Die Bertholdbrücke in Villingen ist in einem schlechten Zustand. Deswegen gelten aktuell Beschränkungen wie Tempo 30. Foto: Marc Eich

Die Bertholdbrücke in Villingen kann nur noch unter Auflagen befahren werden. Ein millionenschwerer Neubau ist nötig. So verlief die Diskussion im Technischen Ausschuss.

Das Urteil der Experten ist klar und vernichtend. Ein Sanierung der Brücke über der Bertholdstraße in Villingen macht keinen Sinn mehr – das Bauwerk muss abgerissen und neu errichtet werden.

 

Ziel sollte es nach Aussage der Fachleute sein, in vier bis sechs Jahren diesen Neubau zu realisieren. Bis dahin ist eine Weiternutzung nur unter Auflagen möglich: eine Gewichtsbeschränkung auf 30 Tonnen sowie eine Reduzierung der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer für beide Fahrtrichtungen. Erste Angaben zu den Kosten für eine neue Brücke liegen bei 25 Millionen Euro. Dieses Geld muss die Stadt in ihrer mittelfristigen Finanzplanung berücksichtigen. Für den kommenden Doppelhaushalt 2026/27 wirksam sind Planungsleistungen in Höhe von geschätzten 1,5 Millionen Euro.

Die Sprecher der Fraktionen zeigten sich in der Sitzung des Technischen Ausschusses am Dienstagabend in der Neckarhalle „geschockt“. Unter anderem mit dem Blick auf die angespannte Finanzlage der Stadt. Denn schon heute zeichnet sich ein erheblicher Sparzwang angesichts eines von der Kämmerei angegebenen Minus von 30 bis 40 Millionen Euro für den kommenden Doppelhaushalt ab. Außerdem ist in der Verwaltungsvorlage auch offen benannt, dass Schäden durch vernachlässigte Unterhaltung sowie durch Sofortmaßnahmen entstanden seien, die aus heutiger Sicht offenbar nicht fachgerecht waren.

Für die Freien Wähler forderte Andreas Flöß daher einen Untersuchungsausschuss, der aufarbeiten soll, wie es zu diesen Schäden kommen konnte – auch um daraus für die Zukunft zu lernen. Für die Grünen sprachen sich Ulrike Salat und Armin Schott ebenfalls für so ein Vorgehen aus.

Schlag ins Kontor

„Ich möchte das Entsetzen unserer Fraktion ausdrücken. Wir haben so tolle Projekte für die Stadt geplant. Die 25 Millionen Euro für eine neue Brücke hauen jetzt richtig rein“, sagte Ulrike Salat.

Für die Freien Wähler führte Dirk Gläschig noch eine Reihe von Punkten auf, bei denen Klärungsbedarf bestehe. „Erst vor zwei Jahren haben wir bei der Brücke über die Peterzeller Straße mit dem Kopf geschüttelt, weil es jahrelang keine Brückenprüfung gegeben hat.“ In seiner Fraktion sieht man es darüber hinaus kritisch, dass nach der Peterzeller Brücke bei der Bertholdbrücke wieder das Freiburger Büro Weber-Ingenieure mit einem Auftrag zum Zuge gekommen sei.

„Riesenschaden durch Unterlassung“

Für das weitere Verfahren forderte Flöß: „Wir möchten eine große Ausschreibung haben, bei der sich eine Vielfalt von Büros wiederfindet.“ Die Ergebnisse kommentierte er: „Wir können nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Wir haben einen Riesenschaden durch Unterlassung. Es ist ein unglaublicher Schlag, dass wir diese Summe aufbringen müssen.“ Bürgermeister Detlev Bührer sagte zunächst, dass die Gemeindeordnung keinen Untersuchungsausschuss vorsehe. Oberbürgermeister Jürgen Roth fand dann in der Geschäftsordnung des Gemeinderates einen Passus, der so etwas möglich mache. Bei der Abstimmung darüber sprach sich eine Mehrheit des Technischen Ausschusses mit zehn Ja-Stimmen (bei drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung) für die Bildung eines solchen Gremiums aus.

Silvie Lamla, Leiterin des Amtes für Grünflächen und Tiefbau, wies darauf hin, dass möglicherweise verantwortliche Personen im Technischen Dezernat der Stadt mittlerweile im Ruhestand seien und sich ein Vorsatz schwer beweisen lassen würde. Armin Schott (Grüne), bis zu seinem Ruhestand im Technischen Dezernat beschäftigt, berichtete, dass eine der Personen versucht habe, auf das Thema aufmerksam zu machen, sich aber kein Gehör habe verschaffen können. „Wir sind dankbar, dass die Vorlage so ehrlich ist.“ Die jetzt im Raum stehenden 25 Millionen Euro für eine neue Brücke wirbelten den anstehenden Doppelhaushalt ordentlich durcheinander. „Wir erwarten da schon ein paar Antworten.“

Wie geht es weiter?

Michael Steiger (FDP) sagte, man müsse jetzt den Blick nach vorn richten. Man brauche schnell Klarheit, wie es weitergehe, ob es für die Phase des Neubaus eine Ersatzbrücke geben könne und wie die Umleitungen für den Verkehr laufen. Jens Löw (SPD) gab zu bedenken, dass auch die Brücke über die Vockenhauser Straße in keinem guten Zustand sei, aber bei einer Umleitung zusätzlichen Verkehr aufnehmen müsse. „Kommen wir da in die nächste Bredouille?“

In der Sitzung seiner Fraktion habe man die „Schuldfrage“ auch diskutiert, so Dirk Sautter (CDU). „Aber: Bringt uns das nach so langer Zeit weiter, und was ist von den damaligen Sachbearbeitern noch zu erwarten?“ Im Mittelpunkt der Diskussion habe schließlich die bange Frage gestanden: Wie viel Risiko steckt da noch drin beim Rest der Brücken?

Extern vergeben

Alle Brückenprüfungen würden mittlerweile extern vergeben – auch weil die einzige Stelle in der Verwaltung dafür nicht besetzt werden könne. „Stand heute gibt es nichts, was wir über weitere gravierende Brückenschäden wissen – aber das kann sich nach jeder Hauptprüfung ändern“, so die Amtsleiterin. Der Technische Ausschuss stimmte dem Bericht zu sowie einer Sonderprüfung der Bertholdbrücke, der Vorbereitung einer EU-weiten Ausschreibung für Planungsleistungen für einen Neubau. Das letzte Wort hat der Gemeinderat nächste Woche.