Die Kulturwerkstatt Simmersfeld schlägt bei „Ein Tanz. Und das Leben geht weiter“ den Bogen von den Bauernkriegen in die Neuzeit und fragt, ob einem das Ganze bekannt vorkommt.
Die Kulturwerkstatt Simmersfeld stellt für ihre Spielzeiten jedes Mal ein attraktives Programm aus Musik, Kabarett, Gesang, Varieté und Dia-Vorträgen zusammen. Und alle zwei Jahre inszeniert sie ein eigenes Theaterstück. Die Schauspieler trugen oft prächtige Gewänder, traten auf und traten ab, spielten Haupt- und Nebenrollen.
Die neueste Eigenproduktion „Ein Tanz. Und das Leben geht weiter“ tickt anders. Bei Regisseur Michael Giese stehen alle 14 Akteure die ganze Zeit auf der Bühne, es gibt keine tragenden Rollen mit vielen Einsätzen.
Ausgehend vom damaligen Geschehen, als sich der „Dritte Stand“, zu dem alle außer Adel und Klerus gehörten, in Württemberg gegen Armut, Unfreiheit und Ausbeutung von Obrigkeit und Klerus mit Gewalt zur Wehr setzte, weiter der Regisseur den Blick in die nächsten Jahrhunderte bis in die Neuzeit.
Das Stück erinnert blitzlichtartig an Ereignisse, die die Welt veränderten, vermischt Lieder des Widerstands mit harten Techno-Beats und bindet aus vielen Episoden einen Strauß beeindruckender Bilder, die nachwirken.
Wetter spielt für Freilichtbühne nicht mit
Eigentlich sollte das Sommertheater auf der Freilichtbühne stattfinden, das Wetter hat bisher nicht mitgespielt, deshalb wurde ins Innere des Festspielhauses ausgewichen. Das Zuschauerinteresse war dennoch ungebrochen.
„Wir waren dabei“, schallte es den Theatergängern von der Bühne aus Frauenmund entgegen, als der Anführer des Bauernkrieges, Thomas Müntzer, vor den Toren der Stadt Mühlhausen enthauptet, sein Leib aufgespießt und sein Kopf auf einen Pfahl gesteckt wurde, sie waren dabei, als Maler Jörg Rathgeb in Pforzheim gefangen genommen, als Hochverräter zum Tode durch Vierteilen verurteilt wurde.
Perlen der Aufführung waren das Fest- und Fressgelage bei der Hochzeit von Herzog Ulrich aus Württemberg und die zwölf Memminger Artikel, in denen die Abschaffung der Leibeigenschaft und andere Forderungen erhoben wurden. Der Regieeinfall eines Sängerwettstreits nach der Pause kam beim Publikum gut an. Von der Decke der Bühne wurde eine Leinwand herabgelassen mit Bildern kriegerischer Auseinandersetzungen und Plakate mit Friedensbotschaften.
Dann wurde es dunkel im Saal, Teelichter flackerten in großer Menge auf der Bühne und Sätze des Ensembles drangen ans Ohr, die nachdenklich und hoffnungsfroh stimmen – wenn Lüge als Wahrheit verkauft wird, es immer wieder Menschen gibt, die aufstehen und Nein sagen zu Unterdrückung – wie damals vor 500 Jahren. Der anfänglich zaghafte Beifall schwoll an zu der stürmisch gefeierten Aufführung eines Theaterstücks in moderner und ungewohnter Form.
Verbrennung und barocke Lustbarkeit
Die eigenen Stücke der Kulturwerkstatt beschäftigten sich auch in der Vergangenheit bereits mit der Geschichte. So hat sie die Schnaitbach-Dorfsaga aus dem Oberen Wald aufgerollt, das Schicksal von Grenzgängerin Gertrude Pfeifflin verfolgt, die auf dem Marktplatz in Calw verbrannt wurde.
Sie hat die Zuschauer zu Kreuzzügen nach Jerusalem mitgenommen, in „Hebbes Garage geblickt, barocke Lustbarkeiten kredenzt, den Ausbruch der Pest im Mittelalter und den Überlebenswillen von Männern und Frauen thematisiert.
Termine und Karten
Die nächsten Vorstellungen
von „Ein Tanz. Und das Leben geht weiter“ finden vom 31. Juli bis zum 2. August um 20.30 Uhr statt.
Karten
gibt es online unter www.kulturwerkstatt-simmersfeld.de.