Kommt es so wie geplant? Der Infoflyer zum Schwenninger Museumsquartier nennt bisher bekannte Eckpunkte. Beim Heimatverein ist man gespannt, was davon umgesetzt wird. Foto: Daniela Schneider

Beim Schwenninger Heimatverein ist man gespannt: Kommt das Museumsquartier? Und wenn ja: wie? Viele Fragen sind noch offen, und die Stimmung schwankt zwischen Hoffnung und Skepsis.

„Die Entwicklung der Schwenninger Museen und ihre Zukunft“ – unter dieser Überschrift lud der Heimatverein unlängst zu einer Veranstaltung im Rahmen seiner Geschichtswoche ein. Dabei zeigte sich: Der Blick nach vorne ist bei vielen hoffnungsvoll, und bei einigen skeptisch bis resigniert.

 

Annemarie Conradt-Mach, Vorsitzende des Heimatvereins, gehört weiter zu den Optimisten – trotz mancher ernüchternden Erfahrung aus den vergangenen Jahrzehnten. Sie betont, dass die Schwenninger Museumszukunft sie schon seit einem Vierteljahrhundert beschäftigt.

Schon vor 25 Jahren habe es Überlegungen gegeben, ob man überhaupt Museen in Schwenningen brauche. Ein Unding sei das gewesen, entrüstet sie sich – und allenthalben Ansporn ist das für sie auch jetzt, sich erst recht stark für die Zukunft aufzustellen und sich für ein gutes und sinnvolles Konzept einzusetzen.

Mit Blick auf das Vorhaben Museumsquartier meint die Wirtschafts- und Sozial-Historikerin und glühende Museumsbefürworterin: „Ich hoffe jetzt, dass die neuen Pläne realisiert werden – hoffentlich erlebe ich es noch.“

Museum der Zeit“ geplant

In Richtung von Martina Baleva, der neuen Leiterin der Schwenninger Museen, sagte sie bei dem Vortragsabend: „Wir wünschen Ihnen wirklich viel Glück und uns, dass wir uns da wiedererkennen.“

Der aktuelle Stand sieht so aus: Nachdem die ursprünglichen Pläne für das Bürk-Areal verworfen wurden, soll ein Museumsquartier mit Heimat- und Uhrenmuseum, Städtischer Galerie und Uhrenindustriemuseum in der Stadtmitte entstehen, und zwar im denkmalgeschützten Bestandsgebäude am Muslenplatz und in einem Neubau für das „Museum der Zeit“ und Gegenwartskunst direkt dahinter, auf dem Gelände der Wilhelmspflege. Im Gemeinderat stieß dieses Vorhaben im vergangenen Oktober auf Zustimmung, laut einer Machbarkeitsstudie soll es so umsetzbar sein – für die vorgesehenen zehn Millionen Euro plus eine Million für die Planung.

„Recht neutraler Blick“

Martina Baleva ist seit August 2024 als neue Leiterin der Schwenninger Museen in Verantwortung. Sie erklärte bei dem Geschichtswoche-Abend: „Ich bin gerade dabei, anzukommen.“ Die Kunsthistorikerin pendelt zwischen ihrem Wohnsitz in der Schweiz und VS. Sie, die nach Stationen in Berlin und Basel nun Schwenningen auf der Agenda hat, habe „einen recht neutralen Blick.“

Martina Baleva fordert alle auf, sich beim Thema Museumszukunft mit einzubringen. Foto: Daniela Schneider

Die Pläne für das neue Museumsquartier findet sie überzeugend. Da gibt es allerdings auch andere Stimmen, wie an diesem Abend deutlich wurde. Und einige hat der Glaube verlassen, dass überhaupt noch etwas aus den Plänen wird: „Ich behaupte, dass die meisten, die heute da sind, das nicht mehr erleben werden“, meinte ein Teilnehmer der Veranstaltung.

Architekt Olaf Wuttge-Greimel machte unterdessen seiner Skepsis Luft, wie man mit dem vorgesehenen Geld auskommen will: „Damit werden Sie den Lebtag nicht zurande kommen“, prophezeite er in Richtung der Museumschefin – allein das Brandschutzthema sei da schließlich zu bedenken. Auch Stadtrat Dirk Sautter sagte, dass er sich angesichts der großen vorgesehenen Ausstellungsfläche mit Blick auf die Kosten schon frage, ob „Herr Wuttge-Greimel da Recht behalten könnte“. Dieser meinte: „Mir scheint die nächste Enttäuschung vorprogrammiert.“

