Der Zollernalbkreis wird das Zentralklinikum bei Balingen-Dürrwangen bauen. Mit überwältigender Mehrheit fiel dieser Beschluss am Montag in der Sitzung des Kreistags.
Fünf Gegenstimmen, zwei Enthaltungen, 46 Ja-Stimmen – so lautete am Ende das klare Ergebnis. Wenn alles klappt, wird die Klinik Anfang 2031 in Betrieb gehen. Etwa 150 Besucher waren in die Balinger Stadthalle gekommen, um dieses Ereignis mitzuerleben, das an diesem Abend mehrfach als „historisch“ für den Landkreis bezeichnet wurde. Außerdem spielte die Frage der Straßenanbindung ebenfalls eine große Rolle an diesem Abend.
Dass eine neue Klinik eine schöne Sache ist, war an diesem Abend nicht strittig. Kontrovers aber wurde die Frage diskutiert, ob die finanzielle Belastung für Kreis und Kommunen tragbar ist.
Baukosten werden auf 380 Millionen Euro geschätzt
Mit 380 Millionen Euro Baukosten wird gerechnet. Es gibt sehr wahrscheinlich Landeszuschüsse, aber auch dann wird der Landkreis noch fast 220 Millionen Euro selbst finanzieren müssen, davon 192 Millionen Euro über Kredite. Muss dann das ebenfalls sehr teure Projekt Regionalstadtbahn geschoben werden, weil die Kassen leer sind? Dieser Zusammenhang wurde von einigen gesehen.
Pauli: Nur Zentralklinik kann Vorgaben der Klinikreformgesetze genügen
Landrat Günther-Martin Pauli eröffnete die Debatte und nannte noch einmal einen zentralen Grund, der ziemlich unbestritten für den Zentralklinikbau bei Dürrwangen spricht: Nur ein zentraler Neubau biete die baulichen Voraussetzungen, um neuen Anforderungen zu genügen, wie sie unter anderem auch durch Gesetze zur Krankenhausreform vorgegeben sind, sagte er.
Klinik-Geschäftsführer Gerhard Hinger ging dann noch genauer auf das Thema ein. Vernetzte Leistungsgruppen würden Fachabteilungen ablösen, das sei an zwei Standorten mit eigenen Schwerpunkten schlicht nicht möglich.
Durch Kreisklinik soll jährliches Defizit sinken
Das Erfüllen der gesetzlichen Vorgaben sei aber Voraussetzung für eine ausreichende Finanzierung, so Hinger, der damit das zweite zentrale Argument für die Zentralklinik ansprach: Mittelfristig brauche man diese Einnahmen, und eine Zentralklinik werde zudem zu einer Reduzierung des vom Landkreis zu tragenden jährlichen Klinik-Defizits führen, weil ein Standort schlichtweg günstiger sei als zwei. Vorgetragen wurde an diesem Abend von Projektplaner Markus Riester auch der aktuelle Stand der Planungen für dieses sehr komplexe Gebäude. Dass zunächst Wohnungen und eine Kita nicht dabei sind, hatte im Vorfeld für Aufregung unter den Kreisräten geführt.
Der Bau dieser Gebäude sei nicht gestrichen, sondern „zurückgelassen“, erklärte er. Man konzentriere sich zunächst mal auf die eigentliche Klinik, die anderen Gebäude „können später kommen“.
Kreis-Kämmerer Heinz Pflumm schilderte dem Gremium die finanziellen Details des Zentralklinikum-Projekts. Auf zwölf Millionen Euro berechnet er die Summe, die der Landkreis durch den Neubau jährlich aufwenden muss, dabei wird davon ausgegangen, dass das Betriebsdefizit von aktuell über 13 Millionen Euro auf etwa fünf Millionen sinken wird.
„Holländische Rampe“ als Straßenanbindung
Die Vorschläge des Regierungspräsidiums, die Klinik nur durch eine Ampelanlage an die Bundesstraße anzuschließen, stießen im Kreistag auf Ablehnung. Zumindest eine „Holländische Rampe“ oder eine ähnliche Lösung, durch die von Balingen her ohne Stopp zur Klinik gefahren werden kann, wird gefordert. Landrat Pauli will sich dafür einsetzen.