Die Pläne für das Sparkassen-Gebäude in der Lahrer Schillerstraße sind für die Stadt zu groß geworden. Foto: Bender

Die Stadt Lahr wollte gemeinsam mit der Sparkasse in deren Kundenzentrum in der Innenstadt ein breites Sozial- und Kulturangebot schaffen. Nun die Hiobsbotschaft: Das Projekt ist zu teuer. Bürgermeister Guido Schöneboom will aber weiterkämpfen – zumindest für die Mediathek.

Selten in der jüngeren Vergangenheit der Stadt Lahr war ein Vorhaben mit mehr Enthusiasmus und Zielstrebigkeit verfolgt worden. Vor-Ort-Besuche bei Anschauungsobjekten in Holland, eine Online-Umfrage unter Bürgern, verwaltungsinterne Workshops und sogar einen öffentlichen Vortrag des Architekten hat es bereits gegeben. Umso schwerer fällt dem zuständigen Bürgermeister Guido Schöneboom nun die Feststellung: „Der Dritte Ort wird nicht so kommen, wie wir uns das vorgestellt und gewünscht hatten.“

 

Das „Wohnzimmer für alle“, wie die Stadt ihre Vision auch bezeichnete, sollte im Sparkassen-Gebäude in der Schillerstraße eingerichtet werden. Dort gibt es viel freien Raum, weil das Geldinstitut seine Mitarbeiter mehr und mehr am Stammsitz in Offenburg konzentriert. Im Zentrum des Dritten Ortes sollte die Mediathek stehen. Dazu Elemente wie das Mehrgenerationenhaus und der Seniorentreff, die Städtische Galerie, Gastronomie und Veranstaltungsflächen.

Machbarkeitsstudie bleibt unter Veschluss

Für vergangenen November hatten Stadt und Sparkasse die Veröffentlichung einer Machbarkeitsstudie angekündigt – was bis heute nicht passierte. „Das Papier liegt uns vor, das Konzept ist exzellent. Aber die Umsetzung ist in Anbetracht unserer aktuellen haushalterischen Situation nicht realistisch“, erklärt Schöneboom, ohne Zahlen zu nennen. Der gemeinsame Plan sah vor, dass die Sparkasse ihre Räume nach den Architektenvorstellungen umbaut, die Stadt sie auf Dauer zu einem entsprechenden Preis mietet. Nun habe man „erst mal die Pause-Taste gedrückt“.

Mehr Platz für VHS und Mediathek

Wenn auch nicht die Top-Lösung kommt, dass etwas passieren muss, steht für Schöneboom mit Blick auf das Haus zum Pflug außer Frage. Im Gebäude in der Kaiserstraße 41 sind Volkshochschule und Mediathek untergebracht – und kommen sich dort räumlich zunehmend in die Quere. Schöneboom: „Inhaltlich rangieren wir mit unserem außerschulischen Bildungsangebot im Landesvergleich regelmäßig im vorderen Drittel, beim Platzangebot liegen wir leider weit hinten.“

Stadt und Sparkasse bleiben im Gespräch

Weil „substanzielle Verbesserungen“ für beide Einrichtungen im Bestand nicht möglich seien, werde er mit Sparkasse und dem beauftragten Architekten Aat Vos, der in der Branche als „Dritter-Ort-Papst“ gilt, im Gespräch bleiben, verspricht der Erste Beigeordnete. „Ich kann noch nicht sagen, in welchem Umfang, aber Teile des Projekts wollen wir versuchen zu retten.“ Ziel sei, wenigstens mit der Mediathek in die Schillerstraße zu ziehen. Bedeutet aber auch, dass die genannten anderen städtischen Einrichtungen bis auf Weiteres in ihren teils sanierungsbedürftigen Räumen bleiben müssten.

Genug Platz im Kundenzentrum

Die Sparkasse, die von ihrem 1988 errichteten, rund 4500 Quadratmeter großen Kundenzentrum künftig nur noch gut ein Drittel für eigene Zwecke benötigt, ist grundsätzlich auch für eine deutlich abgespecktere Kooperation zu haben. Sprecher Klaus Fey erklärt auf Nachfrage der LZ: „Wir sind in ständigem Kontakt mit der Stadt Lahr und warten nun auf konkrete Vorschläge. Wir sind offen für Gespräche und Ideen, wenn sie denn für beide Seiten attraktiv sind.“

Und wie geht’s nun weiter? Schöneboom kündigt an, „schnellstmöglich einen verträglichen Vorschlag“ zu entwickeln, um diesen dann dem Gemeinderat und dessen Gremien zu präsentieren.

Und was wird mit dem alten Post-Areal?

Ursprünglich wollte die Stadt das ehemalige Post-Areal in der Lotzbeckstraße gemeinsam mit der Volksbank Lahr als Eigentümerin entwickeln, dort Volkshochschule und Mediathek unterbringen. Bis sich dieses Vorhaben als zu teuer erwies – und Gespräche zur Nutzung des Sparkassen-Gebäudes aufgenommen wurden. Konkrete Pläne für die gut 4000 Quadratmeter große Brache am Eingang zur Innenstadt gibt es nach wie vor keine, wie Volksbank-Chef Peter Rottenecker auf Nachfrage der LZ berichtet: „Die Situation auf dem Immobilienmarkt ist derzeit wenig investorenfreundlich.“ In der Vergangenheit hatte der Bank-Vorstand erklärt, dass er sich für das frühere Post-Gelände einen Mix aus Wohnbebauung und Dienstleistungsgebäuden vorstellen könne.