Dependance in der Uhrenfabrik

Martina Baleva hielt dem entgegen, dass die Machbarkeitsstudie anderes ergeben habe, und im Übrigen zu den Finanzen andere in den zuständigen Fachämtern darüber belastbare Aussagen treffen müssten. Sie selbst findet das Vorgesehene überzeugend und auch richtig, dass es in der Württembergischen Uhrenfabrik – also im bisherigen Uhrenindustriemuseum – „gewissermaßen eine Dependance“ mit der Werkstatt der Ehrenamtlichen und mit neuen digitalen Elementen geben soll. Die Maschinen und Objekte sollen, so sagte sie, an Ort und Stelle verbleiben und den „authentischen Charakter“ behalten. Mit dem neuen Museumsquartier soll dieser Standort durch einen „Zeitachse-Parcours“ verbunden werden. Für dessen Gestaltung habe man bereits Kontakt mit der „kreativen Szene von Schwenningen“ aufgenommen.

Vorgesehen ist zudem der „Frei:Raum“ als Kulturzentrum, Veranstaltungsort und „Treffpunkt aller Menschen“. Auf dem Muslenplatz stellt man sich Sitzgelegenheiten, Begrünung, Veranstaltungen und Feste vor, gerne auch kombiniert mit Gastronomie. „Das, was ich jetzt da erlebe, ist einfach ein leerer Platz“, erläuterte Martina Baleva, warum sie auch dieses Vorhaben für sehr sinnvoll hält.

Großer Eingangsbereich geplant

Beim Bestandsgebäude am Muslenplatz gehe man davon aus, dass die Fassade bleiben werde, „aber sie wird sich öffnen müssen“. Hier plane man einen großen Eingangsbereich. „Mein Anspruch ist, dass viele, nicht nur lokale, sondern auch überregionale und auch internationale Besucherinnen und Besucher kommen,“ betonte sie. Ein Architektenwettbewerb sei bereits „in Arbeit“. Hier steht ein Vergabeverfahren für einen offenen Wettbewerb zur Auswahl eines Architekturbüros an; im Juli soll der Gemeinderat dieses Verfahren auf den Weg bringen. Man habe die entsprechenden Raumbedarfe dafür angemeldet, wobei man bereits Abstriche habe machen müssen, weil es gelte, das vorgegebene Budget einzuhalten. „Wir können keine Luftschlösser bauen“, betonte sie.

Annemarie Conradt-Mach warf an dieser Stelle ein: Die Einfälle von Balevas Vorgänger hätten mitunter „an Guggenheim erinnert – ich fürchte, so etwas werden wir hier nicht kriegen“. Sie befürwortet die aktuelle Planung: „Der Platz ist zentral und die Leute sind es gewöhnt.“ Und auch Martina Baleva meint: „Mir erscheint der Muslenplatz als am besten geeignet.“ Das Museumsquartier sei „Teil eines großen Stadtentwicklungsprojekts“.

Doch lieber „Think big“?

Andere wiederum äußerten an dem Abend einen anderen Wunsch: „Think big“ – sich also nicht mit kleinen Lösungen zufrieden geben, lieber richtig visionär denken. Und da war dann auch wieder das Guggenheim-Beispiel: Schließlich sei das gleichnamige Museum ein Schlüsselprojekt der Stadterneuerung von Bilbao gewesen. Früher war die Stadt im Baskenland von Industrie geprägt. Mit dem Bau des Museums (eröffnet 1997) begann der Wandel zur Kultur- und Dienstleistungsstadt – und das schwebt manchen als große Lösung auch für Schwenningen vor.

Annemarie Conradt-Mach machte keinen Hehl daraus, dass sie von solchen Vorstellungen nichts hält: „Wir sollten uns darauf konzentrieren, wie die Vorgaben sind und was man daraus machen kann. Eine andere Chance haben wir nicht.“

Einen Überblick über die Geschichte der Schwenninger Museen bietet Jutta Arendt. Foto: Daniela Schneider

Für die weitere Planung, so Martina Baleva, sei eine Reihe von Workshops mit Experten geplant, darunter auch lokale Fachleute, die mit eingebunden werden sollen. Die Museumsleiterin machte mit Blick in die versammelte Runde deutlich: „Ich bin auf Sie angewiesen. Wir können dieses Thema nur gemeinsam erarbeiten.“ Sie selbst sei mit dem Anspruch angetreten, „einen Funken zu entzünden“.

