Auf eine Reise in die früheren Zeiten von Rottweil begab sich Beata Endler. Die Schweizerin berichtet wie ihrer Recherche vor Ort ablief. Denn: Sie hatte besondere Hilfe.
Eine Zeitreise in frühere Rottweiler Zeiten machte die Schweizer Autorin Beata Endler. Bei ihrer Recherche zu ihrem historischen Roman besuchte sie die älteste Stadt Baden-Württembergs. Unsere Redaktion fragte nach, wie es ihr bei der Recherche ergangen ist und was sie zu ihrer Geschichte bewegt hat.
„Wenn der Tod sich freut dem Leben zu dienen“ handelt von einem jungen Facharzt aus dem 21. Jahrhundert, der durch ein Rückführungsseminar in die Mitte des 14. Jahrhunderts gelangt, wo er sich nach dem Ausbruch der Pest auf den Weg nach Rottweil, seinem Geburtsort, macht. Das literarische Werk beschäftigt sich hierbei mit der Frage, warum die Pandemie so plötzlich geendet hat und wie Rottweil weitgehend verschont geblieben ist.
Die in der Schweiz lebende Autorin kam bereits während ihres Medizinstudiums auf die Idee zum Buch und den „Traum, auf Zeitreise zu gehen“, um dem Verschwinden der Pest auf den Grund zu gehen. Drei Jahre lang stürzte sie sich in die Recherche. „Ich wollte einen historisch hieb- und stichfesten Roman schreiben“, sagt Endler.
Unterstützung von früherem Stadtarchivar
Von der Recherche bis zur Veröffentlichung des Romans vergingen zirka 15 Jahre, berichtet sie unserer Redaktion. Da sei aber auch noch „viel Leben“ dazwischen gewesen. Sie schaute sich die Schauplätze ihrer Geschichte in den unterschiedlichen Städten an und ging so auch in Rottweil auf Spurensuche. Dabei bekam sie Unterstützung vom früheren Stadtarchivar Winfried Hecht, der im Dezember 2024 verstorben ist.
Bei ihrer Recherche sei sie regelrecht über seine Bücher gestolpert. „Wenn Sie wissen möchten, welche Ratte links und welche rechts am 5. Mai 1347 um das Dominikanerkloster oder um St. Pelagius gerannt ist, fragen Sie mich. Wenn ich es Ihnen nicht sagen kann, weiß es keiner“, habe er einmal zu ihr gesagt. Zudem besuchte sie die Museen und schaute sich Stadtpläne und -Modelle an.
Besonders überrascht habe sie dabei, dass der Kapellenturm in Rottweil „noch ganz mickrig war“, aber die Aufbauten schon geplant waren. Und dass es in Rottweil schon ein Kaufhaus sowie eine Brotlaube gegeben haben soll. Erschütternd fand sie bei ihrer Suche, dass die Schuld für den Ausbruch der tödlichen Krankheit den Juden zugeschoben wurde: In Rottweil war das Anlass zu einem Pogrom, in dem die gesamte jüdische Gemeinde ausgelöscht wurde.
Fünf Jahre lang schrieb Beata Endler an ihrem Buch
Die Recherche habe ihr so viel Spaß gemacht, dass sie sich „zwingen“ musste, das Buch dann auch tatsächlich zu schreiben. Immer wieder habe es auch neben dem Schreiben Recherchephasen gegeben, sagt Endler. Insgesamt sammelte sie 76 Quellen.
Nach etwa fünf Jahren Schreiben und Überarbeiten veröffentlichte sie Mitte Februar ihr Werk. Es umfasst 431 Seiten und zählt zum Genre Historie, zeitgenössische und alternative Literatur.
Auch jenseits der Arbeit an ihrem Roman fühlt sich die Schweizerin übrigens mit der Region Rottweil verbunden. Ihre Schwester lebe seit 25 Jahren in Dietingen und so besuche sie ihre Schwester und Rottweil drei bis vier Mal im Jahr. „Die Stadt fasziniert mich und beflügelt meine Fantasie.“