Der naturnahe Hirschauer Baggersee ist beliebt bei Badegästen und Spaziergängern. (Archivfoto) Foto: Daniel Begemann

Ein Strandbad und weniger Exhibitionismus – das verspricht eine Gestaltungsidee von Studierenden für den Hirschauer See. Doch sie stößt auf Widerstand bei der Stadt.

Eine KI-Simulation lässt den Baggersee in Hirschau als attraktiven Badeort glänzen: Ein sanft ins Wasser abfallender Sandstrand erstreckt sich am Ufer. Er lädt zum Sonnenbaden und sicheren Schwimmen ein. Das Bild ergänzen könnte ein Café mit Terrasse direkt am Strand. Eine Fahrradstraße, Fahrradstellplätze, behindertengerechte Parkplätze und eine neue Bushaltestelle „Baggersee Hirschau“ könnten die Umgebung des Sees aufwerten.

 

Die beschriebenen Ideen sind nicht rein zum Vergnügen der Fantasie einer Künstlichen Intelligenz entsprungen, sie sind ein Projekt von Studierenden des vierten Semesters im Studiengang Nachhaltiges Regionalmanagement an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Der Jahrgang hatte sich im vergangenen Sommersemester mit der Verbesserung der Attraktivität des Baggersees im Tübinger Stadtteil Hirschau beschäftigt.

Problem der sexuellen Belästigung auch im Blick

Ihr Professor für Naturraum- und Regionalentwicklung, Thomas Gottschalk, hatte den Studierenden die Aufgabe gestellt, einen geeigneten Standort für ein Strandbad zu finden, der sowohl den naturschutzfachlichen Anforderungen genüge trägt als auch attraktiv für Badegäste ist.

Mit ihrem Entwurf wollten die Studierenden einen ganzheitlichen Ansatz für den See verfolgen, der auch die Probleme nicht außer Acht lässt. Neben einer Aufwertung als Erholungsgebiet und einem Anreiz für Touristen sollten auch Probleme wie sexuelle Belästigung, Müll und Feuerstellen angegangen werden.

So sieht die KI-Simulation eines möglichen Badestrands am Westufer des Baggersees aus. Sie wurde von der Studentin Annika Wurst erstellt. Foto: KI-Simulation/Annika Wurst

Das sagt die Stadt Tübingen

Doch haben die Ideen eine Chance, von der Stadt Tübingen umgesetzt zu werden?Pressesprecherin Claudia Salden, weist auf Nachfrage unserer Redaktion zunächst einmal darauf hin, dass in das Projekt der Hochschule weder die Stadtverwaltung noch örtliche Interessensgruppen einbezogen worden seien. Man habe von dem Projekt aus der Presse erfahren, die Vorschläge der Studierenden würden der Stadt nicht vorliegen. „Auch der Ortschaftsrat Hirschau und der Ortsvorsteher waren von der Initiative überrascht und irritiert, dass sie im Vorfeld nicht einbezogen wurden“, sagt Salden.

Die Stadt Tübingen sehe keine Notwendigkeit, die Nutzung des Sees als Badesee – der als solcher bewacht werden müsse – zu intensivieren. Und zwar aus folgenden Gründen: Salden sagt: „Der Baggersee ist nicht nur ein idyllisches Gewässer, das gerne zum Baden genutzt wird, sondern vor allem Lebensraum für viele Tiere und ein wichtiger Rastort für seltene Vogelarten, insbesondere während der Zugzeit der Zugvögel. Das Südufer ist in weiten Teilen eine entsprechende Schutzzone. Der gesamte Baggersee ist ein besonders geschütztes Biotop mit Röhrichten, Großseggen-Rieden, naturnahen Stillgewässerbereichen und Gehölzstrukturen.“

Auch das Thema Geld spielt eine Rolle. Umbaumaßnahmen wie ein flacherer Zustieg seien angesichts der aktuellen Haushaltslage nicht geplant und auch seitens des Ortschaftsrates nicht gewollt, teilt Salden mit.

Ordnungsdienst auf Streife

Auch wenn es wohl in absehbarer Zeit keinen neuen Badestrand in Hirschau geben wird, ist der Stadt die Sicherheit von Badegästen an dem naturnahen See ein Anliegen: „Jede Erfahrung von Belästigung und Exhibitionismus ist eine zu viel. Daher bestreift der Kommunale Ordnungs- und Vollzugsdienst den Hirschauer Baggersee vor allem bei gutem Badewetter im Sommer schwerpunktmäßig. Zudem wurden zwei Notrufsäulen installiert, über die man bei Badeunfällen, aber auch in sonstigen Notfällen schnell Hilfe anfordern kann“, sagt die Pressesprecherin. Die Säulen sind seit knapp einem Jahr in Betrieb, seien aber bislang noch nicht genutzt worden.