Carsten Kohlmann ließ die Besucher an seinem umfangreichen Wissen zur Hohenschramberg teilhaben. Foto: Olowinsky

„Wenn man vom Schlangenbühl Richtung Schramberg fährt, hat man den schönsten Blick auf die besondere Lage der Fünftälerstadt. Und mitten drin thront die Ruine Hohenschramberg“: So begrüßte Carsten Kohlmann (Stadtarchivar und Museumsleiter) die zahlreichen Gäste des Generationen und Seniorentreffs.

Was dann folgte, war aber kein Bericht über ein Ausflugsziel, sondern vielmehr eine große Zeitreise in die Geschichte dieser Burganlage.

 

Etwa 3000 Burgen und Burgreste gibt es in Baden-Württemberg. Davon sind ein Drittel heute noch sichtbar, aber archäologisch untersucht ist nur eine geringe Zahl – eine davon ist die Hohenschramberg.

Im Hochmittelalter wurden Burgen und Wohntürme gebaut, besonders in grenznahen Konfliktgebieten. Als eine der letzten Adelsburgen und zugleich erste befestigte Anlage entstand dann in Schramberg die Hohenschramberg unter Hans von Rechberg im Jahr 1457, der seinen Sitz von Göppingen nach Schramberg verlegte, die Burgen Schilteck, Ramstein erbaute und später Falkenstein kaufte.

Zum Haus Habsburg

So entstand die freie Herrschaft Schramberg, nur dem Kaiser verpflichtet, mit Recht über Leben und Tod. 1526 erwarb Hans von Landenberg die Herrschaft, die nach familiären Zwistigkeiten, aber auch Auseinandersetzungen mit der freien Reichsstadt Rottweil, 1547 an Rochus Merz von Staffelfelden verkauft wurde.

1583 gelangte sie dann ans Haus Habsburg und blieb bis 1805 vorderösterreichisch. 1648 wurde diese Herrschaft an die späteren Grafen von Bissingen und Nippenburg verpfändet, die zunächst auf der Burg Hohenschramberg wohnten, später aber 1772/73 ihr erstes Schloss im Tal bauten. Die Hohenschramberg wurde 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Soldaten von König Ludwig XIV. zerstört. Mit zahlreichen Parallelen zur Neuzeit belegte Kohlmann immer wieder die Bedeutung dieser Burg für die Raumschaft und machte dabei deutlich, wie jeder dieser Bauherren und Burgbesitzer seine Macht auch baulich demonstrierte – mal durch architektonische Stilmittel, mal durch überragende Turmkonstruktionen, die weithin sichtbar waren, mal durch Befestigungsanlagen gegen feindliche Angriffe.

Erinnerung an Burgpionier

Vieles davon ist heute noch erkennbar und bestimmt noch immer die besonderen Konturen dieser Burg hoch über Schramberg.

Großes Interesse zeigte das Publikum an den zahlreichen Hinweisen auf die besonderen Verdienste von engagierten Bürgern der Stadt, den „Burgpionieren“ mit Lothar Späth. 65 Jahre lang hatten er und zahlreiche Helfer die Reste der Burg freigelegt, rekonstruiert und zahllose Funde archiviert. So können heute im archäologischen Magazin und vor allem in der Dauerausstellung im Stadtmuseum im Schloss Funde betrachtet werden, die als wichtige Zeitzeugen dieser ereignisreichen Burgengeschichte gelten. Dies alles .betonte Kohlmann immer wieder, sei durchaus bemerkenswert und ein Alleinstellungsmerkmal von Schramberg, das noch mehr Beachtung verdiene.