Der Marktstraße droht ein weiterer Leerstand: Nach 27 Jahren geben die Inhaber das Wäschegeschäft Bodykult auf. An anderer Stelle gibt es indes gute Neuigkeiten – nicht nur beim Bistro Wolkenkratzer.
„Wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht, sie ist aber reiflich überlegt und bewusst gefallen“, sagen Alexandra und Domenico De Luca. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert hat das Unternehmer-Ehepaar Wäsche, Bademoden, Dessous und Strümpfe an Mann – und vor allem – Frau gebracht. 1997 übernahmen die De Lucas das „Strumpfparadies“ in der Kaiserstraße 30, 2006 folgte der Umzug in die Marktstraße 10. Seitdem hat sich ihr Geschäft unter dem Namen Bodykult einen Namen über die Grenzen Lahrs gemacht.
Alexandra und Domenico De Luca sind sich bewusst, dass ihr Rückzug ein herber Schlag ins ohnehin gebeutelte Kontor der Innenstadt bedeutet. Wieder ein inhabergeführter Traditionsbetrieb weniger. „Wir fühlen uns sehr verbunden mit Lahr und den Menschen hier.“ Indes – die zahlreichen Leerstände seien kein Zufall. Eine „schwierige allgemeine Wirtschaftslage“, „steigende Lebenshaltungskosten“ und mittlerweile auch „die Angst um den Arbeitsplatz“ sorgten dafür, dass bei den Leuten das Geld nicht mehr so locker sitze. „Der Einzelhandel spürt das immer als Erster“, sagt Domenico De Luca. Zwar hielten die Stammkunden dem Bodykult seit Jahren die Treue, doch fehle es zunehmend an der Laufkundschaft. Der aufstrebende Onlinehandel trage seinen Teil zum Sterben der stationären Geschäfte bei. Hier habe „Corona die Entwicklung um zehn, 15 Jahre beschleunigt“.
Am heutigen Donnerstag startet im Bodykult der Räumungsverkauf. Wann genau die Türen schließen, wissen die De Lucas noch nicht zu sagen. „Wir werden nicht heute oder morgen gehen, aber wir gehen.“ Auch was mit dem rund 90 Quadratmeter großen Ladenlokal in 1 a-Lage passiert, ist noch unklar: Das Unternehmer-Paar sucht nach einem Mieter, ohne sich auf eine Branche festzulegen. Interessenten dürften sich im Geschäft melden.
Inhaber haben bereits konkrete neue Pläne
Wichtig ist den De Lucas, ihre Mitarbeiterinnen versorgt zu wissen: „Beide haben etwas in Aussicht. Das freut uns. Denn sie haben über Jahre einen super Job gemacht. Wir waren und sind ein gutes Team, das haben uns auch unsere Kunden immer so zurückgespiegelt.“ Und was wird aus den Geschäftsinhabern selbst? Da gibt es schon konkrete Pläne: Er werde als Yogalehrer arbeiten, sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie. „Wir sind vorbereitet auf das, was kommt. Aber jetzt bringen wir erstmal das eine gut zu Ende, bevor wir mit voller Kraft in das Neue starten.“
Sektempfang am Samstag im „Wolkenkratzer“
Gänzlich anders ist die Situation ein paar Meter die Marktstraße hinunter: Wie berichtet, steht im Bistro Wolkenkratzer die von vielen Lahrern lange ersehnte Wiedereröffnung an. Ab Samstag geht’s in der Kultkneipe weiter. Ela und Esra Yasar, die neuen Betreiber, laden ab 15 Uhr zum Sektempfang – mit offenem Ende. „Wir hoffen auf einen angenehmen Tag. Wir wollen, dass wieder Leben in die Innenstadt kommt und wünschen uns, dass die Lahrer sich genauso auf uns freuen, wie wir auf sie“, erklärt Ela Yasar im Gespräch mit unserer Redaktion.
Das Bistro hat an sieben Tagen die Woche geöffnet. Dienstags und Samstag orientieren sich die Betreiberinnen am Wochenmarkt und starten um 8.30 Uhr, an den anderen Wochentagen geht’s um 9 Uhr los, sonntags um 11 Uhr. Abends hat der „Wolkenkratzer“ unter der Woche bis 23 Uhr geöffnet, „an den Wochenenden länger“, kündigt Ela Yasar an.
Intensive Vorbereitungen auf den Neustart des Bistros
Die Vorbereitungen seien intensiv gewesen. Trotz ihrer Erfahrungen aus dem „Elti“ am Doler Platz sei das Bistro ein Stück weit Neuland für die Schwestern. Auch deshalb habe man sich via Instagram bei den potenziellen Gästen erkundigt, was im neuen „Wolkenkratzer“ auf keinen Fall fehlen darf – und einige Anregungen aufgenommen. Vorerst, betont Ela Yasar, bleibt es auf jeden Fall bei kalten Snacks und Flammenkuchen. Man wolle die Gäste zum Start nicht „direkt überfordern“. Überraschungen habe man aber schon im Sinn.
Das Ambiente hingegen „hat sich sehr verändert“, sagt die Betreiberin – will jedoch noch nicht mehr verraten. „Das muss man sich selbst anschauen.“ Sie betont allerdings, dass man den „Wolkenkratzer“ nicht komplett auf den Kopf gestellt habe. „Das alte Feeling bleibt“, erklärt Yasar und verspricht „gute Laune, gute Drinks und gute Vibes“.
Ernsthaftes Interesse an „Schäfer’s Eck“
Gegenüber bei „Schäfer’s Eck“ zeichnet sich ab, dass es mit neuem Betreiber weitergehen könnte. Nach LZ-Informationen gab es zuletzt ernsthafte Interessenten für das Feinkostgeschäft mit Bistro am Rosenbrunnen. Die bisherigen Betreiber Lutz Alexander und Tobias Schneider hatten im August angekündigt, sich zum 30. September zurückzuziehen.
Restaurant statt Bettenhaus
Definitiv etwas passieren wird in der Kaiserstraße: Im ehemaligen Bettenhaus Striebel wird derzeit umgebaut. Die Inhaber der Bäckerei Gaziantep (ehemals Café Ehrensberger) bereiten dort die Eröffnung einer Gaststätte vor.