Geschichte der Schwenninger Museen

Überblick durch Jutta Arendt
Seit vielen Jahren befasst sich die Schwenningerin Jutta Arendt, aktives Mitglied im Heimatverein und auch Museumsführerin, mit der hiesigen Museumslandschaft. Sie lieferte während des Vortragsabend einen Überblick über die Historie. Dabei ging sie zunächst auch auf die Geschichte des Heimatvereins, gegründet 1921, und die Altertümersammlung ein. Nach den frühen Grabungen unter Hermann Rupp im Bereich der Alemannen-Gräber gab es den Wunsch nach einem festen Platz für die Funde, darunter Versteinerungen und ein Feuerstein aus der Steinzeit.

Das Heimat- und Uhrenmuseum
Um 1930 wurde eine erste Sammlung in der alten Polizeiwache gezeigt, in dem Gebäude, in dem sich heute das Lokal „Romanca“ befindet. „Dieses Haus wurde aber schnell viel zu klein“, so Jutta Arendt. Also erfolgte noch im selben Jahr der Umzug ein Haus weiter, in die Kronenstraße 16, in das Fachwerkhaus, in dem bis heute das Heimat- und Uhrenmuseum beheimatet ist.

Das Haus steht unter Denkmalschutz. Es wurde im 17. Jahrhundert errichtet und von einer Lehrerfamilie bewohnt, von 1873 bis 1923 war es ein Gasthaus, es gab einen Ökonomieteil und auch mal einen Friseursalon, einen Tanzsaal im ersten Obergeschoss und Wohnungen. Mehrere Anbauten entstanden. Auch eine Mütterberatung, die Volkshochschule und die Bibliothek waren hier schon untergebracht. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Haus seine Blüte: „Zwischen Ulm und Reutlingen gab es nur noch Schwenningen“, machte Jutta Arendt den Stellenwert deutlich. Vor allem die Möbelsammlung habe dazu beigetragen.

Im Fusionsvertrag von VS ist vorgesehen, dass die Museen unterstützt werden. Trotzdem kam nach einiger Zeit der Vorschlag auf , die Schwenninger Museen zu schließen, darunter auch dieses Haus. 1968 erfolgte der Archivanbau. Im Jahr 2000 übernahm Ingeborg Kottmann die Museumsleitung. „Sie hat sich in die Arbeit gestürzt. Was sie gemacht hat, hatte Hand und Fuß“, ist Jutta Arendt vom Engagement der Historikerin noch heute überaus angetan. Dieses habe auch viele Initiativen für die rührige Museumspädagogik mitgetragen. Die Besucherzahlen seien in dieser Zeit von Jahr zu Jahr gestiegen. Trotzdem habe es immer wieder Sparideen gegeben. 2003 habe sich dann die Interessengemeinschaft Schwenninger Museen gegründet.

Man habe auch schwierige Zeiten gemeistert, etwa, als das Gebäude aus Brandschutzgründen ab 2008 geschlossen wurde. Sonderführungen wurden aufrechterhalten, wobei sich insbesondere die Stadtführer „unwahrscheinlich engagiert“ hätten und dies ohnehin auf vielfältige Weise täten.

Uhrenindustriemuseum
Das Museum im ehemaligen Gebäude der Württembergischen Uhrenfabrik nahm 1994 seinen Betrieb auf. Es zeigte bislang exemplarisch eine Uhrenfabrik aus den 1930er-Jahren mit allen Abteilungen wie Dreherei, Nieterei, Fräserei und mehr mit einsatzfähigen Maschinen, die vorgeführt und erklärt wurden. Hier sei der Förderkreis besonders bedeutsam. Die Miete für die Räumlichkeiten, die der städtischen Wohnungsbaugesellschaft gehören, übernimmt die Stadt. Aktuell ist das Haus wegen der Auffrischung der baulichen Substanz geschlossen.

Städtische Galerie
Das Gebäude wurde 1876 als Wohnhaus des Fabrikanten Jakob Kienzle errichtet. 1961 bis 1975 war hier die Hellmuth-Kienzle-Uhrensammlung untergebracht. 1990 wurde das Haus zur Städtischen Galerie. „Sie hat es in sich“, versichert Jutta Arendt.

Internationales Luftfahrtmuseum
Das Luftfahrtmuseum besteht seit mehr als 30 Jahren. Besitzerin Margot Pflumm und ihre Tochter Sibylle waren bei dem jetzigen Vortragsabend ebenfalls vor Ort. Sie wollen ihr privates Museum verkaufen und sind guter Dinge, dass sich eine Nachfolgelösung finden wird.

Weitere Museen
Zu erwähnen sind natürlich auch die Villinger Museen, allen voran das Franziskanermuseum, und die Einrichtungen in den Stadtteilen, wie etwa das Bauernmuseum in Mühlhausen. Über sehenswerte Privatmuseen verfügen zudem zum Beispiel die Unternehmen Sternplastic und Isgus.