Am Wahlabend war die Stimmung erst angespannt. Inzwischen ist die Freude bei Carl Christian Hirsch, dem neuen CDU-Abgeordneten für den Kreis Calw, angekommen.
Als die Prognose zur Landtagswahl 2026 über die Bildschirme flimmerte, war die Stimmung bei der CDU im Keller, auch bei Carl Christian Hirsch. „Ich wollte mit der Partei einfach Erster werden“, sagt der Mann aus Nagold-Hochdorf einen Tag nach der Wahl. Und als klar war, dass man das nicht schaffen würde, sei einfach eine Enttäuschung dagewesen, erzählt er im Gespräch mit der Redaktion.
Aus dieser Enttäuschung heraus schaltete Hirsch bei der Wahlparty dann auf Attacke, griff die Grünen, ihren Wahlkampf und ihren Spitzenkandidaten Cem Özdemir mit deutlichen Worten an. Unterstellte ihnen eine „Schmutzkampagne“ gegen Manuel Hagel und einen inhaltsschwachen Wahlkampf. Ein solcher Ausbruch passe ja eigentlich gar nicht zu ihm, sagt Hirsch. Er sei ja eigentlich eine „ausgleichende Person“, wie er selbst sagt. Aber er sei auch jemand, der nicht drum herum quatsche. Und das sei in diesem Moment zu Tragen gekommen.
Sorgen hat er sich um das Abschneiden der AfD gemacht
Inzwischen ist die Freude darüber, für die CDU und den Kreis Calw das Landtagsmandat errungen zu haben, beim Mitglied der Geschäftsführung der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald angekommen. Inzwischen habe ihn auch eine dreistellige Zahl an Glückwünschen erreicht. Persönlich sei er mit seinem Ergebnis auch „hoch zufrieden“, sagt er. 37,6 Prozent hat der Mann, der aus der Kommunalpolitik kommt und die Fraktion der CDU im Nagolder Gemeinderat anführt, gleich bei seiner ersten Kandidatur geholt.
Echte Zweifel, dass er das Mandat holen würde, habe er keine gehabt. Im Wahlkampf habe er mit 4000 Haushalten im ganzen Landkreis gesprochen. „Da bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie die Stimmung ist“, so Hirsch. Sorge habe er sich nur über die Zustimmung für die AfD und deren Kandidaten Miguel Klauß gemacht. Und über den Abstand zwischen CDU und AfD. Die konnte er bei den Erststimmen klar distanzieren. Am Ende erreichte Hirsch mehr als zwölf Prozent mehr als Klauß. Jetzt wolle er genau diesem Vertrauen der Bürger auch gerecht werden.
„Wir werden Özdemir an seinen Worten messen“
Seine Motivation sei „unermesslich“ sagt er. Und das merkt man, wenn er vom wahrscheinlichen Koalitionspartner spricht. Die Grünen in Baden-Württemberg hätten im Wahlkampf keine grünen Positionen vertreten, ärgert er sich, wiederholt den Vorwurf der „Schmutzkampagne“ und macht eines für sich und seine Partei klar: „Wir werden Özdemir an seinen Worten messen“, kündigt der Landtagsneuling an, der sich aber sicher ist: „Wir werden das Beste draus machen.“
Auf welchem Gebiet der Politik sich Hirsch im Landtag besonders engagieren wird, steht so kurz nach der Wahl freilich noch nicht fest, aber sein beruflicher Hintergrund bei der IHK spricht dafür, dass seine persönlichen Vorlieben auf den Gebieten Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur liegen. Auch und besonders für den Kreis Calw, als dessen Interessenvertreter in Stuttgart und im Landtag er sich sieht. Auch wenn er Nagolder ist und dort im Gemeinderat sitzt, denke er immer in Regionen, nicht in einzelnen Städten.
Carl Christian Hirsch wird Berufspolitiker
Mit der konstituierenden Sitzung des Landtags am 12. Mai wird Hirschs Karriere bei der IHK übrigens zumindest unterbrochen. Hirsch wird Berufspolitiker. Für seinen Posten bei der IHK-Niederlassung in Nagold wird sich die Kammer um einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin bemühen müssen. So sei das mit der IHK auch kommuniziert worden.
Und was für ein Politiker wird da ab Mai für den Kreis Calw im Landtag sitzen? Die Antwort auf diese Frage steckt meistens in den Antworten auf die Frage, welche politischen Vorbilder man hat. Für den Mann, der aus der Nagolder Lokalpolitik kommt, fallen da Namen der Nagolder Politprominenz wie Wolfgang Schäfer, Klaus Drissner und Helmut Raaf. Etwas größer gedacht, gäben ihm auch Politiker wie Manfred Rommel oder Erwin Teufel Inspiration.
Wenn es aber um Persönlichkeiten gehe, die ihm in der Landespolitik Orientierung geben, dann fällt bei ihm ganz schnell der Name Lothar Späth, der baden-württembergische Ministerpräsident, der wegen seiner Gewitztheit, Wendigkeit und seines Einfallsreichtums den Spitznamen „Cleverle“ trug.
Ob mit dem Nagolder Carl Christian Hirsch allerdings nun ein weiteres „Cleverle“ in den Landtag eingezogen ist, das muss erst noch die Zukunft weisen.