Rund 300 Dokumente wurden vor Jahrhunderten von Mönchen im Schutterner Kloster beschriftet und 2023 im Kirchenarchiv durch Zufall entdeckt. Damit sie auch für die Nachwelt erhalten bleiben, hat sie der Historische Verein auf Vordermann gebracht.
Von einem Fund mit einzigartiger Bedeutung war die Rede, als im Juli vergangenen Jahres im Schutterner Kirchenarchiv ein alter Karton entdeckt wurde. Darin verstaut waren rund 300 historische Schriften des Klosters, die auf das 16. und 17. Jahrhundert zurück gehen. Was genau auf den Papieren niedergeschrieben wurde, war nur schwer zu erkennen. Zu sehr hatten Insekten, Mäuse und der Zahn der Zeit an den Dokumenten genagt. Deshalb hat es sich der Historische Verein Schuttern zur Aufgabe gemacht, die Schriften für die Nachwelt aufzubereiten und zu digitalisieren.
Heute – rund ein Jahr später – ist die Restaurierung abgeschlossen. Der Mäusefraß ist entfernt, die Schriften gereinigt und für die Nachwelt nicht nur bestens aufgearbeitet, sondern auch digitalisiert. Im Raum steht jetzt nur noch eine Art der Übersetzung, um die Dokumente, die einen Einblick in die Vermögensverhältnisse des Klosters geben, in einen Kontext zu bringen.
Das Problem: Das Ganze hat 13 805 Euro gekostet. Zu viel für den Historischen Verein. Deshalb genehmigte der Gemeinderat Friesenheim einen Sonderzuschuss für die Reinigung und Digitalisierung der Schriften aus dem ehemaligen Reichskloster. Von den Gesamtkosten beteiligt sich die Regionalstiftung der Sparkasse mit 7500 Euro.
Damaliger Ortsvorsteher zeigte sich sofort begeistert
Zu verdanken ist das unter anderem dem damaligen Ortsvorsteher Hans-Jürgen Kopf. Nachdem die Schriften auftauchten, war er sofort für die Sache begeistert und setzte sich für eine Kostenübernahme durch die Verwaltung ein. Da jedoch das Kontingent der Gemeinde gemäß den Richtlinien der Vereinsförderung übertroffen wurde, ist Bürgermeister Erik Weide zusätzlich in die Presche gesprungen und hat die Kostenübernahme als „Verwaltungshandeln“ erkannt.
Doch wie ist es eigentlich zu dem Fund gekommen? Eigentlich wollte Alfred Kopf, einer der Hauptautoren des Ortsfamilienbuchs von Schuttern, im Turm nach alten Unterlagen zu seiner eigenen Ministrantenzeit unter Pfarrer Alfred Link suchen. Neben dem Regal, in dem sich die Bücher über die Ministranten befinden, habe er einen Mülleimer entdeckt, in dem sich altes Pergamentpapier befunden habe. „Die Schrift konnte ich nicht lesen und das Papier erschien mir außergewöhnlich alt“, erklärt Kopf gegenüber unserer Redaktion. Kurzerhand habe er die Schriften aus dem Papierkorb geholt, diese vorsichtig ins Regal gelegt und mit einem Tuch abgedeckt.
Schriften werden demnächst übersetzt
Mit Ahnenforscher Klaus Siefert und Manuel Hugelmann, stellvertretender Vorsitzender des Historischen Vereins, sowie dem damaligen Ortsvorsteher Hans-Jürgen Kopf habe er den Fund öffentlich gemacht. Siefert habe sofort die Sensation des Funds sowie dessen dringende Restaurierung erkannt. „Die Feuchtigkeit hat den Schriften schon ganz schön zugesetzt“, erinnert sich Kopf ein Jahr zurück. Jetzt sind die Schriften restauriert und werden demnächst noch übersetzt. Wie das vonstatten gehen soll, wird sich noch zeigen. Auf jeden Fall wird dann wieder bei möglicher Kostenentstehung der übliche Weg über Förderantragstellung und anschließender Umsetzung gegangen.
Info – Papiere wurde 1945 gefunden und wieder vergessen
Alfred Kopf entdeckte in den Tagebüchern des früheren Pfarrer Eugen Landis, geschrieben im Jahr 1945 bis 1967, einen Hinweis des Pfarrers auf den Fund der Dokumente im ehemaligen Gasthaus Krone im Jahr 1945. In einer Schrift steht von Pfarrer Landis: „Erst jetzt vor kürzester Zeit, am 30. August dieses Jahres 1945, als Schreiner Maier in dem alten Gärtnerhaus des Kloster, im jetzigen Gasthaus zur Krone, einen Zimmerboden herausriss, fand man als Unterfutter für den Boden eine ganze Menge alter Zins- und Güldbücher des Klosters, die nach oberflächlicher Durchsicht drei Perioden angehören, der Zeit von 1755 bis 1798, der Zeit des 30-jähriges Krieges und der Mitte des 16. Jahrhunderts bis ins Jahr 1548. Und das Wichtigste wohl: Manche dieser Zinsbücher trugen als Rückenbefestigung oder als Deckel alte Pergamente, Handschriften aus Kloster-Messbüchern. Wir haben sie gut aufgehoben, bis es möglich wird, ihren Inhalt zu durchforschen.“ Offensichtlich müssen diese Schriften dem damaligen Ortsgeistlichen ausgehändigt worden sein und dieser wird sie im Pfarrhaus untergebracht haben. Wer sie letztlich im Kirchturm in einem Seitenarchiv verwahrt – geschweige denn in einen Papierkorb geworfen – hat, bleibt unbekannt. Jetzt, rund 80 Jahre, später sollen sie tatsächlich nicht nur restauriert, sondern auch wie damals von Pfarrer Landis auf den Inhalt erforscht werden.