadurch innerhalb eines Jahrhunderts von drei auf 25 Prozent.

Bilder präsentiert

Schwald präsentierte bei seiner Führung eine Reihe von Bildern. Eines davon zeigte die Güterhalle am Bahnhof. Dort, wo heute Autos stehen, wurde Holz gelagert. Exportiert wurde „tonnenweise“ Gips, Obst und Holz (bis ins Ruhrgebiet), eingeführt Kohle für die Kohleöfen und Getreide.

1920 hatte der Bahnhof noch vier Gleise, davon hat eines überlebt; dass es einen zweiten Bahnsteig gab, erkennt man an den Lampen an der Innerdorf-Seite. Die Fahrt von Basel bis nach Schopfheim dauerte einst eine Stunde und sieben Minuten, zehn Minuten brauchte der Zug allein von Maulburg bis Schopfheim.

Eine Stunde bis Basel

In der Köchlinstraße erzählte Schwald, dass dort einmal ein Haus auf einem Hügel stand. Bei Hochwasser war es von Wasser umgeben, so dass es den Namen „Uf de Insle“ bekam. Eine Malerei an einem Haus erinnert daran. Schwald stellte auch die zahlreichen Supermärkte vor, die heute allesamt verschwunden sind. Wer heute in Maulburg einkaufen will, braucht ein Auto.

Eine Station war auch der Meyerhof. „Der Maulburger Meyerhof war wie etwa auch der Gündenhausener „Löwe“ eine Straßenwirtschaft“, sagte Schwald. Die Holzfuhrwagen aus dem Kleinen oder Oberen Wiesental legten auf ihrem Weg nach Basel in Maulburg dort eine Rast ein. Schwald führte die Zuhörer auch zu dem Ort, wo früher das große Kost-Haus stand, benannt wahrscheinlich nach dem Direktor der Weberei, der „Kost“ hieß. Das Haus wurde von einer Fliegerbombe getroffen. Der Zünder schlug auf den Tisch auf, die Bombe landete im Keller, detonierte zum Glück der Bewohner aber nicht.

Weitere Touren kommen

Die vorletzte Station war die ehemalige Tankstelle in der Hauptstraße, wo heute die Christliche Gemeinde ist.

Schwald kündigte weitere Touren an: Im Herbst führt er von der Wiesebrücke zum Floßkanal. Und 2027 stehen die „Gässle“ im Mittelpunkt.