Ein seltenes Bild von Vertreterinnen der Schulschwestern des heiligen Franziskus, die aus fünf Kontinenten angereist waren, um in Bad Herrenalb zu tagen. Foto: Zoller

Bad Herrenalb war das Zentrum eines weltumspannenden Netzwerks. Rund 30 Delegierte der „Schulschwestern des heiligen Franziskus“ kehrten zu ihren historischen Wurzeln zurück.

In den vergangenen zwei Wochen wehte ein Hauch von Weltkirche durch das beschauliche Bad Herrenalb. Rund 30 Delegierte der „School Sisters of St. Francis“, die ein weltweites Netzwerk von rund 5000 Schwestern auf fünf Kontinenten repräsentieren, kamen im Haus der Kirche, in der Evangelischen Akademie Baden zusammen. Es war ein Treffen von historischer Tragweite: Erstmals nach über 150 Jahren Bestehen tagte die Gemeinschaft im Gründungsland ihrer Vorfahrin.

 

Reise zu den Quellen Die Wurzeln der Kongregation liegen tiefer im badischen Boden, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Die Gründerin stammte aus dem nahe gelegenen Bühlertal. Sie wanderte 1874 in die USA aus, um dort die Vereinigung der Franziskanerinnen ins Leben zu rufen. Dass die Schwestern nun, anderthalb Jahrhunderte später, für ihr 14-tägiges Generalkapitel in den Schwarzwald zurückkehrten, war für viele Teilnehmerinnen ein hoch emotionaler Moment.

Nötige Ruhe Die Begeisterung über den Tagungsort war greifbar. „Die friedliche Atmosphäre in Bad Herrenalb und die idyllische Landschaft haben uns die nötige Ruhe für unsere Gebete und Beratungen geschenkt“, berichteten die Nonnen nach vielen Gesprächen. Besonders gewürdigt wurde die ökumenische Offenheit der Evangelischen Akademie Baden. Moderatorin Sibylle Ratsch aus Müllheim, die den Prozess leitete, betonte: „Was ich hier erlebe, ist beispielhaft für den Respekt vor interkulturellen Unterschieden – etwas, das unsere Welt in diesen beunruhigenden Zeiten dringender braucht denn je.“

Ein Höhepunkt der Versammlung war der 19. März, der Festtag des heiligen Josef. Die Delegierten wählten ihre neue internationale Generalleitung, die die Geschicke der Gemeinschaft bis 2030 lenken wird. Von links: Generaloberin Sr. Deborah Fumagalli (USA), Generalrätin Sr. Jincy Vilayappilly (Nordindien), Generalrätin Sr. Matilde Maravi (Peru/Lateinamerika) und Generalrätin Sr. Ann Celine Alapattukunnel (Südindien). Foto: Zoller

Ein Höhepunkt der Versammlung war der 19. März, der Festtag des heiligen Josef. An diesem symbolträchtigen Datum wählten die Delegierten ihre neue internationale Generalleitung, die die Geschicke der Gemeinschaft bis 2030 lenken wird. Das Ergebnis spiegelt das internationale Gesicht der Kongregation wider: An der Spitze steht Generaloberin Schwester Deborah Fumagalli (USA), die für eine zweite Amtszeit bestätigt wurde.

Seit ihrem Eintritt in die Gemeinschaft im Jahr 1977 hat sie die Kongregation in verschiedenen verantwortungsvollen Rollen geprägt. Unterstützt wird sie von einem international besetzten Rat: Schwester Jincy Vilayappilly (Nordindien), Schwester Matilde Maravi (Lateinamerika) sowie Schwester Ann Celine Alapattukunnel (Südindien) vervollständigen das Führungsteam, das die Geschicke der weltweit tätigen Schwestern in den kommenden vier Jahren leiten wird.

Mission zwischen El Paso und Bangalore Hinter den offiziellen Titeln stehen beeindruckende Lebensgeschichten und harte soziale Arbeit.

Schwester Matilde berichtete eindrücklich von der Mission in Paita (Peru), wo die Schwestern 300 Kinder am Rande der Wüste unterrichten, an einem Ort, an dem es oft nur für zwei Stunden am Tag Wasser gibt. Auch aus Nicaragua, wo die Arbeit der Orden derzeit stark eingeschränkt ist, und aus Honduras, wo eine Naturheilklinik für die Ärmsten betrieben wird, gab es Berichte.

Not ist groß

Schwester Jincy und Schwester Tresa Abraham schilderten die Herausforderungen in Indien. Dort leisten die Schwestern oft Pionierarbeit: In Bangalore betreiben sie ein Haus für alte, von ihren Familien verlassene Frauen, die dort kostenlos leben dürfen. Um in diese armen Regionen zu gelangen, nehmen Schwestern aus dem wohlhabenderen Kerala oft Zugreisen von über 48 Stunden auf sich.

Auch in den USA ist die Not groß. Sr. Deborah Fumagalli berichtete von Projekten gegen sexuelle Gewalt in Milwaukee und Chicago sowie vom unermüdlichen Einsatz an der Grenze zwischen Texas und Mexiko, um dort zu helfen, „wo die Not am größten ist“.

Botschafterinnen des Friedens Trotz der unterschiedlichen Herkunft einte alle Teilnehmerinnen eine gemeinsame Botschaft: „Wir sind franziskanische Frauen des Friedens, wo immer wir sind“, so Schwester Deborah. Ihr Ziel sei es, Brücken zu bauen durch moderne Kommunikation, aber vor allem durch menschliche Zuwendung, Bildung und den Schutz der Umwelt.

Elf Heimatländer

Mit dem Ende des Kapitels reisen die Delegierten nun zurück in ihre elf Heimatländer. Was bleibt, ist die Erinnerung an zwei intensive Wochen in Bad Herrenalb, in denen die Wurzeln der Vergangenheit die Kraft für die Aufgaben der Zukunft gaben.